Festveranstaltung der Landeshochschulkonferenz in Zittau zur EU-Erweiterung

Sachsens Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Dr. Matthias Rößler hat sich dafür ausgesprochen, nach der EU-Erweiterung einen europäischen Hochschulraum zu schaffen, der die Vielfalt der historischen Entwicklungen der Hochschulsysteme in den einzelnen Ländern respektiert. Auf einer Festveranstaltung der Landeshochschulkonferenz in Zittau mit Vertretern aus Polen und Tschechien sagte er: "Wir wollen nicht scheinbare Einheitlichkeit sondern mehr Freizügigkeit und Wettbewerb im europäischen Hochschulraum, den wir mit aller Kraft anstreben."

17.05.2004 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Der Minister kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Bundesregierung einerseits Hochschulbaumittel kürzen will und andererseits – ohne Zuständigkeit - Druck auf die Schaffung zweistufiger Studiengänge macht. Bis 2005, heißt es vom Bund, sollen die europäischen Staaten, und damit die Hochschulen auf Bachelor- und Masterstudiengänge umstellen. Verbunden sei dies für die Hochschulen in Deutschland mit unakzeptabel hohen Akkreditierungskosten.

Rößler: "Qualitätseinbußen dürfen wir nicht zulassen. Wenn der Bund in der Hochschul- und der Bildungspolitik einen Einfluss ausübt, der ihm nicht zusteht, dann müssen und werden wir ihn zurückdrängen. Das gilt für alle Fesseln, die er unseren Hochschulen anlegt. Ich verweise nur auf das Hochschulrahmengesetz, die zentrale Studienplatzvergabe und das Kapazitätsrecht."

Es dürfe nicht sein, dass die bewährten und im Ausland hoch angesehenen Diplomstudiengänge, wie beispielsweise die Ingenieurwissenschaften, in einer schlechteren Qualität im Bachelor-/Mastersystem auftauchen.

"Dafür habe ich mich bereits im Rahmen der KMK eingesetzt und werde es auch in Zukunft tun. Bei der Umstellung der Diplom- oder Magisterabschlüsse auf den Bachelor oder Master ist das Qualitätsniveau unbedingt zu erhalten – eigentlich zu steigern."

Minister Rößler warnt davor, dass eine überstürzte Umstellung auf das Bachelor-/Mastersystem bis 2005 Reformkräfte an den Hochschulen bindet, die derzeit in anderen Bereichen dringend gebraucht werden. In diesem Zusammenhang verweist er auf den Wettbewerb um Exzellenznetzwerke und die Etablierung von Spitzenlehre und Spitzenforschung.

Zusatzinfos:

Der Freistaat Sachsen verfügt über leistungsfähige Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die auch für Studierende und Nachwuchswissenschaftler unserer Nachbarländer attraktiv sind:

Von mehr als 100.000 Studierenden in Sachsen kommen etwa 8200 aus dem Ausland. Rund 8 Prozent der Studierenden bereichern also den wissenschaftlichen Diskurs, bringen andere Lebenserfahrungen ein - und neue Wege, Erkenntnisse zu generieren.

Waren im Wintersemester 1998/99 an den sächsischen Hochschulen noch knapp 800 Studenten aus den neuen EU-Ländern eingeschrieben, so waren es bereits im Wintersemester 2002 / 03 doppelt so viele.

Zwischen den sächsischen sowie mittel- und osteuropäischen Hochschulen existieren seit langem schon vielfältige Kooperationsbeziehungen, die Sachsen zielgerichtet ausgebaut und vertieft hat.


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden