Milbradt: Exzellenz nicht nur in Süddeutschland

Ministerpräsident Georg Milbradt hat heute in Dresden anlässlich der Einführung des neuen Rektoratskollegiums der Technischen Universität Dresden zu grundsätzlichen Fragen der Hochschulpolitik Stellung genommen. Milbradt verwies auf die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der sächsischen Wissenschaftslandschaft, die mit 25 Großforschungseinrichtungen in Deutschland den dritten Platz erreiche noch vor Bayern und hinter den wesentlich größeren Ländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

26.01.2007 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Allerdings hätten die sächsischen Universitäten in den ersten Runden der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern noch nicht das erreicht, was sie sich vorgenommen hätten. "Sie haben nicht verloren. Aber das Ziel, die Spitze, ist noch nicht erreicht und es bedarf weiterer Anstrengungen, die Messlatte für Exzellenz zu überspringen", so Milbradt. Deshalb sei es notwendig, die "Sprungtechnik" zu verbessern und über modernere und effizientere Strukturen nachzudenken.

"Wir sollten uns vom romantischen Begriff der traditionellen Hochschul- oder Wissenschaftslandschaft verabschieden", forderte der Ministerpräsident. Die Hochschulen seien nicht Teil eines in sich geschlossenen, harmonischen Biotops, in dem für alle die gleichen Bedingungen herrschten, sondern jeweils in ganz unterschiedlichen Biotopen angesiedelt und an die jeweiligen klimatischen Verhältnisse angepasst. "Mit anderen Worten: Es ist unnötig und sogar kontraproduktiv, alle Hochschulen über einen Kamm zu scheren. Nicht alle unsere Hochschulen können in der ganzen Breite Elite-Hochschulen sein. Dazu fehlt uns der Bedarf, dazu fehlen uns die Köpfe und dazu fehlt auch das Geld."

Eine Lösung dieses Problems sieht Milbradt in einer Differenzierung des Wettbewerbs auf drei Ebenen: "Es gibt einen internationalen Wettbewerb um die besten Studenten und Forscher aus der ganzen Welt. Wir wollen in diesem Wettbewerb mithalten. Es gibt daneben einen nationalen Wettbewerb um sehr begabte Studenten, der seine eigenen Exzellenz-Kriterien hat. Auch hier wollen wir ganz vorne mitspielen. Und es gibt drittens auch den dringenden Ruf unserer sächsischen Wirtschaft nach gut ausgebildeten Fachkräften für die Unternehmen der Region. Wir müssen in Sachsen auf allen drei Feldern präsent sein und jeweils Exzellenz organisieren." Auf diese unterschiedlichen Wettbewerbssituation müsse mit einer Binnendifferenzierung nach der Qualität von Forschung und Lehre innerhalb Sachsens geantwortet werden. An ein und derselben Hochschule könne es Fachbereiche geben, die international beachtet, national bedeutsam oder regional orientiert seien. Auch zwischen den sächsischen Hochschulen sei eine stärkere Abstimmung und Zusammenarbeit notwendig, erklärte der sächsische Ministerpräsident und forderte die Hochschulen auf, diesen Prozess aktiv zu betreiben, denn Differenzierung sei nur im Wettbewerb möglich und nicht durch Ministeriumserlass.

Gleichzeitig warnte er vor den Folgen einer fehlgeleiteten innerdeutschen Arbeitsteilung nach dem Schema: die internationale Forscherelite arbeitet an den süddeutschen Hochschulen, im Osten und Norden ist die Lehre zu Hause: "Finanzpolitisch liefe eine solche Arbeitsteilung auf einen umgekehrten Solidarpakt hinaus, in dem der Osten und Norden den Süden subventioniert." Die Folge sei eine Verödung der Lehre und ein Absinken des Ausbildungsniveaus auf breiter Front, wie es in den USA zu erleben sei, wo man trotz der Elite-Unis nicht in der Lage sei, den Bedarf an Spitzen-Wissenschaftlern selbst auszubilden.

"Wir haben nicht die Ressourcen, aus jeder Hochschule eine Elite-Uni zu machen. Wir können es uns aber auch nicht leisten, nur an einer Stelle in Exzellenz zu investieren. Nur gemeinsam können die sächsischen Hochschulen wettbewerbsfähig werden" folgerte Milbradt und stellte abschließend die Frage, ob die notwendigen Strukturveränderungen mit der traditionellen Gruppenuniversität zu erreichen seien. Ein Festhalten am status quo um jeden Preis sei in dieser Frage keine Lösung.


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