Die GEW begrüßt "Rundreise" der Ministerin warnt aber auch vor einer PR-Arbeit auf dem Rücken der Erzieherinnen und Erzieher im Land

Die Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) reist derzeit durch die Kitas des Landes, um sich persönlich davon zu überzeugen, "wie Mädchen und Jungen in Mecklenburg-Vorpommerns Kindertagesstätten spielen und lernen". Nach eigenen Angaben möchte sie im "Gespräch mit den Erzieherinnen" herausfinden, wo "der Schuh drückt".

17.04.2009 Pressemeldung GEW Mecklenburg-Vorpommern

Die GEW begrüßt ausdrücklich, dass sich die Sozialministerin vor Ort mit den Problemen der Kolleginnen und Kollegen auseinandersetzen möchte. Es besteht jedoch die Gefahr, dass mit dieser Kita-Tour angesichts der knappen Kassen die Verantwortung für Entscheidungen zur punktuellen Verbesserung der Situation auf die Erzieherinnen und Erzieher übertragen wird. "Wir wollen nicht, dass die Erzieherinnen sich zwischen einer Stunde mehr Vorbereitungszeit oder einem Kind weniger in der Gruppe entscheiden müssen.", äußert Daniel Taprogge, Referent für Tarifpolitik, Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW M-V, die Befürchtungen der Gewerkschaft in diesem Zusammenhang. Vergessen sein darf nicht, dass gerade die SPD als langjährige Regierungspartei im Land, auch die Mängel des KiFöG mit zu verantworten hat. In Vorbereitung zu Novellierungsgesprächen empfiehlt ihr deshalb Daniel Taprogge, unter anderem das Studium des DGB-Index "Gute Arbeit", der seit 2007 erhoben wird. Dieser spiegelt auch die Arbeitssituation der Kolleginnen und Kollegen im Land wider: "Einerseits erkennen sie in ihrer Arbeit einen äußerst hohen Sinngehalt - Andererseits fühlen sie sich nicht entsprechend der Höhe der Verantwortung, die sie tragen, vergütet."

Auch Heike Schweda, Vorstandsmitglied der GEW M-V, sieht viele Probleme, die der Ministerin schon vor Besuch der Kitas bekannt sein sollten: "Die Kolleginnen sollen die Entwicklung jedes Kindes schriftlich dokumentieren, sie sollen sich weiterbilden und die Kinder am Besten individuell fördern. Das alles jedoch bei gleichen Stunden, gleicher hoher Gruppenstärke und häufig geringer Bezahlung. Das hilft weder den Kindern – noch den Kolleginnen!" Die Bildungsgewerkschaft wird sich deshalb auch in dieser Novellierungsrunde des KiFöG weiterhin mit ihren Forderungen einbringen. Dazu gehören u.a. eine ausreichende und bezahlte Vor- und Nachbereitungszeit, eine bessere Ausbildung auf Fachhochschulniveau, eine grundsätzlich bessere Bezahlung, darunter auch die Vereinbarung von Tarifverträgen mit freien Trägern, sowie die Aufnahme des Hortes in das KiFöG. " Außerdem fordern wir im Sinne unserer Kinder, dass der Betreuungsschlüssel verbessert wird. Die Gruppenstärke sollte in der Krippe nicht mehr als vier, im Kindergarten nicht mehr als acht und im Hort nicht mehr als zwölf betragen ", ergänzt Schweda. Die Größe der Gruppen ist nicht nur für eine bessere individuelle Förderung der Kinder maßgebend. Sie bestimmt auch die Höhe der Belastung durch Stress und Lärm für die Erzieherinnen und Erzieher.


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