Die Probleme der Bologna-Reform sind alle benannt, aber ohne einen Bewusstseinswandel kann sie nicht gelingen

Die in der letzten Woche von der KMK gefassten Beschlüsse zur Weiterentwicklung der Bologna-Reform weisen in die richtige Richtung und die HRK hat die Anforderungen der Hochschulen präzisiert. Aber Forderungen nach mehr Geld und weniger Prüfungslast zielen auf die Symptome und nicht auf die Ursache. Die aktuelle Debatte zur Reform der Reform zeigt zwei Dinge, die eigentlichen Ziele des Bologna-Prozesses sind noch lange nicht erreicht, aber dass die Nöte und Sorgen der Studierenden so ernst genommen werden, ist eine Neuerung und zeigt: die Orientierung der Lehre an der Perspektive der Studierenden macht Fortschritte.

23.10.2009 Pressemeldung CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Die KMK-Beschlüsse lassen allerdings den kritischen Blick auf die eigenen von der KMK selbst beschlossenen Strukturvorgaben weitgehend aus. Hier ist es die Aufgabe der KMK und der staatlichen Akteure, noch einmal systematisch zu prüfen, an welchen Stellen die Rahmenbedingungen den dezentralen Umsetzungsprozess eher behindert als befördert haben. Die HRK hat hierzu eine Reihe sehr konkreter angemessener Vorschläge gemacht.

Es ist sehr zu begrüßen, dass die Länder der Versuchung widerstanden haben, nun den Hochschulen wieder im Detail vorschreiben zu wollen, wie die anstehenden Veränderungen vorzunehmen seien. Nur die Hochschulen haben auch die Kompetenz dazu, die erforderlichen Weiterentwicklungen vorzunehmen. Aber die Hochschulen müssen zugleich ihre Verantwortung ernst nehmen und studierbare Studienangebote schaffen.

Die Reform im Sinne des Bologna-Prozesses ist gerade für das deutsche Hochschulsystem eine gewaltige Aufgabe. Insofern war es nicht zu erwarten, dass es den deutschen Hochschulen schon in einem ersten Umsetzungsschritt gelingen konnte, ihr gesamtes Studienangebot vollständig den weitreichenden Ansprüchen der Bologna-Ziele anzupassen. Eine erfolgreiche Reform setzt einen Bewusstseinswandel voraus - und die Bereitschaft zu einer stärkeren Studierendenorientierung in der Lehre. Dieser Bewusstseinswandel muss von den Akteuren in den Hochschulen angenommen und weiter vorangetrieben werden. Und das wird auch noch ein wenig Zeit brauchen.

Weitere CHE-Thesen zur Weiterentwicklung der Reform sind

die Hochschulen betreffend:

  • Neue Lehr- und Lernformen müssen etabliert werden, die sich nicht allein auf Lehrveranstaltungen beschränken, sondern das gesamte Geschehen umfassen, in dem Studierenden ihre Fähigkeiten und Kompetenzen erweitern (Selbststudium, Beratung, Betreuung). Die damit verbundene Individualisierung der Lehre kann auch der zunehmenden Heterogenität der Studierenden gerecht werden.
  • Zu den neuen Lernformen gehören modifizierte Formen der Leistungsprüfung. Die Herausforderung besteht vor allem darin, die in Modulen vermittelten Kompetenzen zu prüfen.

Die Länder betreffend:

  • Neue und für einzelne Curricula spezifische Betreuungs-, Lehr- und Lernformen können sich nicht innerhalb der starren und nivelliernden Systematik der Kapazitätsverordnung (KapVO) und der Curricularnormwerte (CNW) entwickeln.
  • Der sozialen Dimension des Reformprojektes muss Rechnung getragen werden. Für eine breite Bildungsbeteiligung und insbesondere für die bislang an Hochschulen unterrepräsentierten Gruppen müssen tragfähige und nachhaltige Strukturen der Studienfinanzierung ausgebildet werden.
  • Die Verantwortung für die Studienprogramme muss wieder von den Akkreditierungsagenturen zu den Hochschulen übergehen.

Die ausformulierten CHE-Thesen zur Weiterentwicklung der Bologna-Reform finden Sie auf der Webseite des CHE.

Das CHE-Forum "Bachelor-Karriere: Übergangsprobleme zum Master oder in den Beruf" am 5. November in Bielefeld thematisiert viele der angesprochenen Probleme und zeigt anhand von gelungenen Umsetzungsbeispielen, wie die Chancen, die die Reform bietet, genutzt werden können.


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