Hochschulfinanzierung

In der Lehre Geld nach dem Leistungsprinzip

(Deutsche Universitätszeitung) Fakultäten bekommen Jahr für Jahr in etwa das gleiche Grundbudget. Aber ist das gerecht, wenn der eine Fachbereich mehr Studenten betreut als der andere? Nein, sagt die Hochschule Bremen. Sie testet derzeit, wie sich in der Lehre Geld nach dem Leistungsprinzip verteilen lässt.

05.04.2012 Artikel

(von Benjamin Haerdle) Gute Lehre kostet. Das Geld dafür verteilt die Hochschulleitung aus dem Globalhaushalt an die Fakultäten. Die Dekane wiederum verteilen es an die Lehrstühle und Institute. So ist das Prinzip – fast überall. Jahr für Jahr bekommen die Fakultäten in etwa das gleich große Stück vom Kuchen wie im Vorjahr. Das sonst in der Wissenschaftswelt vor allem in der Forschung mittlerweile übliche Leistungsprinzip, wonach derjenige mehr bekommt, der auch mehr leistet, hat in der Lehre noch nicht Einzug gehalten. Das könnte sich ändern.

"Wir wollen output-orientiert arbeiten"

Vorreiter könnte die Hochschule Bremen sein. Sie testet seit dem vorigen Jahr ein neues Modell der Mittelverteilung, das sich daran orientiert, was ein Fachbereich in Lehre und Forschung leistet. "Wir wollen output-orientiert arbeiten", sagt Kanzler Jens Andreas Meinen. Das heißt: "Künftig sollen nicht mehr Lehrpersonal, wissenschaftliche Hilfskräfte und Labore im wesentlichen eins zu eins weiter Jahr für Jahr finanziert werden, sondern wir wollen die vorhandenen Ressourcen und das Studienangebot in Relation bringen." Erreichen will Meinen damit eine gerechtere Verteilung des Grundbudgets: "Es gibt Fakultäten, die haben in den vergangenen Jahren neue Studienprogramme entwickelt und deren Lehrbudget wurde nicht erhöht." Gleichzeitig habe es auch Fälle gegeben, in denen die Mittelzuweisung über Jahre unangetastet blieb, obwohl die Studierendennachfrage nach den Lehrveranstaltungen eher schwach gewesen sei.

Mit einem Drei-Säulen-Modell soll sich das ändern. Neben dem Grundbudget ist ein Etat für besondere Lehrleistungen und einer für innovative Projekte in Forschung und Lehre geplant. Aus Sicht der Fakultätschefs macht "ein solches Modell Sinn, weil wir damit eine größere Finanzierungssicherheit bekommen und die Mittel gerechter verteilt werden", sagt Prof. Dr. Dietwart Runte. Er steht der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften vor, die elf Bachelor- und neun Master-Studiengänge anbietet – vom dualen Studiengang Betriebswirtschaft über den Bachelor Tourismusmanagement bis hin zum Master-Kurs European Studies. Mit rund 3.100 Studierenden ist die Fakultät die größte an der Hochschule. Deshalb fließt wie überall das meiste Geld in das wissenschaftliche Personal.

Der Ansatz ist bundesweit neu

Begleitet wurden die Bremer auf dem Weg zu einer neuen Geldverteilung von Dr. Michael Jaeger und Tanja Barthelmes vom Institut für Hochschulforschung der Hochschul-Informations-System GmbH. "Der Ansatz, auf diese Weise die Grundbudgets für die Lehre an der gesamten Hochschule zu verteilen, ist neu in Deutschland", sagt Jaeger, stellvertretender Leiter des Arbeitsbereichs Steuerung, Finanzierung und Evaluation. Das Bremer Modell basiert auf den üblichen Semesterwochenstunden (SWS), die in der Lehre anfallen. Jede SWS wird mit einem hochschulweit einheitlichen Verrechnungspreis budgetiert, der auf den Kosten für wissenschaftliches Personal basiert. Drei weitere Faktoren ergänzen das Modell: Die Nachfrage durch die Studierenden, die Art der Lehrveranstaltung und die Frage, ob wissenschaftliches Personal der Hochschule oder Lehrbeauftragte Vorlesungen und Seminare halten.

Das macht die Berechnung des Budgetanspruchs einer Fakultät zwar innovativ, aber auch kompliziert. "Der Teufel steckt im Detail", sagt Jaeger. Was tut man zum Beispiel, wenn mehrere Fakultäten gemeinsam eine Lehrveranstaltung anbieten? Oder wenn der Studentenansturm alle Rekorde bricht wie im vergangenen Herbst?

Schonungslose Transparenz

Jens Andreas Meinen weiß um diese Konfliktfelder und versteht die Skepsis der Dekane. Um sie dennoch zu überzeugen, setzte er deshalb von Anfang an auf Diskussion und auf "schonungslose Transparenz". Die Fakultätschefs sehen ein, dass das Modell zeitgemäß und gerecht ist. Denn wie eine Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Studie der Uni Münster zeigte, spielen die durch Rankings gemessenen Leistungen in Forschung und Lehre eine wichtige Rolle bei internen Verhandlungen zwischen Hochschulleitungen und Instituten. Allerdings sieht Wirtschafts-Dekan Runte vor der Umsetzung des Modells einige Hürden. Noch nicht zufriedenstellend gelöst ist aus seiner Sicht beispielsweise, wie das Rechenmodell technische Mitarbeiter in den Laboren, Studienabbrecher oder Nachrücker, die sich über die Gerichte auf einen Studienplatz einklagen, berücksichtigt.

Natürlich treibt die Dekane die Furcht um, dass ihre Fakultät künftig finanziell schlechter abschneidet. Nach ersten Proberechnungen für das Haushaltsjahr 2010 bekämen zwei Fakultäten deutlich weniger Geld. Die Folge wäre, dass Personalstellen von der einen zur anderen Fakultät geschoben oder Lehrmittel neu verteilt würden. "Hochschulleitung und Dekane haben das zum Teil schon vermutet, erhalten jetzt aber objektivierbare Ergebnisse", sagt Michael Jaeger. Das könnte zu Neiddebatten zwischen den Fakultäten führen. Runte befürchtet das nicht: "Die Diskussion bringt keine Unruhe herein." Bislang hätten die Dekane sehr gut zusammengearbeitet. Bislang. Wie auch immer das Modell am Ende aussieht, Kanzler Meinen wird das Leistungsprinzip nicht bis in die letzte Konsequenz durchziehen: "Ich will keine Fakultät in die Insolvenz schicken." 

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