Landesforschungspreis feiert 20-jähriges Bestehen

Den diesjährigen Landesforschungspreis erhalten Professor Dr. Jürg Leuthold (Karlsruhe) sowie Professor Dr. Nikolaus Pfanner (Freiburg) und Professor Dr. Wolfram Pyta (Stuttgart). Dies gab Dr. Dietrich Birk, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, heute bekannt. Der Wissenschaftsminister wird den Preis in einem Festakt am 15. Juni in der Stuttgarter Staatsgalerie überreichen.

11.05.2009 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Birk: "Forschung und Innovation sind die Schlüssel für den wirtschaftlichen Fortschritt unseres Landes. Die Wissenschaft wird langfristig dazu beitragen, die aktuelle Wirtschaftskrise zu bewältigen. Seit zwanzig Jahren würdigt Baden-Württemberg mit dem Landesforschungspreis Spitzenleistungen in der Forschung in allen Disziplinen. Ich gratuliere den diesjährigen Preisträgern zu ihrem großartigen Erfolg."

Jürg Leuthold erhält den Landesforschungspreis im Bereich Angewandte Forschung. Den Preis im Bereich Grundlagenforschung teilen sich Nikolaus Pfanner und Wolfram Pyta. Die Jury hatte aufgrund der hervorragenden Einreichungen den Preis an beide Wissenschaftler vergeben.

Im Jahr 1989 wurde der erste Landesforschungspreis verliehen. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens in diesem Jahr wird es beim Festakt zur Preisverleihung eine Publikation mit Porträts aller Preisträger und eine kleine Ausstellung zu den Preisträgern und ihren Forschungen geben. Der erste Preisträger war Professor Dr. Erik Jayme von der Universität Heidelberg. Er erhielt die Auszeichnung für seine Arbeit im Kunstrecht zu Problemen bei der Rückführung von Kunstwerken.

Der Landesforschungspreis Baden-Württemberg ist mit insgesamt 200.000 Euro der höchstdotierte Forschungspreis eines Landes. Er wird jährlich für Projekte in der Grundlagenforschung und der Angewandten Forschung vergeben. Bisher sind rund 45 Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen ausgezeichnet worden. Das Spektrum reicht von Biologie über Ingenieurwissenschaften bis zu Geschichte und Rechtswissenschaften.

Professor Dr. Jürg Leuthold, Leiter des Instituts für Photonik und Quantenelektronik an der Universität Karlsruhe, forscht auf dem Gebiet der Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung. Er hat eine Technologie entwickelt, mit der Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Gigabit pro Sekunde – das entspricht circa fünf DVD-Spielfilmen – übertragen werden. Bisher liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 40 Gigabit pro Sekunde. Möglich ist dies durch einen auf Silizium basierten Halbleiterchip an der Pforte des Rechners, der die Daten optisch überträgt.

Firmen haben bereits ihr Interesse an der Produktion des Chips bekundet. Denn neben der Übertragungsgeschwindigkeit ist auch das energetische Einsparpotenzial des photonischen Siliziumchips attraktiv. "Wir vermuten, dass sich mit der neuen Technologie der Energieverbrauch von Kommunikationsschnittstellen zu Computern um das Hundertfache senken lässt", erläutert Leuthold. Um den Energieerfordernissen auch in Zukunft gerecht zu werden, arbeitet Leuthold schon heute an einer noch vielfach schnelleren Technologie, mit der Geschwindigkeiten im Terabit-Bereich möglich werden könnten.

Der zweigeteilte Landesforschungspreis für Grundlagenforschung geht zum einen an Professor Dr. Nikolaus Pfanner, den Leiter des Instituts für Biochemie und Molekularbiologie an der Universität Freiburg. Ihm ist es weltweit erstmals gelungen, die Zusammensetzung der Kraftwerke der Zellen, also der Mitochondrien, zu entschlüsseln. Darüber hinaus sammelten er und sein Team Erkenntnisse darüber, wie die Proteine (Eiweiße) der Kraftwerke an ihren Arbeitsplatz kommen. Dies ist deshalb wichtig, da bei Störungen des Proteintransports in die Kraftwerke Krankheiten entstehen. Die Forschung zu den Kraftwerken liefert damit die Grundlagen für zahlreiche klinische Forscher, um die Ursachen der Erbkrankheiten zu verstehen und längerfristig auch Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

"Wir sind – zumindest in Teilen – auch schon in der Lage zu begreifen, welche Funktion das einzelne Protein an Ort und Stelle erfüllt", so Pfanner. "Zudem konnten wir molekulare Maschinen nachweisen, das sind Komplexe von Proteinen, die bestimmte Funktionen gemeinsam erfüllen." Für die erste umfassende Betrachtung aller Proteine in den Mitochondrien hat er mit seinen Mitarbeitern etwa 1.000 verschiedene Proteine unterschieden, mehr als 200 davon wurden dabei erstmals identifiziert.

Professor Dr. Wolfram Pyta, Leiter der Abteilung Neuere Geschichte am Historischen Institut der Universität Stuttgart, ist ebenfalls Preisträger für Grundlagenforschung. Er hat die Rolle Paul von Hindenburgs erforscht. Der Stuttgarter Historiker liefert einen neuen Erklärungsansatz. Er sieht in Hindenburg keineswegs eine "altersschwache Schachfigur", die nach Belieben vorgeschoben werden konnte. "Hindenburg war bis zuletzt ein Machtmensch, dessen Mythos und Charisma ihm die notwendige Stärke verliehen haben, politische Entscheidungen zu treffen und Hitler die Reichskanzlerschaft zu ermöglichen", erläutert Pyta seine Kernthese. Die Umwandlung von symbolischem und kulturellem Kapital in politische Macht, wie sie bei Hindenburg stattgefunden hat, war bisher nicht systematisch erforscht worden.

Pyta fand mehr als ein Dutzend Dokumente in Privatbesitz, die vor ihm noch niemand untersucht hatte, beispielsweise den Briefwechsel zwischen Hindenburg und seiner ältesten Tochter Irmengard. Mit seiner Monografie "Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler" konnte Wolfram Pyta darlegen, wie Hindenburg den Diskurs über sich und seine Taten steuerte und es schaffte, aus dem ihn umgebenden Mythos einen politischen Herrschaftsanspruch abzuleiten.

Weitere Informationen zum Landesforschungspreis finden Sie unter www.mwk.baden-wuerttemberg.de

Kontaktdaten der Forscher:

Prof. Dr. Jürg Leuthold
Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft
Institut für Photonik und Quanten-elektronik
Engesserstraße 5, Geb. 30.10
76131 Karlsruhe
Tel. 0721 / 608 – 2480
Fax 0721 / 608 – 2786
E-Mail

Prof. Dr. Nikolaus Pfanner
Universität Freiburg
Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Stefan-Meier-Straße 17
79104 Freiburg
Tel. 0761 / 203 – 5224
Fax 0761 / 203 – 5261
E-Mail

Prof. Dr. Wolfram Pyta
Universität Stuttgart
Historisches Institut, Abt. Neuere Geschichte
Heilbronner Straße 7
70174 Stuttgart
Tel. 0711 / 685 – 83450
Fax 0711 / 685 – 82757
E-Mail


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