Jörg Dräger:

"Abschottung können wir uns nicht mehr leisten"

Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung fordert für Deutschland einen offeneren Hochschulbegriff. Nur mit diesem lassen sich Hochschulen so gestalten, dass sie sich auf die demographischen und gesellschaftlichen Herausforderungen einstellen können. Andere Länder sind in diesem Punkt bereits weiter, wie eine aktuelle CHE Studie zeigt.

21.01.2014 Pressemeldung CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Die deutsche Hochschullandschaft steht vor komplexen Herausforderungen: Die Studierendenschaft wird immer heterogener, die Zahl der Hochschulzugangsberechtigten nimmt stetig zu. Gleichzeitig sorgt die demographische Entwicklung dafür, dass Hochschulen an dünn-besiedelten Standorten zunehmend Probleme haben werden, ihr Angebot aufrecht zu erhalten.

Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat deshalb in seinem aktuellen Arbeitspapier "Auch das ist Hochschule?!" untersucht, wie Hochschulen in anderen Ländern mit diesen Herausforderungen umgehen. Die Autoren Lukas Bischof und Ulrich Müller verdeutlichen an acht internationalen Beispielen, dass bestehende und neu gegründete Hochschulen sich flexibel den verändernden Anforderungen individuell und erfolgreich gestellt haben.

Hierbei lässt sich beobachten, dass sich an den "Rändern" des Hochschulsystems in vielen Ländern neue Formen der Hochschulbildung ausdifferenzieren. Hierzu gehört etwa die National Hispanics University in San Jose, die sich speziell an die Bedürfnisse und Vorkenntnisse von Studierenden lateinamerikanischer Abstammung richtet oder die länderübergreifende University of South Pacific, die für den dünn besiedelten Südpazifikraum ein Hochschulangebot bereitstellt.

Solch spezialisierten Ausprägungen sind in Deutschland nicht nur durch das restriktive Hochschulrecht hohe Hürden gesetzt, wie CHE Geschäftsführer Jörg Dräger erläutert: "In Deutschland ist man traditionell skeptisch gegenüber allem, was keine klassische Volluniversität ist. Doch eine solche Abschottung können wir uns nicht mehr leisten, wenn Hochschulbildung zur Regel und die Vielfalt unter den Studierenden zur Normalität wird."

"Dass die Politik auf veränderte Rahmenbedingungen mit neuen Hochschultypen reagieren kann, hat sie im Falle der Fachhochschulen oder der Berufsakademien in den vergangenen Jahrzehnten bereits bewiesen", unterstreicht Dräger. "Doch jetzt braucht es keinen weiteren neuen Hochschultyp, sondern einen offeneren Hochschulbegriff, der auch innovative Profile zulässt – natürlich mit einer entsprechenden Qualitätssicherung und Transparenz."

Zur Person: Dr. Jörg Dräger, 46, ist Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung sowie Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, unter anderem für den Bereich Bildung. Die aktuelle Entwicklung zu diesem Thema kommentiert er auch in einem heute erschienen Gastbeitrag im Handelsblatt.

Das CHE Arbeitspapier "Auch das ist Hochschule" ist als pdf unter www.che.de/downloads/CHE_AP_176_Auch_das_ist_Hochschule.pdf verfügbar.


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