GEW: "47.000 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen müssen bis 2014 zusätzlich eingestellt werden!"

Bis zum Jahr 2014 müssen zusätzlich rund 47.000 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen für die Umsetzung des Kita-Krippenprogramm eingestellt werden. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die der Leiter der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik der TU Dortmund, Matthias Schilling, für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erstellt hat. Norbert Hocke, Leiter des GEW-Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit, stellte die Studie am Montag während des Gewerkschaftstags der GEW in Nürnberg vor.

27.04.2009 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Er warnte davor, dass das Krippenprogramm gefährdet sei.. "Die Deckung des Personalbedarfs ist noch nicht in trockenen Tüchern. Zu wenige junge Menschen entscheiden sich zurzeit für den Erzieherberuf. Außerdem müssen die Ausbildungskapazitäten auf gestockt werden", betonte Hocke. Der Beruf müsse für junge Menschen attraktiver werden. Dafür müssten die Bezahlung deutlich angehoben und die Ausbildung aufgewertet werden. "Wir können uns nicht länger darauf verlassen, dass es immer genug junge Frauen geben wird, die gerne mit Kindern arbeiten", sagte der Kita-Experte. Er wies darauf hin, dass die Zahl der jungen Menschen, die in den nächsten Jahren für den Erzieherinnenberuf gewonnen werden könnten, deutlich sinke. Die Zahl der für eine Ausbildung in Frage kommenden 18- bis unter 23-Jährigen werde im Westen bis 2014 im Vergleich zu 2009 um 6,1 Prozent sinken. In Ostdeutschland und Berlin sei der Rückgang noch gravierender: Hier werde sich die Zahl der Schulabgänger im Vergleich zu 2009 fast halbieren.

In der Vergangenheit sei versäumt worden, so Hocke, aus der "Beschäftigung mit Kindern" einen Beruf mit Lebensperspektive zu machen. Eine Erzieherin verdiene heute als Berufseinsteigerin 1.922 Euro (brutto, Vollzeitstelle). Nach 15 Berufsjahren könne sie auf ein Endgehalt von 2.474 Euro kommen. "Die schlechte Bezahlung steht in krassem Widerspruch zu den gestiegenden Anforderungen an die Arbeit der Erzieherinnen. Sie haben einen Bildungsauftrag und sind keine ´Basteltanten´", unterstrich Hocke.

Laut der Schilling-Prognose müssen rund 52.000 Stellen geschaffen werden. Ein Teil dieses Bedarfs sei dadurch zu decken, dass die Zahl der Kita-Plätze aufgrund des Geburtenrückgangs im Westen bei drei- bis bis sechsjährigen Kinder zurück geht. Außerdem könne man Teilzeitstellen aufstocken. In Ostdeutschland und Berlin führe allein die Zahl der in den Ruhestand gehenden Erzieherinnen zu einem Einstellungs-Boom auf dem Kita-Arbeitsmarkt. Die Dortmunder Studie rechnet mit bis zu 25.000 Beschäfigten, die bis zum Jahr 2014 ihre Stelle frei machen. Das seien ausnahmslos Stellen, die wieder besetzt werden müssen. Der Grund: Die Nachfrage nach Kitaplätzen im Osten steigt.

Hocke unterstrich, dass ein besonderes Augenmerk auf die östlichen Bundesländer gelegt werden müsse. Politik habe sich zu lange daran gewöhnt, dass der Geburtenknick zu weniger Kitaplätzen und sinkendem Personalbedarf führe. Deshalb seien insbesondere jüngere Erzieherinnen entlassen worden. Ein Drittel der Erzieherinnen sei heute älter als 50 Jahre. Wegen des Mangels an Nachwuchskräften seien Fachschulen geschlossen und damit heute dringend benötigte Ausbildungskapazitäten aufgegeben worden.

Der Kita-Experte warnte jedoch davor, zu den alten Ausbildungsstrukturen zurückzukehren: "Jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt und die Erzieherausbildung bei den Hochschulen angesiedelt werden." Er plädierte für eine Studienstruktur, die Wissenschaft und Praxis verbinde.

Info: Die nächste Pressekonferenz während des Gewerkschaftstages findet am Dienstag, 28. April, 13.00 Uhr im Raum Hongkong, Pressecenter Ost, CCN, statt.


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