Schon gehört?

(Eigenbericht) Weil kleine Kinder Geschichten brauchen, um die Welt zu begreifen, sind sie auf das Erzählen angewiesen. Schließlich können sie dann, wenn ihre Neugier längst geweckt ist, nun mal noch nicht lesen. Sie sind also die idealen Zuhörer. Schön, wenn Mama oder Papa dann genug Zeit (und Lust) haben, Geschichten zu erzählen oder vorzulesen Und vielleicht legt die Vorlese-Viertelstunde vor dem Schlafengehen schon den entscheidenden Grundstein für eine spätere Leseleidenschaft.

27.04.2004 Artikel

Professionelle Vorleser

Aber nicht immer klappt es mit dem Vorlesen. Und bevor Kinder sich ihre Welt in erster Linie aus Fernsehbildern zusammenbauen, sollten Eltern die Chance entdecken, die in Hörbüchern steckt. Denn Kassettenrekorder oder CD-Player gehören mittlerweile zur Standard-Ausstattung der Kinderzimmer. Und das eigene Vorlesen kann so durch die Arbeit von Profis wie Ulrich Mühe, Ulrike Folkerts, Susanne Lothar, Rufus Beck oder Hans Kremer ergänzt werden.

Jederzeit verfügbar

Hörbücher haben aber noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Kinder können selbst bestimmen, wann sie welche Kassette oder CD hören möchten. Sie sind weder auf einen vorlesewilligen Erwachsenen noch auf die Sendezeiten des Fernsehens angewiesen. Die meisten Kinder haben eine oder mehrere Lieblingsgeschichten, die sie immer wieder hören wollen. Das was Eltern als langweilig empfinden mögen, genießen die Kinder. Und der Vorleser auf Kassette oder CD wird die Geschichte auch nach hundert Durchläufen genauso engagiert und spannend vortragen wie beim ersten Mal.

Vielseitiges Angebot

Mag sein, dass manche Eltern bei dem Begriff Hörbücher an die vielen Massenproduktionen aus den vergangenen Jahrzehnten denken, die in jedem Supermarkt zu haben waren. Die gibt es zwar heute noch, dazu kommen aber inzwischen viele anspruchsvolle Produktionen. Auf Kinderhörbüchern finden sich Klassiker wie Tom Sawyer, Der kleine Prinz oder Pinocchio ebenso wie die Werke zeitgenössischer Kinderbuchautoren wie Christine Nöstlinger, Mirjam Pressler, Peter Härtling, Uwe Timm, Paul Maar, Cornelia Funke oder Daniel Pennac.

Walkman mit Hörbuch

Vielleicht sollten Eltern, die schon nahezu resignieren, weil ihre pubertierenden Sprösslinge gerade mal noch die Fernsehzeitung lesen und sich ansonsten dem geschriebenen Wort verweigern, ihrem trotzigen Nachwuchs eine Hörbuchkassette in den Walkman stecken. Kinder und Jugendliche leben in einer Medienwelt, in der Walkmans so selbstverständlich getragen werden wie Schuhe. Warum also nicht wenigstens den Versuch wagen und mitbestimmen, was es auf die Ohren gibt? Gerade lange (und langweilige) Autofahrten sind ideal zum Zuhören. Selbst kleine Kinder werden über spannenden, lustigen und für sie interessanten Hörbüchern schnell den lästigen Satz Wann sind wir endlich da? vergessen.

Tipps

Einen Wermutstropfen gibt es noch bei vielen Hörbüchern: der Preis. Denn meist sind Hörbücher eine teure Angelegenheit. Das liegt auch an den relativ niedrigen Auflagen, denen oft hohe Produktionskosten gegenüberstehen. Aber wenn mit der wachsenden Fangemeinde die Auflagen steigen, werden auch die Preise sinken. Und dazu kommt: Hörbücher unterliegen nicht der Buchpreisbindung, deshalb lohnt es sich für Käufer, Preise zu vergleichen und auf Schnäppchensuche zu gehen. Außerdem verfügen die meisten Büchereien über eine Abteilung Kinderhörbücher. Und schließlich gibt es im Radio ein erstaunlich breites Angebot an Hörspielen oder Lesungen für Kinder.

Weiterführende Links

www.hr-online.de
Die Hörbuchbestenliste des Hessischen Rundfunks

www.stiftung-lesen.de
Medienempfehlungen der Stiftung Lesen

online.wdr.de
Hier gibt es unter anderem eine Hörprobe von Astrid Lindgrens Karlsson vom Dach – gelesen von der Autorin


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