Ministerin Lautenschläger: Weißbuch bleibt Messlatte auch nach Abschaffung der Studienbeiträge

"Das Weißbuch zur Verwendung von Studienbeiträgen muss auch künftig die Messlatte für die Landtagsmehrheit sein, die die Studienbeiträge abgeschafft hat und nun in der Pflicht steht, die vielen Verbesserungen in der Lehre zu garantieren, die mit den Studienbeiträgen finanziert werden konnten. Die hessischen Hochschulen brauchen hier Verlässlichkeit." Das hat Staatsministerin Silke Lautenschläger hervorgehoben.

20.06.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Mit der zweiten Ausgabe des Weißbuchs komme die Landesregierung ihrer Selbstverpflichtung nach, den zweckgebundenen Einsatz der Einnahmen an den einzelnen Hochschulen zu dokumentieren. "Das Weißbuch schafft somit Transparenz und belegt, dass die aus Studienbeiträgen finanzierten Maßnahmen ausschließlich den Studierenden zu Gute kommen", sagte die Ministerin heute in Wiesbaden.

Der Hessische Landtag habe zwar mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke am 17. Juni 2008 die Abschaffung der Studienbeiträge zum Wintersemester 2008/2009 beschlossen, doch werde sie als für die Hochschulen zuständige Ministerin auch künftig die Entwicklung der Studienbedingungen in Hessen wachen. "Die Lehre an den Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen darf nicht darunter leiden", sagte die Ministerin. In diesem Zusammenhang bezeichnete sie die Abschaffung der Langzeitstudienbeiträge als schweren politischen Fehler: Um einer Symbolpolitik willen ermögliche es die Landtagsmehrheit, dass sich Bummelstudenten mittels Immatrikulation einfach nur ein verbilligtes Ticket für den Nahverkehr besorgen oder sogar soziale Sicherungssysteme ausnutzen könnten. "Das ist keinem Steuerzahler zu vermitteln."

"Das Weißbuch macht unabhängig von politischen Diskussionen allerdings deutlich, dass die im vorigen Wintersemester und im laufenden Sommersemester erhobenen Studienbeiträge den Hochschulen die benötigten finanziellen Spielräume zur gezielten Verbesserung der Studienbedingungen geschaffen haben", hob die Ministerin hervor. So haben die Hochschulen zusätzliche Lehrkräfte eingestellt, um ihr Seminarangebot auszuweiten und die Gruppengröße in den Kursen deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig hat man die Zahl der studentischen Hilfskräfte erhöht. Die Öffnungszeiten der Bibliotheken wurden ausgeweitet, die Ausstattung mit Büchern, Fachzeitschriften und elektronischen Medien weiter verbessert. Optimiert wurde zudem die Ausrüstung von Hörsälen, Laboren und Kursräumen. Auch das Angebot der Studierendenberatung wurde erweitert.

Die Frankfurter Goethe-Universität, die als größte hessische Hochschule auch die höchsten Einnahmen aus Studienbeiträgen verzeichnet, gibt zum Beispiel 1,7 Millionen Euro allein für zusätzliche wissenschaftliche Mitarbeiter mit Lehrverpflichtung aus. Hinzu kommen gut 1,4 Millionen Euro für ergänzende Tutorien zu Vorlesungen und Seminaren beziehungsweise zur Verringerung der Gruppengrößen in den Tutorien. Für den Ausbau der E-Learning-Strukturen in den Fachbereichen werden rund 1,6 Millionen Euro aufgewendet.

Die Fachhochschule Frankfurt richtet elf Vertretungsprofessuren für 307.000 Euro ein und vergibt nach 54 zusätzlichen Lehraufträgen im vorigen Wintersemester weitere 17 Lehraufträge. In den Ausbau der elektronischen Ausstattung fließen noch einmal 525.000 Euro, nach rund 910.000 Euro im vergangenen Wintersemester.

An der Hochschule Darmstadt werden allein im Fachbereich Architektur 19 zusätzliche Arbeitsplätze eingerichtet und fünf Lehraufträge mit weiteren 21 Wochenstunden vergeben. Die Technische Universität Darmstadt hat die Öffnungszeiten ihrer Bibliothek auf 18 Stunden täglich ausgeweitet. Im Fachbereich Mathematik wird die Gruppenstärke generell von 30 auf 15 halbiert.

Die Universität Kassel richtet ein Servicecenter Lehre zur weiteren Verbesserung der didaktischen Qualifizierung des Lehrpersonals ein. Die Universität Marburg vergibt allein im Fachbereich Erziehungswissenschaften 33 zusätzliche Lehraufträge. Deren Zahl war dort im Wintersemester schon um 30 gestiegen. Die Universität Gießen richtet eine Mobilitätsberatung für Auslandsaufenthalte von Studierenden ein.

Durch den Ausbau ihres Kinderbetreuungsprogramms fördert die Hochschule Fulda die Vereinbarkeit von Studium und Familie. Die Fachhochschule Wiesbaden investiert unter anderem in den behindertengerechten Ausbau ihrer Studieneinrichtungen in Wiesbaden und Rüsselsheim. Die Fachhochschule Gießen-Friedberg baut das Zentrum für Qualitätsentwicklung aus, das Verbesserungsprozesse in den Fachbereichen und Studiengängen initiieren soll.

Die Hochschule für Gestaltung in Offenbach setzt die Einnahmen schwerpunktmäßig zur Förderung der Projektarbeit ein, wobei Studierende aus einem Fonds einen Materialkostenzuschuss für diese Arbeit bekommen können. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt hat ihr Lehrangebot im Semester um zehn Prozent erhöht.

Das Weißbuch "Besser studieren in Hessen" dokumentiert im Sommersemester 2008 geplante oder zur Umsetzung anstehende Maßnahmen und ist ab sofort als pdf-Datei auf der Internet-Seite des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zugänglich: www.hmwk.hessen.de . Es gibt gleichzeitig auch einen Überblick über die im Wintersemester 2007/2008 umgesetzten Projekte, in dem die Studienbeiträge erstmals zu zahlen waren. Wie schon in der ersten Auflage vom Herbst 2007 kann und will das Weißbuch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.


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