Das Kernziel der Bologna-Reform wurde laut unveröffentlichter Studie bislang verfehlt
(red/pm) - Die Bologna-Reform hat eines ihrer Kernziele, mit der Einführung eines gestuften Studiensystems die Studienmobilität zu erhöhen und die Internationalisierung des Studiums voranzutreiben, bislang klar verfehlt. Die durch Bachelor- und Master-Studiengänge abgelösten Magister- und Diplom-Studiengänge haben sich im Vergleich als mobilitätsfreundlicher erwiesen. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) hervor, die im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) durchgeführt wurde und über die die Zeitschrift "Forschung & Lehre" in ihrer September-Ausgabe berichten wird.
24.08.2011 ArtikelLaut Hochschulforschern ist es im Zuge der Bologna-Reform "zu keiner Steigerung des Mobilitätsverhaltens der Studierenden" gekommen. Diese Erkenntnis steht im Gegensatz zu der Aussage von Bundesministerin Schavan, die im Anschluss an die Nationale Bologna-Konferenz vom 6. Mai 2011 geäußert hatte, dass die Mobilität in den rund zehn Jahren des Bologna-Prozesses "deutlich zugenommen" habe.
Wie ein Blick auf HIS-Mobilitätsstudien für die Jahre 2007, 2009 und 2011 zeigt, haben insbesondere die "alten" Studiengänge rückläufige Mobilitätszahlen der "neuen" Studiengänge kompensiert. Während die Mobilitätsrate für Bachelorstudierende an Universitäten für studienbezogene Auslandsaufenthalte bei 15 und 16 Prozent stagniert, konnte der Anteil der auslandsmobilen Studierenden in Diplom-Studiengängen an Universitäten von 24 auf 35 Prozent gesteigert werden.
Die studentische Auslandsmobilität ist laut HIS seit 1960 am stärksten in den 90er Jahren gewachsen. Der Anteil an auslandserfahrenen Studierenden höherer Semester habe sich demnach von 20 Prozent im Jahre 1991 auf 32 Prozent im Jahr 2000 erhöht. Flexiblere Studienzeiten und mehr Freiheit bei der Studiengestaltung hätten die damaligen Studierenden ermuntert, eine Auslandsphase im Studium einzulegen. Mobilitätsfördernd habe sich auch ausgewirkt, dass die Hochschulen in diesem Zeitraum keine höheren Studierendenzahlen verkraften mussten.
Forschung & Lehre 9/2011 erscheint am 31. August 2011. Auszüge der jeweils neuesten Ausgabe können Sie unter www.forschung-und-lehre.de lesen.
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