Bildungs-Report

Deutschland braucht die besten Abiturienten für den Lehrerberuf

In der Beurteilung des Bereiches Lehrerbildung im Hochschul-Bildungsreport 2020 des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft hat dieses Handlungsfeld im zweiten Jahr in Folge eine negative Entwicklung hinsichtlich der für 2020 angestrebten Ziele genommen. Dazu äußerte sich Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, und betonte: "Die Politik und die Gesellschaft müssen endlich aufwachen und sich darum bemühen, dass die Tätigkeit als Lehrkraft wieder als attraktiver Beruf wahrgenommen wird!"

11.06.2014 Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)

Kraus führte aus: "Ich sehe vier hauptsächliche Problembereiche, die zu einem Mangel an Lehrkräften führen:

  1. Der Lehrerberuf gilt zunehmend als Frauenberuf, insbesondere im Grundschulbereich, deshalb müssten verstärkt wieder männliche Studierende für das Lehramt gewonnen werden.

  2. Besonders in den Mangelfächern im MINT-Bereich wandern qualifizierte Leute, die vielleicht sogar auf Lehramt studiert haben, in Berufsbereiche mit besseren Bedingungen in die Wirtschaft ab.

  3. In den Bildungssystemen vieler Länder in Deutschland fehlt es an Leistungsanreizen wie Beförderungsmöglichkeiten und Leistungsprämien, die Berufstätigen eine attraktive Entwicklung ihrer Karriere bieten.

  4. Gesellschaft und Politik müssen sich fragen lassen, ob die Misere nicht auch durch die verbreiteten Diskurse über Lehrer als angebliche Halbtagsjobber und Faulenzer entstanden ist, die dem Ansehen der Lehrkräfte in der Öffentlichkeit geschadet haben. So gewinnt man nicht die besten und engagiertesten Abiturienten für den Lehrerberuf! Außerdem wurde das Lehramt zunehmend mit sozialpädagogischen Inhalten überfrachtet, indem Schule immer mehr zur gesellschaftlichen Reparaturanstalt umgewidmet wurde."

Dass eine Änderung des gesellschaftlichen Ansehens der Lehrkräfte zu zahlreichen und hochqualifizierten Bewerbern führen könne, bewiesen die Gegebenheiten in verschiedenen europäischen Ländern, in denen die Anzahl der Bewerber für ein Lehramtsstudium regelmäßig die Anzahl der möglichen Studienplätze übersteige.

Kraus wies auf ein weiteres, verwandtes Problem hin, das von der Politik ebenfalls größtenteils ignoriert werde: "Zunehmend fehlt es an Bewerbern für Schulleiterstellen. Mögliche Kandidaten sind oft nicht mehr bereit, den Mangel an Personal und Sachmitteln an den Schulen zu verwalten und die ohne Rücksprache mit den Betroffenen geplanten sogenannten Bildungsreformen umsetzen zu müssen."


Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)
Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Josef Kraus unter 0171 52 45 945.


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