"Ich bin vehementer Befürworter des türkischen EU-Beitritts"

(bikl/bm)"Ich bin Türke, ich lebe seit über fünfzig Jahren in der Türkei, zwangsläufig setze ich mich deshalb auch in meinen Romanen mit der Türkei auseinander", sagte der diesjährige Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Orhan Pamuk am Samstag in einem Pressegespräch.

23.10.2005 Artikel
  • © rpo

Wichtig seien ihm jedoch auch die Einflüsse der europäischen Romankunst, vor allem der Autoren der Moderne, die er in seinen Texten mit der osmanischen Geschichte und Tradition zusammenbringe.

"Beim Schreiben denkt man nie an eine Kontinuität, am Ende ergibt sich dann aber zwangsläufig doch eine.", erklärte der Autor. Diese ergebe sich aus den historischen Umständen, in denen ein Schriftsteller lebe und aus seinen Seelenzuständen.

Pamuk antwortete auch auf Fragen zu seinem anstehenden Gerichtsprozess wegen 'Verunglimpfung des Türkentums'. In einem Interview hatte er erklärt, es sei sehr bedauerlich, dass in der Türkei nicht offen über den Mord an einer Million Armeniern und 30.000 Kurden gesprochen werden könne.

In Frankfurt sagte der Autor, er stehe zu seinen Äußerungen und nehme die Verantwortung an, die sich daraus ergebe. "Ich bin vehementer Befürworter des türkischen EU-Beitritts und trete dafür ein, dass die Türkei die dafür nötigen Kriterien erfüllt."

Die feierliche Verleihung des Friedensprieses findet heute um 11 Uhr in der Paulskirche in Frankfurt statt. Am 3. Oktober 2005 wurde Pamuk bereits mit dem Ricarda-Huch-Preis geehrt. Dieser Preis wird seit 1978 alle drei Jahre an Persönlichkeiten vergeben, "deren Wirken in hohem Maße bestimmt ist durch unabhängiges Denken und mutiges Handeln" und die die historisch-kulturelle Identität der europäischen Gesellschaft fördern.


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