Einsteins Sommerdomizil wird restauriert

(bikl) "Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt!" So hatte Albert Einstein versucht, seinen Sohn Eduard zu einem Besuch im schon damals sehr beliebten Sommerparadies zu überreden. Dort nämlich hatte sich der berühmte Wissenschaftler Ende der 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine Sommerresidenz errichten lassen, und zwar mit einer eigenartigen Vorgeschichte.

12.01.2005 Artikel

Im Vorfeld seines fünfzigsten Geburtstages hatte die Stadt Berlin versucht, ihrem weltbekannten Forscher ein besonderes Präsent zu überreichen. Mehrere Versuche ihm ein Haus in der Stadt zu schenken, waren bereits an Einsteins Ablehnung gescheitert, da jeweils die Mieter das Haus hätten verlassen müssen. Nach endlosen Kontroversen in der Berliner Politik reduzierten sich die Ausmaße des Geschenkes von Monat zu Monat, bis das Angebot übrig blieb, Einstein ein unbebautes Grundstück zu überlassen, worauf er sich dann auf eigene Kosten ein Haus errichten könne. Die städtische Wahl fiel auch auf ein Grundstück in Caputh. Es stellte sich heraus, dass sich just dieses Land im Besitz einer Freundin von Einsteins Frau befand. Daraufhin zog es Einstein vor, das Projekt Geburtstagsgeschenk definitiv in die eigenen Hände zu nehmen. Berlins Oberbürgermeister Böß bemühte sich zwar noch, wenigstens den Kaufpreis zu übernehmen, um das Gesicht der Stadtregierung zu wahren - aber vergeblich. Einstein kaufte das Grundstück selbst von dem Regierungsbaumeister und Freund der Familie Adolf Stern.

Nach seinen Plänen ließ sich Albert Einstein dort von Architekt Konrad Wachsmann ein Sommerhaus erbauen, das inzwischen zu einem Denkmal von internationalem Rang avancierte. Handelt es sich hier inzwischen zu dem weltweit einzigen Gebäude, an dem noch die Privatperson des berühmten Physikers spürbar wird, da seine Berliner Stadtwohnung zerstört und der ehemalige Wohnsitz in den USA zu einem Forschungszentrum umgewandelt ist. Albert Einstein hatte bis zu seiner Emigration in die USA vor allem in den Sommermonaten in dem Haus gelebt und es darüber hinaus immer wieder als Rückzugsort für wissenschaftliches Arbeiten und zum Empfang von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Politik genutzt.

Im vergangenen Jahr zogen die Handwerker in das Caputher Einstein-Haus ein, denn die Cornelsen Kulturstiftung hatte sich die Sanierung des Denkmals vorgenommen. Die Instandsetzung des Denkmals wird zu gleichen Teilen durch die von Ruth Cornelsen gegründete Cornelsen Kulturstiftung und den Bund finanziert. Ruth Cornelsen, die mit 250.000 Euro die Hälfte der Restaurierungskosten übernahm, hatte die Bereitstellung der Mittel von der Zusage des Bundes abhängig gemacht, die gleiche Summe aufzuwenden. Begründung ihrer Entscheidung ist: "In Zeiten zunehmender Staatsverdrossenheit und angesichts leerer Haushaltskassen möchte ich ein Beispiel geben für Bürgersinn und gesellschaftliches Verantwortungsgefühl - Bund und Länder dabei aber nicht aus der Verantwortung entlassen."

Die Baustelle hatte Ruth Cornelsen eröffnet, gemeinsam mit Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka. Die Restaurierungsarbeiten werden im Mai 2005 abgeschlossen sein - rechtzeitig zu den Feierlichkeiten des "Einstein-Jahres 2005" mit seinem doppelten Jubiläum: Vor 100 Jahren legte Albert Einstein seine Relativitätstheorie vor. 2005 ist außerdem das Jahr des 50. Todestages des Physikers. Dann wird das Denkmal öffentlich zugänglich gemacht. Das Einstein Forum hat mit der Hebräischen Universität Jerusalem bereits Pläne zur wissenschaftlichen und kulturellen Nutzung des Hauses erarbeitet. Denn zukünftig wird das Sommerhaus als Ausstellungs- und Tagungsort der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Link Cornelsen Kulturstiftung
Geschichte des Sommerhauses


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