Hochschulen

Konsequenzen aus Plagiatsfällen

Der Allgemeine Fakultätentag (AFT), die Fakultätentage und der Deutsche Hochschulverband (DHV) fordern die Universitäten dazu auf, im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Autonomie insbesondere durch Überprüfung ihrer Promotionsordnungen umfassende Maßnahmen der Qualitätssicherung und -verbesserung in Angriff zu nehmen.

21.05.2013 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Der im Zuge der prominenten Plagiatsaffären belegbare Renommeeverlust der Universitäten müsse aufgehalten und den falschen Vorschlägen einer Qualitätszentralisierung, z. B. durch eine zentrale Plagiatsstelle in Deutschland mit ungeklärter Zuständigkeit, sinnvolle Maßnahmen der Qualitätssicherung entgegengesetzt werden. Gute wissenschaftliche Praxis, so die Unterzeichner in einem gemeinsamen Positionspapier, könne sich nur aus der Wissenschaft selbst heraus entwickeln, einem externen Normengeber fehle Expertise und ein Mandat. Wissenschaftsorganisationen wie der Wissenschaftsrat seien allenfalls subsidiär zuständig.

AFT, Fakultätentage und DHV legen einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem sich die Universitäten und Fakultäten auseinandersetzen sollen. Konzipiert seien die dort enthaltenen Empfehlungen bei Wahrung der universitären Autonomie als eine Hilfestellung, um über wichtige Grundlagen der Qualitätssicherung und des dazugehörigen Verfahrens selbst zu entscheiden.

AFT, Fakultätentage und DHV wollen Universitäten und Fakultäten dazu anhalten, innerhalb der Studien- und Prüfungsordnungen die Vermittlung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis als Bestandteil der Fachcurricula zu verankern. In den Promotionsordnungen sollten klare Regelungen über die Annahme von Doktoranden, über die Rechte und Pflichten von Promovenden wie Betreuern sowie das Verfahren zum Entzug des Doktorgrades festgelegt werden.

Jede Fakultät müsse für sich über die Frage der Verjährungsfristen bei Plagiaten entscheiden. AFT, Fakultätentage und DHV benennen die Vor- und Nachteile einer solchen Regelung. Für Verjährungsfristen spreche u.a., dass es solche Fristen auch für Straftaten gebe, die in ihrem Unrechtsgehalt weitaus schwerer wiegen als eine durch Täuschung erlangte Promotion. Gegen Verjährungsregelungen spreche u.a., dass auch eklatant falsche Promotionsentscheidungen zum Schaden der Wissenschaft irreversibel blieben.

AFT, Fakultätentage und DHV bekennen sich darüber hinaus zur externen Promotion, legen den Hochschulen aber nahe zu prüfen, ob bei externen Doktoranden zusätzliche Zugangsvoraussetzungen oder eine institutionalisierte besonders enge Betreuung während des Promotionsverfahrens sinnvoll sein könnten. Auch sollen Doktorväter und -mütter weiterhin in Personalunion als Betreuer und Prüfer bei einer Promotion tätig sein dürfen, wenn dies von der Fakultät gewollt sei. Durch Verfahrenskautelen, wie z.B. einer mehrköpfigen Promotionskommission, sei aber sicherzustellen, dass zusätzliche Qualifikationssicherungen vorhan-den seien.

AFT, Fakultätentage und DHV plädieren wegen der generalpräventiven Wirkung außerdem dafür, Promovenden an Eides Statt versichern zu lassen, dass ihre Arbeit nur mit den im Einzelnen angegebenen Hilfsmitteln und insbesondere ohne die Hilfe eines Promotionsbera-ters verfasst worden sei. Schließlich regen sie die Errichtung eines Stiftungslehrstuhls an, der sich schwerpunktmäßig mit den übergreifenden und fachspezifischen Fragen guter wissenschaftlicher Praxis auseinandersetzen soll.

Anlagen:
Gemeinsames Positionspapier des AFT, der Fakultätentage und des DHV vom 21. Mai 2013:
AFT, Fakultätentage und DHV empfehlen Universitäten umfassenden Maßnahmenkatalog zur Gestaltung von Promotionsverfahren:
www.hochschulverband.de/cms1/fileadmin/redaktion/download/pdf/resolutionen/Empfehlungen21052013.pdf

Best-Practise-Papier zwischen THESIS und DHV vom 23. März 2009:
www.hochschulverband.de/cms1/uploads/media/BestPracticeThesis_Endfassung.pdf

Gemeinsames Positionspapier des AFT, der Fakultätentage und des DHV vom 9. Juli 2012: Gute wissenschaftliche Praxis bei Qualifikationsarbeiten:
www.hochschulverband.de/cms1/uploads/media/Gute_wiss._Praxis_Fakultaetentage_01.pdf


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