DJHT: Mehr Kompetenzen für die Jugendämter - bessere Betreuung und Bildung für die Jüngsten
(Eigenbericht) Familienministerin Renate Schmidt hat heute Mittag gemeinsam mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff den 12. Jugendhilfetag in Osnabrück eröffnet. Dabei mahnte sie insbesondere die Reform des Jugendhilfegesetzes an.
02.06.2004 ArtikelEiner der Kernpunkte, so die Ministerin, sei die Verbesserung der Betreuungs- und Bildungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren. Daneben bräuchten die Jugendämter mehr Kompetenzen. Und schließlich gelte es, Fehlentwicklungen entgegenzusteuern und gut verdienende Eltern bei den Kosten der stationären Unterbringung stärker mit einzubeziehen. "Wenn sich zum Beispiel ein Oberbürgermeister einer süddeutschen Großstadt einen Internatsplatz für sein Kind auf Kosten der Jugendhilfe erschleicht, dann kommt die gesamte Kinder- und Jugendhilfe in Misskredit", betonte die Ministerin.
Mit anderen Worten: es geht um eine gerechtere Verteilung der ohnehin knappen Mittel. Die Absicht des Bundes, vermehrt in die frühkindliche Betreuung zu investieren, wurde von den Organisatoren des Jugendhilfetages einhellig begrüßt, skeptisch ist man allerdings, woher die notwendigen Mittel nun wirklich kommen sollen.
Etwa 20 000 Besucher werden in den nächsten drei Tagen in der Friedensstadt an der Hase erwartet. In 14 Zelthallen und auf über 14000 Quadratmetern präsentieren rund 300 Kommunen, Verbände und Initiativen ihre Kinder- und Jugendarbeit. Da geht es dann unter anderem um Kulturarbeit mit Kindern, um Schulverweigerer, um internationale Jugendhilfeinitiativen oder um Projekte mit jugendlichen Straftätern.
Beispiel: Das Projekt Trial des Jugendamts Rhein-Erft-Kreis. Straffällig gewordene Jugendliche lernen hier mit Motorrädern Hindernisse im Gelände zu überwinden und auf zwei Rädern über Stock und Stein zu fahren. Es gilt – ähnlich wie in vielen anderen Lebenssituationen – schwierige Passagen mit Geschick und Selbstvertrauen zu überwinden. Erst fünf Monate alt ist das Projekt, das auf dem Jugendhilfetag vorgestellt wird und bereits jetzt zeigen sich erste Erfolge: die Jugendlichen trainieren freiwillig an den Wochenenden und einer der Jugendlichen nimmt bereits an offiziellen Wettkämpfen teil. Straffällig ist er bislang nicht wieder geworden.
In den großen Zelthallen herrscht eine Atmosphäre von Engagement, Interesse und Tatendrang. Ein wichtiger Impuls ist diese Großveranstaltung deswegen in erster Linie für die Jugendhilfe selbst. Hier können Organisationen und Mitarbeiter viele Anregungen mitnehmen über das, was vor Ort möglich ist. Der Jugendhilfetag, so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe, Reinhard Prölß, sei aber auch wichtig, um Gehör bei Politik und Gesellschaft finden. Eine der zentralen Forderungen des 12. deutschen Jugendhilfetages ist, den Kommunen zu ermöglichen, verstärkt Ressourcen in diesen Bereich stecken. Das heißt, neben finanziellen Mitteln brauchen die Kommunen mehr Eigenverantwortung in der Kinder- und Jugendhilfe und in den Bildungsinstitutionen.
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