EU-Bericht: Zu wenig Abiturienten in Deutschland
(redaktion/pm) Die Europäische Kommission hat gestern die neuesten Daten über die Fortschritte der Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Bildungsziele vorgestellt, die sie sich im Rahmen der Lissabon-Strategie für 2010 selbst gesetzt haben. Schlechte Ergebniss für Deutschland: Der Anteil junger Bundesbürger mit Abitur sinkt statt wie geplant zu steigen. Unter den 20- bis 24-Jährigen des Jahres 2007 haben nur 72,5 Prozent die Schule mit dem Abitur oder einem gleichwertigen Abschluss verlassen - ein Minus von 2,2 Punkten gegenüber dem Jahr 2000. EU-Ziel ist hingegen eine Steigerung auf 85 Prozent. EU-weit sei der Anteil der Abiturienten in dieser Altersgruppe von 76,6 Prozent im Jahr 2000 auf 78,1 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht.
11.07.2008 ArtikelDer Jahresbericht über Indikatoren und Benchmarks prüft, was die einzelnen Mitgliedstaaten in Schlüsselbereichen wie Sekundarschulabschluss, Schulabbruch, Leseschwäche, Abschlüsse in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik sowie Erwachsenenbeteiligung an lebensbegleitenden Bildungsmaßnahmen erreicht haben. Die wichtigste Botschaft des Berichts von 2008 ist, dass in allen fünf Bereichen Fortschritte gemacht werden, außer bei der Leseschwäche. Allerdings stellen sich die Fortschritte trotz der Verbesserungen in der allgemeinen und beruflichen Bildung in den EU-Mitgliedstaaten seit 2000 in fast allen Bereichen nicht schnell genug ein, um die Ziele für 2010 erreichen zu können.
Bei der Vorstellung des Berichts sagte der für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend zuständige EU-Kommissar Ján Figel´: "Fast ein Drittel der Arbeitnehmer in Europa hat nur einen Hauptschulabschluss und etwa jeder vierte 15-jährige hat Schwächen im Lesen. Auf unserem Weg als wissensbasierte Gesellschaft in einer hart umkämpften globalisierten Welt werden es diese Millionen von Europäern immer schwerer haben, sich zu entfalten oder überhaupt eine Arbeit zu finden. Ich begrüße es daher, dass die Mitgliedstaaten die – in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht – zentrale Rolle der allgemeinen und beruflichen Bildung für die Zukunft unserer Gesellschaften anerkannt haben. Sie haben langfristige Reformprozesse eingeleitet, und die Fortschritte sind zwar langsam, gehen aber meist in die richtige Richtung. Es bleibt noch viel zu tun, und die Kommission ist weiterhin gerne bereit, die Zusammenarbeit in diesem Bereich zu unterstützen."
Grundlage des Berichts 2008 ist ein kohärenter Rahmen von 16 zentralen Indikatoren und fünf Benchmarks für das Bildungswesen, der 2007 vom Rat "Bildung" angenommen wurde. Die Ergebnisse sollen strategische Vorgaben für das Arbeitsprogramm "Allgemeine und berufliche Bildung 2010" liefern, mit dem die Mitgliedstaaten auf die gemeinsamen Ziele hinarbeiten, die sie sich im Rahmen der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung für ihre Bildungs- und Berufsbildungssysteme gesetzt haben.
Wichtigste Schlussfolgerungen des Berichts
Die allgemeine und berufliche Bildung hat sich in den Mitgliedstaaten seit 2000 langsam aber stetig verbessert. Erfreulich ist, dass die Europäische Union in diesem Bereich zur Weltspitze zählt. Während bei vier der fünf Benchmarks Fortschritte erzielt werden konnten, haben sich allerdings die Ergebnisse im Leistungsvergleich für Leseschwäche in den letzten Jahren verschlechtert. Jeder der Mitgliedstaaten hat in den für den Leistungsvergleich ausgewählten Bereichen Stärken und Schwächen, und zwischen den Mitgliedstaaten und den einzelnen Bereichen gibt es große Unterschiede. Der Bericht 2008 enthält ausführliche Angaben und in einer Anlage zu dieser Pressemitteilung findet sich eine kurze Zusammenfassung des Inhalts. Hintergrund des Berichts: "Progress towards the Lisbon objectives in education and training. Indicators and Benchmarks" ist bereits der fünfte Jahresbericht zur Überprüfung der Leistung der Bildungs- und Berufsbildungssysteme in der EU. Die Berichte werden von der Generaldirektion Bildung und Kultur in enger Zusammenarbeit mit Eurostat, der Forschungsstelle CRELL (GFS) und der europäischen Informationsstelle von Eurydice ausgearbeitet.
Weiterführende Links
- Vollständige Fassung des Berichts (en)
Keine Kommentare vorhanden