Fatale Fehlentwicklung in der Lehrerbildung
Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat Kritik an der gängigen Lehrerausbildung in Bayern geübt: Zwar stiegen die Anforderungen an den Beruf von Jahr zu Jahr, die Lehramtsstudierenden würden darauf aber nur unzureichend vorbereitet. Obwohl seit Jahrzehnten bemängelt, komme die Handlungsorientierung im universitären Alltag noch immer viel zu kurz.
23.10.2013 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Seit Lehrergenerationen wird der fehlende Berufsfeldbezug in der Lehrerbildung beklagt. Getan hat sich fast nichts", kritisierte er im Vorfeld eines am 24. Oktober in Berlin stattfindenden Workshops mit dem Titel "Zukunft der Lehrerbildung". In einem Grundsatzpapier zur "Lehrerbildung 2020" beklagt der BLLV eine "fatale Fehlentwicklung". "Wir sind überzeugt, dass eine erfolgreiche Reform der Lehrerbildung auch nur dann möglich ist, wenn Bedürfnisse von Schulen und Hochschulen gleichermaßen berücksichtigt werden", betonte Wenzel. Ziel müsse sein, die einzelnen Lehrämter, aber auch die damit jeweils korrespondierenden Studienanteile von Fachwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Praktika als gleichwertig zu betrachten. Alle Lehrämter schließen folglich auch mit dem Master ab. Zudem sei die Eigenständigkeit der Lehrerbildung an den Universitäten klar zu definieren sowie Fort- und Weiterbildung auch innerhalb der Universitäten anzubieten. "Sie müssen institutionalisiert und zum festen Bestandteil des beruflichen Alltags aller Lehrkräfte werden."
Das vorherrschende Konzept der Lehrerbildung in Deutschland geht davon aus, dass vom Umfang der jeweiligen fachwissenschaftlichen Studien auch das Niveau und die Qualität des jeweiligen Lehramtes bestimmt werden. So haben derzeit in nahezu allen Lehramtsstudiengängen die Anteile von Erziehungswissenschaften und Fachdidaktiken in den Unterrichtsfächern unabhängig von der Schulart den gleichen Umfang.
Der Unterschied besteht im Anteil an fachwissenschaftlichen Studien: Während sich Gymnasialstudierende fast zu 70% ihres Studiums mit Fachwissenschaften beschäftigen, sind es bei Studierenden des Realschullehramtes etwa 55% und bei den Studierenden für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen ganze 25%. Die unterschiedliche Bezahlung wird neben der Studiendauer auch aus dem Anteil des fachwissenschaftlichen Studiums abgeleitet, obwohl es keinen nachvollziehbaren Grund dafür gibt.
"Diese Vorgehensweise ist mit nichts zu rechtfertigen, sie ist überholt und wird vor allem den Anforderungen des beruflichen Alltags nicht gerecht", kritisierte Wenzel. Die steigende Heterogenität an Gymnasien und Realschulen erfordere von den Lehrern vielmehr eine deutliche Zunahme erziehungswissenschaftlicher und fachdidaktischer Kompetenzen. Während des Studiums spiele beides aber eine eher untergeordnete Rolle.
Aus Sicht des BLLV besteht seit Jahren dringender Handlungsbedarf. "Bestätigt in unserer zentralen Forderung nach mehr Berufsfeldorientierung während des Studiums fühlen wir uns von zahlreichen Studien, zuletzt in einer 2012 veröffentlichten Untersuchung der Vodafone-Stiftung", erklärte Wenzel. In ihr gibt jeder zweite befragte Lehrer an, während des Studiums nur unzureichend auf die berufliche Praxis vorbereitet worden zu sein. Dieses, fast ein Jahr alte Ergebnis, ist allerdings auch nicht neu, denn bereits im Sommer 2008 hatten Studierende in einer BLLV-Befragung den fehlenden Berufsfeldbezug und den geringen Stellenwert von Fachdidaktik, Pädagogik und Schulpsychologie an den Hochschulen beklagt. Sie störten sich vor allem an der schlechten Vorbereitung auf die tatsächlichen Anforderungen des Lehrerberufs. "Alarmierend ist, dass zwischen beiden Untersuchungen vier Jahre liegen, in denen die Probleme zwar erkannt wurden, aber bis heute noch nichts getan wurde, um sie zu beheben", so der BLLV-Präsident. Und: "Lehramtsstudierende von heute schlagen sich mit ähnlichen Problemen herum, wie ihre Studienkolleginnen und -kollegen von damals." Gleichzeitig würden die Aufgaben und Herausforderungen an den Schulen ins Unermessliche wachsen.
"Ich sehe einen klaren Auftrag an die Politik", sagte Wenzel. "Die universitäre Lehrerbildung muss sich endlich an den realen Bedürfnissen des Schulalltags orientieren dürfen. Der BLLV habe ein Konzept erarbeitet und bringe es in die Diskussion ein - "wir hoffen natürlich, dass unsere Impulse nicht nur wahrgenommen, sondern auch umgesetzt werden."
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