Landesforschungspreis geht an Britta Nestler (Hochschule Kalrsruhe) und Markus Oberthaler (Universität Heidelberg)

Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg hat heute die Träger des diesjährigen Forschungspreises des Landes Baden-Württemberg bekannt gegeben. Die Ehrung geht an Professorin Dr. Britta Nestler von der Hochschule Karlsruhe und an Professor Dr. Markus Oberthaler von der Universität Heidelberg.

11.04.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

"Wohlstand und Beschäftigung hängen stark von den Leistungen unserer Forscherinnen und Forscher ab. Mit dem Landesforschungspreis wollen wir Spitzenforschung für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Dass der Preis erstmals an eine Forscherin in einer Fachhochschule geht, belegt dass Spitzenforschung im Land nicht auf die Universitäten beschränkt ist", sagte Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg am 11. April in Stuttgart.

Der Preis wird jährlich für je eine Arbeit aus dem Bereich der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung vergeben und ist mit je 100.000 Euro dotiert. Er ist damit der höchstdotierte Forschungspreis eines Landes. Die Verleihung wird am 11. Juni in Karlsruhe in einem Festakt vorgenommen.

"Die Jury hat sich für zwei Forschende entschieden, die am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere stehen. Beide haben auf ihrem Gebiet Herausragendes geleistet. Mit dem Preisgeld erhalten sie die Möglichkeit, ein Forschungsvorhaben ihrer Wahl zu finanzieren," sagte der Minister.

Den Landesforschungspreis für Angewandte Forschung erhält Professorin Dr. Britta Nestler vom Institut für Computational Engineering (ICE) der Hochschule Karlsruhe. Britta Nestler forscht auf dem Gebiet der computergestützten Materialentwicklung. Sie arbeitet mit neuen Simulationstechniken und Modellierungsmethoden. Mit wenigen Mausklicks errechnet sie beispielsweise, ob eine Stoßstange einem Aufprall standhalten kann. Die Verfahren schaffen außerdem Klarheit darüber, wie sich die Werkstoffeigenschaften unter dem Einfluss verschiedener Verarbeitungsmethoden und Materialzusammensetzungen verändern.

Vor allem die Stahl-, Automobil- und Metallindustrie profitiert von Britta Nestlers Forschungen. Waren früher für Materialtests noch teure und zeitintensive Experimente notwendig, werden sie heute von Britta Nestler mit Hilfe von Höchstleistungsrechnern simuliert. Auf diesem Weg kann sie auch innovative Materialverbindungen konzipieren und testen, sodass im besten Fall ein neuer Werkstoff entsteht.

Eine weitere große Herausforderung sieht Britta Nestler im Energiebereich: "Gemeinsam mit dem Karlsruher Institute of Technology will ich versuchen, neue Werkstoffe zu entwickeln, die regenerative oder alternative Energien besser speichern", so die Wissenschaftlerin. "Gerade im Hinblick auf die Klimadiskussion und die Anforderungen, die damit verbunden sind, ist das ein spannendes Thema!"

Der Landesforschungspreis für Grundlagenforschung geht in diesem Jahr an Professor Dr. Markus Oberthaler vom Kirchhoff Institut für Physik der Universität Heidelberg. Ihm ist es weltweit erstmals gelungen, kontrolliert den sogenannten Tunneleffekt zu beobachten. Dabei durchdringen Quantenteilchen spontan räumliche Hindernisse – ein Ereignis, das in der Welt der klassischen Physik eigentlich unvorstellbar ist. Darüber hinaus entwickelte er eine neue Methode zur Messung tiefster Temperaturen knapp über dem absoluten Nullpunkt von -273 °C.

Die Temperatur der Atome stellte der Physiker fest, indem er den Tunneleffekt auswertete. "Diese Methode ermöglicht uns erstmals Messwerte, die mit bisherigen Verfahren nicht zu erzielen waren", so Markus Oberthaler. "Jetzt können wir systematisch in einem Bereich kaum vorstellbar tiefer Temperaturen forschen."

Das geeignete "Thermometer" für seine Tiefentemperaturmessung erhielt Oberthaler durch Experimente mit dem sogenannten Bose-Einstein-Kondensat. Dabei handelt es sich um einen extremen Aggregatzustand, bei dem sich die meisten Teilchen in ein und demselben quantenmechanischen Zustand befinden und in einer Art "Gleichtakt" schwingen. In diesem Zustand erscheinen die Atome als ein einziges "Quantenobjekt", dessen Verhalten unter dem Mikroskop beobachtet werden kann. Daran, wie weit von diesem "Gleichtakt" abgewichen wird, kann Oberthaler die Temperatur ermitteln. Je mehr Abweichung, desto größer ist die Temperatur.

Weitere Informationen und Bildmaterial zum Landesforschungspreis finden Sie unter www.mwk.baden-wuerttemberg.de.


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