Ideal: Männlich und gutes Elternhaus
(bikl/fwf) Einflüsse auf die Karriere sind vielfältig - und anders als wir glauben. Dies belegt eine jetzt veröffentlichte Studie der Wirtschaftsuniversität Wien. In dem umfangreichen Projekt wurden zahlreiche berufliche Werdegänge über längere Zeiträume verfolgt und kritische Einflussfaktoren analysiert. Das vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierte Projekt räumt dabei mit manchen gängigen Vorstellungen auf. Die wichtigsten Ergebnisse werden jetzt auch als Buch publiziert.
26.05.2005 ArtikelDazu haben Prof. Wolfgang Mayrhofer und sein Team die Karriereentwicklung von mehr als 1.000 Wirtschaftsakademikern analysiert. Viele bisherige Ansichten über das "Karrieremachen" werden durch die Studie infrage gestellt.
Neue Karrierefelder
Beinahe ein Drittel der Absolventen strebt heute keine traditionellen Unternehmenskarrieren mehr an. Vielmehr bevorzugen die Jungakademiker einen durch vielfältige Tätigkeiten gekennzeichneten "chronisch flexiblen" Karriereverlauf.
Praxiserfahrung
Beim Berufseinstieg lohnen sich weder gute Abschlussnoten noch schnelles Studium - was zählt, ist Praxiserfahrung. Im weiteren Karriereverlauf ändert sich das Bild. Dazu Prof. Mayrhofer: "Nach zehn Berufsjahren verdient mehr, wer auch schnell und gut studiert hat."
Führungsmotivation
Persönlichkeit zählt nicht ganz so stark, wie man glaubt. Einen wichtigen Einfluss auf den Karriereerfolg hat hingegen die Führungsmotivation. Andere Faktoren wie Leistungsstreben, Flexibilität und emotionale Stabilität wirken sich nur sehr schwach auf den Karriereerfolg aus.
Selbstinszenierung
Obwohl insgesamt nur ein schwacher Zusammenhang zwischen Karrieretaktiken und Karriereerfolg besteht, kann Self-Promotion erfolgreich sein. Dazu Projekt-Koleiter Prof. Johannes Steyrer: "Während sich früher noch Zurückhaltung empfahl, fährt man heute mit dem Herausstreichen eigener Fähigkeiten und Ideen besser. Selbstinszenierung zahlt sich dabei mehr aus als Beziehungsarbeit."
Keine Chancengleichheit
Weniger überraschend: Die meisten Wirtschaftsakademiker kommen aus den so genannten "besseren Schichten". Ein interessiertes Umfeld in der Jugendzeit prägt, oder mit anderen Worten: Wer zu Hause nicht nur über die coolsten Klamotten oder den nächsten Urlaub diskutiert, sondern sich mit Eltern und Geschwistern auch über Politik und Wirtschaft auseinandersetzt, hat schon einen entscheidenden Schritt in Richtung Karriere zurückgelegt. Ebenfalls nicht neu: Männer ziehen die Trumpfkarten. Dazu Projekt-Koleiter Prof. Michael Meyer: "Frauen verdienen im Verlauf von zehn Jahren über 71.000 Euro weniger als Männer, auch wenn sie sich in nichts anderem unterscheiden als in ihrem Geschlecht, also auch, wenn sie den gleichen, unterbrechungsfreien Karriereverlauf haben. Die Benachteiligung von Frauen ist somit eklatant. Bei Männern wirken sich Unterbrechungen der Karriere nachteiliger auf Einkommen und Status aus - allerdings auf höherem Niveau."
Interessante geschlechterspezifische Zusammenhänge bestehen auch zwischen dem Bildungsgrad der Eltern und den Karrieren der Kinder: Söhne von höher gebildeten Eltern empfangen später deutlich mehr Gehalt - Töchter hingegen deutlich mehr Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit, so zeigt die Studie, ist darauf zurückzuführen, dass besonders Töchter erfolgreicher Eltern geschlechtsspezifische Karrierehindernisse als frustrierend empfinden. Die Ergebnisse des vom FWF geförderten Projekts können auch in dem Buch Macht? Erfolg? Reich? Glücklich? Einflussfaktoren auf Karrieren. (Mayrhofer, Meyer, Steyrer (Hrsg.), Linde International, Wien 2005, ISBN 3-7093-0022-3) nachgelesen werden.
Weitere Informationen
Homepage von Prof. Wolfgang Mayrhofer
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