Führung in Deutschland - Wunsch und Wirklichkeit
(bikl/hr) Leadership-Tage und Charisma-Seminare. Stapelweise Bücher, die "Erfolgreich führen" oder ähnlich heißen. Hochglanzbroschüren, in denen die Führungsleitlinien eines Unternehmens verkündet werden. Handelsblatt, FAZ, das Manager-Magazin etc., die Titelgeschichten bringen wie "Führung in turbulenten Zeiten" oder "Vom Manager zum Leader". Internationale Studien, die sich mit dem Führungsverhalten der verschiedenen Nationen beschäftigen. Und keine Führungskraft, die nicht zu Führungsstil, Führungspotential und Führungsinstrumenten geschult würde. Kein Zweifel: das Thema Führung ist in.
08.06.2005 ArtikelUnd es zeigt sich: Führung ist im Wandel begriffen. Im 21. Jahrhundert zählt der Mensch. Die Mitarbeiter - so jedenfalls die Theorie - sind in einer komplexen Informations- und Dienstleistungsgesellschaft das wertvollste Kapital eines jeden Unternehmens. Ihre Talente zu entdecken, ihre Stärken zu nutzen und ihren Besonderheiten Raum zu geben, gilt als der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Nur leistungsbereite, entscheidungsfreudige und verantwortungsvolle Mitarbeiter können ein Unternehmen zum Erfolg führen. Wer die Köpfe der Mitarbeiter nicht erreicht, heißt es deshalb, hat verloren.
Doch wie erreicht man Köpfe? Wie bringt man Menschen dazu, Verantwortung zu übernehmen? Wie führt man mit Verantwortung? Und: Für wen hat man Verantwortung? Für sich selbst, die Mitarbeiter, das Unternehmen, die Gesellschaft?
Diesen Fragen geht Kathrin Fischer nach - anhand der Schlagworte Motivation, Vertrauen, Kommunikation, Persönlichkeit und Vision in der hr2-Wissenswert Reihe "Führung in Deutschland. Wunsch und Wirklichkeit" (Redaktion: Volker Bernius). Sie hat mit Managementgurus wie Fredmund Malik gesprochen und Bestsellerautoren wie Reinhard K. Sprenger interviewt, sie war in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen zu Gast, sie hat Führungsseminare besucht und Betriebsräte reden lassen. Herausgekommen ist ein widersprüchliches Bild von Führung in Deutschland: Der Wandel wird gedacht, aber nicht gelebt.
1. Motivation 16.06.05, 19:05 / 18.06.05, 09:30 Uhr
Es sind die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, die über Erfolg oder Misserfolg eines jeden Unternehmens entscheiden. Das gilt besonders in Zeiten hoch individualisierter Mitarbeiter und turbulenter Märkte. Deshalb ist die sogenannte Mitarbeitermotivation eines der meist gebrauchten Wörter in der Führungsliteratur. Wie motiviere ich meine Mannschaft - heißt die zentrale Frage. Dabei, so sagen viele Berater, müsste die entscheidende Frage lauten: Wie vermeide ich Demotivation? Denn nur demotivierte Mitarbeiter müssen motiviert werden.
2. Vertrauen 23.06.05, 19:05 / 25.06.05, 9:30 Uhr
"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Dieser Satz, der fälschlicherweise Lenin zugeschrieben wird, gilt in den meisten Unternehmen bis heute. Vertrauen im Unternehmen scheint ein idyllisches Gefühl, das sich im harten Wettbewerb niemand leisten kann. Seit den 90er Jahren aber wird Vertrauen im Unternehmen stärker beforscht und heraus kommt: Vertrauen rechnet sich. Es beschleunigt Entscheidungsprozesse, verpflichtet Mitarbeiter und vor allen Dingen: es stellt eine stabile Führungssituation her.
3. Kommunikation 30.06.05, 19:05 / 02.07.05, 09:30 Uhr
Führungskräfte verbringen den überwiegenden Teil ihrer Zeit damit, mit anderen Menschen wie Kollegen, Untergebenen, Vorgesetzten oder Kunden zu reden. Weil diese Gespräche weit mehr sind als reiner Informationsaustausch, hängt von ihrem Gelingen der unternehmerische Erfolg zu einem entscheidenden Teil ab. Kommunikation erfordert daher ein hohes Maß an zwischenmenschlicher Kompetenz. Wie erlangt man die? Wie kommuniziert man erfolgreich? Und was alles ist Kommunikation im Unternehmen? Ist es bereits die Gestaltung der Eingangshalle? Oder erst der persönliche Dialog?
4. Persönlichkeit 07.07.05, 19:05 / 09.07.05, 09:30 Uhr
Ein "echter Führer" ist eine Persönlichkeit, heißt es. Nur welche? In den Stellenausschreibungen werden meist Kreuzungen aus Alexander dem Großen, Thomas Gottschalk und Albert Einstein gesucht. Muss so der moderne Unternehmensführer aussehen? Muss er charismatisch sein und seine Mitarbeiter begeistern können? Oder langt es, dass er Bilanzen lesen und sinnvolle Unternehmensziele festlegen kann? Und: Ist die Persönlichkeit einer Führungskraft möglicherweise weniger wichtig als die Struktur einer Organisation?
5. Vision 14.07.05, 19:05 / 16.07.05, 09:30 Uhr
Ohne Visionen kam in den achtziger Jahren kein Unternehmen aus. "Gelebte Philosophie" wurde das genannt. Der Zusammenbruch der New Economy Mitte der neunziger Jahre resultierte allerdings zum Teil auch daher, dass Unternehmer mehr Visionen hatten als Manager-Kompetenzen. Sind Visionen für ein Unternehmen gefährlich? Oder unabdingbar? Kann es ohne sie Kreativität und Innovation im Unternehmen überhaupt geben? Oder ist Vision nur das schickere Wort für Ziel?
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