Schnitzeljagd zur Tupperdose

(hei). Schnitzeljagd war gestern, heute heißt das Geocaching und ist inzwischen zum Volkssport geworden: Allein in Deutschland sollen bis zu 3000 Geocacher unterwegs sein. Weltweit gibt es Geocaches in 200 Ländern, auch an durchaus exotischen Orten: Elf Caches liegen in der Antarktis (sogar einer am Südpol), zwei in Grönland, einer in der äthiopischen und einer in der Libyschen Wüste.

23.12.2004 Artikel

Die Bezeichnung Geocaching setzt sich aus den Begriffen "Geo" (ortsbezogen) und "Cache" (Versteck) zusammen und ist am besten als eine Art moderne Schnitzeljagd zu beschreiben. Und so funktioniert es: Geocacher verstecken irgendwo Dosen voller netter kleiner Dinge sowie ein Logbuch. Das Versteck veröffentlichen sie in Form von Koordinaten im Internet. Dort schauen andere Geocacher nach, notieren sich die Koordinaten und gehen bewaffnet mit einem Global Positioning System (GPS), einer Art digitalem Kompass, auf Schatzsuche. Eine Kleinigkeit aus dem Inhalt der Dose wird ausgetauscht, der Besuch ins Logbuch eingetragen und die Dose an derselben Stelle wieder versteckt - für den nächsten Schatzsucher. Für Jung und Alt ist das eine neue Möglichkeit, das Wandern bzw. Spazierengehen mit Abenteuer und Technik zu kombinieren.

Ursprung in den USA

Das GPS-System ist ein vom amerikanischen Verteidigungsministerium ersonnenes, realisiertes und betriebenes System, das aus 24 Satelliten besteht, die die Erde in einer Höhe von 20 200 km umkreisen. GPS-Satelliten senden Signale aus und ermöglichen so die genaue Ortsbestimmung eines GPS-Empfängers. Die Empfänger können ihre Position ermitteln, wenn sie fest auf der Erdoberfläche stehen.
1983 wurde das System auch für die zivile Nutzung freigegeben, aus sicherheitstechnischen Gründen allerdings zunächst mit eingeschränkter Zielgenauigkeit. Im Mai 2000 wurde diese künstliche Störung des GPS abgeschaltet, seitdem beträgt die Zielgenauigkeit ca. 10 Meter.
Der Amerikaner Dave Ulmer wollte dieses Ereignis gebührend feiern und versteckte ein Behältnis mit diversem Kleinkram in den Wäldern des Bundesstaats Oregon. Die Koordinaten veröffentlichte er in einem Internet-Forum. Innerhalb eines Tages wurde das Behältnis gefunden - Geocaching war geboren. Seitdem hat sich dieses Hobby schnell ausgebreitet: Es existieren heute annähernd 70 000 Geocaches in 200 Ländern weltweit.

Sonntagsspaziergang oder Klettertour

Familienausflug, Wandertag oder Klettertour - je nach Standort des Verstecks kommt jeder auf seine Kosten. Der Aufwand, den man bei der Schatzsuche betreiben muss, wird mit Sternen nach zwei Kriterien bewertet: nach dem Schwierigkeitsgrad der Aufgabe (logisches Denken und Spaß an Rätseln sind hier gefordert) und nach der Art des Geländes. Der Cache auf der Zugspitze hat fünf Sterne in der Geländenote - und die sollten ernst genommen werden, denn eine Bergsteigerausrüstung ist hier unbedingt notwendig. Manche Caches erfordern gar Taucherfahrung. Aber es gibt auch viele Caches mit ein oder zwei Sternen in schöner landschaftlicher Umgebung, die aus einem Sonntagsspaziergang ein kleines Abenteuer machen. Hilfreich ist es in jedem Fall, den Logbucheintrag der letzten Besucher zu lesen, der Aufschluss über Besonderheiten oder Suchtipps gibt.

Und die Belohnung?

Die Grundregel lautet, dass nur etwas aus dem gefundenen Cache entnommen werden darf, wenn auch wieder etwas hineinkommt, damit auch nachfolgende Geocacher noch Freude an dem Schatz haben. Meist handelt es sich um eine Kiste, in der kleine Figuren, Schlüsselanhänger, Stifte oder Ähnliches auf den Schatzsucher warten. Bevor der Schatz wieder vergraben wird, trägt der Finder sich in das in der Kiste enthaltene Logbuch ein. Zu Hause angekommen, wird der Erfolg den anderen Geocachern mit Hilfe des virtuellen Logbuchs mitgeteilt. So gibt es zu jedem im Internet eingetragenen Cache auch mehr oder weniger ausführliche Kommentare von seinen Findern.

Kostengünstige Ausrüstung

Unabdingbar ist für die moderne Schnitzeljagd ein GPS-Gerät. Einfache Instrumente sind bereits ab 140 Euro zu haben, nach oben sind die Grenzen offen. Höherwertige Geräte haben neben den Basisfunktionen eine PC-Schnittstelle für den Datentausch.
Zu den Grundbedingungen des Geocaching gehört, dass weder eine Mitgliedschaft noch Beitragszahlungen erforderlich sind. Im Internet können sich Interessierte informieren, einen interessanten oder nahe liegenden Cache heraussuchen und losziehen.

Fazit

Bei Geocaching geht es in erster Linie darum, Spaß an der Schatzsuche zu haben, sich draußen zu bewegen und sich seine Umwelt genauer anzuschauen, während man sie durchwandert.

Infotipp

Geocaching mit dem Alexander-Atlas von Klett-PERTHES
Wie weckt man in Schülerinnen und Schülern, die häufig lieber vor dem Computer sitzen, anstatt sich zu bewegen, die Lust am Wandern? Mit diesem Problem kämpfen Lehrer immer wieder. Der Klett-Perthes Verlag schafft mit seiner Aktion "Alexander - Geocaching" Abhilfe und führt Geographie-Lehrer hinaus in die Landschaft, sozusagen in das Original der Atlas-Karten. Unter www.alexander-geocaching.de können die GPS-Koordinaten der Verstecke eingesehen werden. Zu allen 42 Standorten gibt es Infoblätter mit geographischen Informationen und Fragen, die von den Schülern beantwortet werden können. Damit lassen sich Schulausflüge gezielt vorbereiten.

Informationen im Internet unter:

www.alexander-geocaching.de
www.geocaching.de
www.geocaching.com
www.navicache.com

Autorin/Ansprechpartnerin

Christina Heinisch
Pressereferentin
Ernst Klett Verlag,
Rotebühlstraße 77
70178 Stuttgart
Telefon: 07 11-66 72-1897, Fax: 07 11-66 72-2010

Erstveröffentlichung
Klett Themendienst


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