Land stärkt mit Forschungsinitiative Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten

Mit der Forschungsinitiative 2008-2011 möchte die Landesregierung die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der vier rheinland-pfälzischen Universitäten stärken. Sie bekommen zunächst von 2008 bis 2011 zusätzlich zur Grundfinanzierung Landesmittel zur Forschungsförderung in Höhe von insgesamt 64 Millionen Euro. "Wir möchten, dass die Universitäten ihre individuellen Stärken und Kompetenzen schärfen und sichtbarer machen", sagte Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Mit den Präsidenten der Universitäten unterzeichnete Ahnen heute bei einer Pressekonferenz in Mainz entsprechende Zielvereinbarungen.

25.06.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

In der Forschungsinitiative habe das Land zehn verschiedene Fördermaßnahmen unter anderem aus dem Hochschulprogramm "Wissen schafft Zukunft" zusammengefasst und im Jahr 2008 um zwei und ab 2009 um vier Millionen Euro jährlich aufgestockt. Der Wechsel von einer antragsbezogene jährlichen Förderung zu einer Förderung auf der Grundlage von Zielvereinbarungen baue die Autonomie der Hochschulen aus, schaffe Planungssicherheit und entlaste die Wissenschafterinnen und Wissenschafter von aufwendigen Antragsverfahren, so Ahnen.

"Mit der Forschungsinitiative verbessert das Land in engem Zusammenwirken mit den Universitäten die Rahmenbedingungen für exzellente Spitzenforschung und Nachwuchsförderung nachhaltig. Damit stärken wir die Position des Hochschul- und Forschungsstandorts Rheinland-Pfalz national wie international", urteilte Ahnen.

Sie verwies darauf, dass die deutsche Hochschullandschaft derzeit in vielfältiger Hinsicht von einem erheblichen Strukturwandel geprägt sei. Im Bereich der Spitzenforschung und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses habe sich dieser Strukturwandel unter anderem mit der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder enorm beschleunigt. "Dass die Johannes Gutenberg-Universität Mainz bei diesem Wettbewerb als einzige rheinland-pfälzische Universität mit einer Graduiertenschule erfolgreich gewesen ist, war für mich mit ein Auslöser, die Forschungsförderung auf eine neue Grundlage zu stellen", sagte die Ministerin.

Die Vergabe renommierter Forschungspreise an rheinland-pfälzische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln oder die guten Platzierungen in einschlägigen Rankings zeigen ihrer Meinung nach das bereits jetzt vorhandene international sichtbare Potential. "Es scheint aber, dass unsere Hochschulen noch Defizite haben, ihre Stärken im Wettbewerb der Besten deutlich zur Geltung zu bringen. Dass ihnen dies künftig besser gelingt, dazu soll die Forschungsinitiative beitragen", sagte Ahnen beispielsweise mit Blick auf eine beabsichtigte Neuauflage der Exzellenzinitiative nach 2011.

Um die Chancen der rheinland-pfälzischen Universitäten im Wettbewerb um Studierende, Nachwuchs- und Spitzenforscherinnen und –forscher sowie um Fördermittel zu erhalten und auszubauen, sei es notwendig, die eigenen Stärken deutlich wahrnehmbar zu profilieren sowie mittel- und langfristige Zielsetzungen zu formulieren und Strategien zu entwickeln, mit denen sich diese Ziele erreichen lassen.

Vor diesem Hintergrund habe das Land gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Universitäten vor einem Jahr begonnen, seine Forschungsinitiative zur Profilbildung und Qualitätssicherung zu entwickeln. Sie umfasse die Ausarbeitung einer Gesamtstrategie jeder Universität und einer Strategie zur Entwicklung ihrer zentralen Forschungsbereiche. "In der Gesamtstrategie wird das Forschungsprofil der Universität ebenso beschrieben wie die Maßnahmen zu dessen zukünftiger Entwicklung", erläuterte die Ministerin.

Hierauf aufbauend, sehe das Konzept der Forschungsinitiative drei aufeinander abgestimmte Förderstufen vor. In Stufe I setze jede Universität einen Teil ihrer Mittel dafür ein, die Grundfinanzierung von Drittmittelprojekten sicherzustellen, eine Anschubfinanzierung neuer Forschungsprojekte zu ermöglichen und diejenigen Arbeitsgruppen zu fördern, deren Forschungsziele dem fachlichen Universitätsprofil besonders entsprechen.

