Man(n) Macht Sprechstunde

(bikl/idw) Studentinnen sind die schlechteren Gesprächspartner: Das ist das zentrale Ergebnis der Dissertation "Man(n) Macht Sprechstunde" von RUB(Ruhr-Universität Bochum)-Absolventin Dr. Vera Zegers (Fakultät für Philologie).

08.02.2005 Artikel

In ihrer Studie geht Vera Zegers der Frage nach, wie weibliche und männliche Studierende sich im Gespräch mit Professorinnen und Professoren darstellen, wie sie die Gesprächsbeziehung gestalten und wie sie das Gespräch organisieren. Ernüchterndes Fazit: Studentinnen stellen sich in dieser Situation fast durchweg schlechter dar als Studenten. Sie treten weniger selbstbewusst auf und neigen dazu, ihr Wissen und ihre Leistungen unter den Scheffel zu stellen.

Negatives Selbstbild der Studentinnen

Vera Zegers untersucht, wie Studierende ihr Anliegen am Anfang der Sprechstunde darstellen und wie sie mit individuellen Kompetenzen und Wissensdefiziten umgehen. "Ich war erschreckt, wie schlecht vor allem Studentinnen sich oft darstellen", sagt Dr. Zegers. "Bei den Lehrenden hingegen zeigt sich, dass die institutionelle Rolle mehr ins Gewicht fällt als das Geschlecht." Das negative Selbstbild der weiblichen Studierenden belegen etwa 70 Sprechstundengespräche, die die Linguistin auf Tonband und teilweise auf Video aufgenommen und anschließend verschriftlicht hat.

Studenten treten selbstbewusster auf als Studentinnen

Studentinnen sind weniger selbstbewusst als ihre Kommilitonen und gehen nicht in erster Linie auf ihr Fachwissen, sondern auf eigene Defizite ein. Zum Beispiel weisen sie Professoren auf Wissenslücken in bestimmten Bereichen oder versäumte Termine hin. Dadurch verbauen sie sich wichtige Formen der Selbstdarstellung und machen ihre Dozenten auf Mängel aufmerksam, die diese sonst vielleicht gar nicht bemerken würden. "Viele Studenten stellen dagegen die Präsentation ihres Fachwissens - worauf es in der Sprechstunde ja ankommt - in den Vordergrund und gehen öfter auf Konfrontationskurs mit den Lehrenden." Es gelingt ihnen auch eher, ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

Studentinnen sind kompromissbereiter

"Studentinnen verwenden auch öfter Kommunikations-strategien, die in anderen Zusammenhängen sicher hilfreich, im Sprechstundengespräch an der Uni aber nicht unbedingt gefragt sind - zum Beispiel, offene Fragen zu stellen, Konsens zu suchen oder Kompromissbereitschaft zu zeigen", sagt Zegers. Somit begeben sie sich selbst in eine schwächere Verhandlungsposition, was teilweise dazu führt, dass sie von den Professoren unterschätzt und an die Hand genommen werden, zum Beispiel durch genaue Arbeitsanweisungen. Auch im Umgang mit Problemen zeigen sich deutliche Unterschiede: Wenn Studentinnen Rückschläge erleiden, schreiben sie es größtenteils sich selbst zu, während Studenten in erster Linie äußere ungünstige Umstände für ihr Scheitern verantwortlich machen.

Erfolgreich in die nächste Sprechstunde

Was können Studierende verbessern? Sie sollten sich gründlich auf die Sprechstunden vorbereiten und ihr Anliegen und ihre Fragen deutlich formulieren. Das ist auch im Hinblick auf die knapp bemessene Zeit von Sprechstunden vorteilhaft. Gerade Studentinnen sollten ihr Wissen nicht zu gering schätzen und Sprechstunden als aktives Übungsfeld für eine fachlich orientierte und selbstbewusste Darstellung nutzen. Denn auch im Berufsleben entscheiden Auftreten und Kommunikations-verhalten darüber, wie man(n) wahrgenommen wird.

Weitere Informationen

Dr. Vera Zegers, Universität Maastricht, E-Mail:


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