Drei Punkte für die Lernatmosphäre
Um eine angeregte Lernatmosphäre im Hörsaal zu schaffen, macht Prof. Dr. Metin Tolan mit vielen Experimenten die trockene Theorie spannend. Um seine Studentinnen und Studenten für das Fach zu begeistern, darf auch gerne mal gelacht werden. Außerhalb des Hörsaals beschäftigt er sich mit humoristisch-physikalischen Betrachtungen wie der "Physik des Fußballspiels".
15.01.2016 ArtikelHerr Prof. Dr. Tolan, wie sorgen Sie für eine gute Lernatmosphäre in Ihren Vorlesungen?
Das ist natürlich gar nicht so einfach. Ich versuche, die Vorlesung nicht so gleichmäßig ablaufen zu lassen. Ich hab natürlich das Glück, dass ich das Fach Physik unterrichte. Mit Experimenten und anderen Sachen kann ich den Vorlesungsfluss unterbrechen und das sorgt dafür, dass die Atmosphäre ein bisschen aufgelockert wird. Zum Beispiel habe ich in der letzten Stunde über Kreisel gesprochen. Zu dem Thema gibt es schöne Experimente, die auch überraschend sein können. Wenn ein Kreisel auf einer ganz dünnen Spitze steht, kreiselt und nicht umfällt, ist das wirklich eindrucksvoll. Natürlich müssen wir uns dann auch darüber unterhalten, warum der Kreisel nicht umfällt. Das ist dann die Physik. Insofern kann man mit Hilfe von Experimenten schon immer wieder einen neuen Aufmerksamkeitspunkt setzen.
Was halten Sie von der Lernatmosphäre an Deutschlands Universitäten?
Die hängt extrem stark vom Dozenten ab: von der Mühe, die er sich gibt und von dem was er unterrichtet. Theoretische Physik ist nun mal theoretisch und spielt sich an der Tafel ab; da kann man wenig gegen machen. Zusätzlich - und das mögen einige vielleicht gar nicht hören – spielt auch die Autorität des Dozenten eine Rolle. Natürlich muss man auch in einer Vorlesung mit 400 bis 500 Studierenden immer wieder für Ruhe sorgen. In der heutigen Zeit kommen die Studierenden in den Hörsaal und klappen als erstes ihr Notebook auf. Da muss ich als Dozent von vorneherein sagen, dass das nicht in Ordnung ist, denn meistens wird nur gespielt oder im Internet gesurft. Das mag bei einigen Studierenden nicht gut ankommen, aber bei denen, die aufpassen wollen, schon. Es sind einige wenige, die stören und für viele eine Veranstaltung unerträglich machen. Diese wenigen muss man dann eben in die Schranken weisen. Es hängt schlussendlich davon ab, wie viel Mühe sich die Person gegeben hat, die Veranstaltung vorzubereiten und inwiefern man bereit ist, diese gute Lernatmosphäre zu schaffen.
Was haben Physik und Fußball gemeinsam?
Physik und Fußball haben vieles gemeinsam, denn wenn ein Ball durch die Luft fliegt, ist das ja nicht Zauberei, sondern ganz harte Physik, die dahinter steckt. Es ist sogar relativ kompliziert, die Flugkurve eines Balls zu beschreiben. Insofern ist die Physik da natürlich sofort eingebaut. Wenn man sich fragt, wie man möglichst weit schießen kann, kann man das ausrechnen und kommt zu interessanten Ergebnissen. Man muss dem Ball nämlich einen leichten Rückwärtsdrall verpassen, damit er an Weite gewinnt. Der Rückwärtsdrall darf aber auch nicht zu stark sein, weil er dann wieder an Weite verliert. Man muss genau das richtige Maß finden und das kann die Physik natürlich ausrechnen.
Wenn Sie noch mehr über die originelle Vermittlung physikalischer Fragestellungen wissen möchten, kommen Sie auf die didacta 2016 in Köln:
Forum Bildung
So wird man Weltmeister! Die Physik des Fußballspiels
Prof. Dr. Metin Tolan, Fakultät Physik, Technische Universität Dortmund
20.02.2016
13:30 - 14:45
Halle 6, E 50/F 51
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.
Weitere Veranstaltungen zum Thema:
Forum Unterrichtspraxis
"Wir haben gut Lachen" – Humor als Lernbeschleuniger
Eva Ullmann, Rednerin und Autorin
17.02.2016
11:00 - 12:00
Halle 7, B 50/C 51
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.
Lernen zum Anfassen: Station 2: Geschichte und Gegenwart: Everybody can be a Change Agent!
16.02.2016
09:00 - 10:00 Uhr und 11:00 - 12:00 Uhr
Halle 7, E 38/F 39
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft
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