Auf der mittleren Stufe würden durch das Ministerium gezielt Forschungsschwerpunkte gefördert, die ein besonderes Entwicklungspotential besitzen und über eine integriertes Forschungskonzept und Pläne zur koordinierten Einwerbung von Drittmitteln verfügen.

In der dritten Stufe fördere das Land eine überschaubare Anzahl von Forschungszentren, erläuterte Ahnen. Sie seien zum Teil aus den Clustern und Graduiertenschulen hervorgegangen, die im rheinland-pfälzischen Wettbewerb des Programms Wissen schafft Zukunft oder durch Teilnahme an der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder identifiziert worden seien. "In diesen Zentren konzentrieren sich exzellente, international sichtbare Arbeitsgruppen auf ein interdisziplinäres Forschungsziel", sagte die Ministerin.

Neu an der Forschungsinitiative sei ferner ein veränderter Förderungsmodus. Die bisher antragsbezogene jährliche Förderung werde durch eine längerfristige Förderung auf der Basis von Zielvereinbarungen mit einer Laufzeit von zunächst dreieinhalb Jahren ersetzt. "Das schafft Planungssicherheit für die Universitäten und entlastet die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von aufwendigen Antragsverfahren", kommentierte Ahnen.

Ebenfalls neu sei der Prozess, der zur Förderentscheidung des Landes geführt habe. Nachdem das Konzept der Forschungsinitiative gemeinsam im Sommer des vergangenen Jahres erarbeitet worden sei, hätten die Universitäten in der zweiten Jahreshälfte 2007 ihr fachliches Profil identifiziert und ihre Profilbildungsstrategie entwickelt. Auf dieser Grundlage hätten sie jeweils einen Gesamtantrag erstellt, der von einer hochkarätig besetzten externen Gutachtergruppe begutachtet worden sei. Deren Urteil sei die Basis der Förderentscheidungen des Landes.

Ahnen kündigte an, dass es im Jahr 2011 eine Evaluation der Forschungsschwerpunkte und –zentren und der Gesamtstrategie der Universitäten geben werde, die wiederum auf externe Gutachten gestützt sei. Auf dieser Grundlage werde die Landesregierung über die Verlängerung der Förderung bis zum Jahr 2013 entscheiden.

Der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Professor Dr. Georg Krausch, begrüßte die Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz als wichtige Investition in die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes Rheinland-Pfalz: "Die Johannes Gutenberg-Universität nutzt die Mittel aus diesem Programm, um ihre strategischen Ziele weiter zu verfolgen und ihr Forschungsprofil zu schärfen. Insbesondere werden wir die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Universitätsmedizin und der naturwissenschaftlichen Fachgebiete stärken. Ziel bleibt, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz als moderne Forschungsuniversität zu positionieren, die in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft eine ihrer Größe und Leistung entsprechende Bedeutung und Sichtbarkeit besitzt."

Die Technische Universität Kaiserslautern will die Forschungsinitiative nutzen, um mit einem Bündel von Maßnahmen, darunter die Einrichtung von zwei Forschungszentren und fünf Forschungsschwerpunkten, das Ziel einer weiteren Vernetzung und Sichtbarmachung ihrer Kerndisziplinen zu erreichen, erklärt der Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern, Professor Dr. Helmut Schmidt. Die einzige Universität in Rheinland-Pfalz mit technischem Profil bringt Natur- und Ingenieurwissenschaften unter Einschluss der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in koordinierten Forschungsvorhaben zusammen.

Der Präsident der Universität Trier, Professor Dr. Peter Schwenkmezger, bezeichnete es als wichtig, dass die Universitäten für 3,5 Jahre Planungssicherheit für ihre ausgewählten Forschungsschwerpunkte haben. "Auf dieser Basis wird es gelingen, sich im nationalen wie internationalen Wettbewerb zwischen den Universitäten zu positionieren. Die Universität Trier wird außerdem mit Eigenmitteln weitere exzellente Schwerpunkte im Rahmen ihres Forschungsprofils entwickeln", sagte er.

"Die Forschungsinitiative ist eine große Chance für die Universität Koblenz-Landau, da sie eine Schwerpunktbildung in der Forschung ermöglicht. In den nächsten Jahren werden wir uns auf drei Bereiche - Bildungsforschung, Umweltwissenschaften und Informatik - konzentrieren. Diese Forschungsschwerpunkte stärken gleichzeitig die weitere Profilbildung der Universität", erklärte Professor Dr. Roman Heiligenthal, Präsident der Universität Koblenz-Landau.


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