Angeblicher Abschreckungseffekt von Studienbeiträgen empirisch nicht belegbar - Studienanfängerquoten steigen

Der nordrhein-westfälische Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart hat der Interpretation eines Berichts der Kultusministerkonferenz (KMK) widersprochen, nach der die sinkende Zahl von Studienanfängern in Deutschland im Wintersemester 2004/2005 gegenüber dem Wintersemester 2003/2004 auf die Debatte um Studiengebühren zurückzuführen sei. "Die KMK hat erst am heutigen Dienstag gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium eine Pressemitteilung veröffentlicht, nach der die Studienanfängerquote sich in diesem Zeitraum um zwei Prozent verbessert habe. Das heißt: Es gibt prozentual mehr Studienanfänger und nicht weniger", sagte Pinkwart.

13.09.2005 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Außerdem wies er daraufhin, dass der KMK-Bericht bei der Ursachenforschung auf eine HIS-Studie von 2004 verweise (HIS = Hochschul-Informations-System). Dort waren Abiturienten befragt worden, ob sie ein Studium aufnehmen wollen und wenn nicht, welche Gründe dafür ausschlaggebend seien. Hier wurde der Grund "drohende Studiengebühren" nur von vier Prozent aller Befragten genannt. Hauptgründe waren stattdessen "größeres Interesse an einer praktischen Tätigkeit", das "Anstreben eines festen Berufsziels" und die "zu lange Studiendauer".

Die HIS-Studie kam zu dem Schluss, dass finanzielle Gründe nicht die primäre Ursache für eine Entscheidung gegen ein Studium seien, was der KMK-Bericht auch korrekt zitiert. Wörtlich heißt es in der Zusammenfassung der HIS-Studie: "Die Studienberechtigten 2004, die auf ein Hochschulstudium verzichten, begründen diese Entscheidung häufig mit Argumenten, die in ihren Augen offensichtlich für eine nicht-akademische Ausbildung oder für eine Berufstätigkeit sprechen bzw. sich subjektiv weniger mit einem Studium vereinbaren lassen oder dieses nicht erfordern. Deutlich seltener verweisen sie dagegen auf (restriktive) Bedingungen, die sie an der Aufnahme (eines möglicherweise gewünschten) Studiums hindern."

In Nordrhein-Westfalen sind im Wintersemester 2004/2005 die Studienanfängerzahlen gegenüber dem Wintersemester 2003/2004 geringer gesunken als im Bundesdurchschnitt. Während deutschlandweit die Anzahl der Erstsemester um 5,5 Prozent zurückging, ging sie in NRW nur um 3,9 Prozent zurück. Im Wintersemester 2004/2005 nahmen in NRW 65.004 Studierende ein Studium auf, im Wintersemester zuvor waren es 67.627. Die Entwicklung der Studienanfängerquote in Deutschland macht jedoch deutlich, dass sich verhältnismäßig mehr Studienberechtigte eines Jahrgangs für ein Studium entschieden als noch ein Jahr zuvor.


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