Lehrerbildung

Lehrer besser auf Sprachförderung vorbereiten

(red/idw) Die Stiftung Mercator und die Universität zu Köln haben das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache eröffnet. Das Institut, das die Stiftung Mercator in den kommenden fünf Jahren mit rund 13 Millionen Euro unterstützen wird, soll Lehrer bundesweit besser auf Schüler mit Sprachförderbedarf vorbereiten. Wie groß der Bedarf tatsächlich ist, zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Lehrerbefragung, die im Rahmen der Eröffnung offiziell vorgestellt wurde.

05.06.2012 Artikel

71 Prozent der Lehrer in Deutschland unterrichten Schüler mit Sprachförderbedarf – 66 Prozent fühlen sich jedoch durch ihr Studium nicht ausreichend darauf vorbereitet. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag des neu gegründeten Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache an der Universität zu Köln durchgeführt hat.

Erstmals wurden darin Lehrer in ganz Deutschland zu den Themen Sprachförderbedarf und Qualifizierung befragt. 71 Prozent der Befragten forderten, dass Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (DaZ) verbindlicher Teil der Lehrerausbildung sein sollten. 48 Prozent wünschen sich, bei ihrer Arbeit durch speziell qualifizierte Sprachförderkräfte unterstützt zu werden.

"Dass sich laut der Umfrage die Mehrheit der Lehrer im Hinblick auf Sprachförderung nicht ausreichend auf den Schulalltag vorbereitet fühlt, bestätigt uns in der Gründung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache", so Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. "Unser Ziel ist es, herauszufinden, welche Förderinstrumente am besten funktionieren und die größte Wirkung erzielen. Darüber wissen wir noch viel zu wenig. Außerdem brauchen wir dringend eine Aus- und Weiterbildung, die Lehrern die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für den Umgang mit sprachlich heterogenen Klassen vermittelt."

"Das Institut besetzt eine Schnittstelle zwischen Bildungspolitik, Bildungspraxis und Bildungsadministration", erläutert Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. "So soll es dazu beitragen, langfristig die Sprachförderung an deutschen Schulen nachhaltig zu verbessern." Das Institut will Politik und Bildungsadministration beim qualitativen Ausbau sprachlicher Bildung beraten, Bundesländer dabei unterstützen, die Sprachförderung in der Lehrerbildung zu stärken, bundesweit Forschungsaktivitäten in diesem Bereich fördern sowie Qualifikationsmaßnahmen für Schlüsselpersonen in der Sprachförderung initiieren. Die Universität zu Köln ist eine der größten Lehrausbildungsstätten Europas. Fast 10.000 Studierende werden hier auf ihre künftige Tätigkeit an den Schulen vorbereitet.

"Für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, für die persönliche Entwicklung und die berufliche Perspektive spielt eines eine entscheidende Rolle: das Sprachvermögen", so Ties Rabe, Präsident der Kultusministerkonferenz. "Dieses Sprachvermögen muss nachhaltig vermittelt werden. In jeder Schulform, in jeder Klassenstufe und in jedem Fach. Dafür braucht es gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. In dieser Erkenntnis sind sich alle Bundesländer einig. Sie haben sich auf den Weg gemacht. Und sie freuen sich über jeden erfahrenen Weggefährten, der die Routenplanung ein wenig einfacher macht oder Maßnahmen mitbringt, die zu größeren Schrittlängen führen."

Das neu gegründete Institut knüpft an die jahrelangen Erfahrungen und Erkenntnissen der Stiftung Mercator im Bereich Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache an. Die Stiftung hat den 1974 an der Universität Duisburg-Essen gegründeten "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" 2004 bundesweit etabliert und entwickelt seit 2009 im Kooperationsprojekt "ProDaZ" an der Universität Duisburg-Essen die Theorie-Praxis-Verknüpfung der Lehrerausbildung für DaZ und Sprachförderung weiter. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache wird mit Universitäts- und Forschungsstandorten mit großer DaZ-Expertise kooperieren und versteht sich als netzwerkende und kooperative Institution.

Weitere Informationen: www.mercator-institut-sprachfoerderung.de


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