Neidhardt erhält Verdienstkreuz 1. Klasse
"Mit der Auszeichnung durch das Verdienstkreuz 1. Klasse würdigt die Bundesrepublik Deutschland das Engagement von Prof. Dr. Friedhelm Neidhardt als Sozialwissenschaftler, das weit über das unmittelbare berufliche Spektrum von Forschung und Lehre hinausragt", betonte Staatssekretär Dr. Hans-Gerhard Husung bei der Überreichung des Ordens am Donnerstag in Berlin.
22.05.2008 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungAls Nachfolger von René König in Köln hat Neidhardt zunächst wichtige Entwicklungsstränge der deutschen Soziologie fortgeführt, originelle Neuansätze auf den Weg gebracht und maßgebliche Arbeiten z. B. zur "Gruppensoziologie", über "Die Familie in Deutschland", über "Soziale Schichtung und Mobilität", über "Kultur und Gesellschaft" oder über "Politische Gewalt und Repression" vorgelegt. Über viele Jahre war er Herausgeber der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie", der wichtigsten sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift im deutschsprachigen Raum. Ab 1988 übernahm Neidhardt die Forschungsabteilung "Öffentlichkeit und soziale Bewegungen" am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und nahm gleichzeitig eine Sonderprofessur an der Freien Universität (FU) Berlin wahr. Von 1994 bis zu seiner Emeritierung Ende Dezember 2000 war er Präsident des WZB.
Durch seine Forschungstätigkeit gehörte und gehört Prof. Dr. Neidhardt zu einer sehr kleinen Spitzengruppe führender deutscher Sozialwissenschaftler mit weltweiter Reputation. Weit über seine Forschungstätigkeit hinaus hat Neidhardt sich im Gemeinwesen engagiert: Hervorzuheben ist dabei sein Engagement als Mitglied im Wissenschaftsrat, als Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission, als Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, als Sekretär der Sozialwissenschaftlichen Klasse in der BBAW sowie als Vorsitzender der Steuerungsgruppe "Wissen für Entscheidungsprozesse (Policy-Forschung)" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Von herausragender Bedeutung und nachhaltiger Wirkung für Berlin ist vor allem Neidhardts Wirken als Gründungsbeauftragter des Fachbereichs Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und als Vorsitzender der entsprechenden Struktur- und Berufungskommission. Das ausgezeichnete Ergebnis, das hier erzielt worden ist, ist im hohen Maße der wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Autorität und den Qualitätsstandards von Prof. Neidhardt, seiner Umsicht und Sensibilität im Umgang mit Personen und Konzepten sowie seiner Urteilskraft und seinem stetigen Einsatz zu verdanken.
Diese Eigenschaften sind der Wissenschaftspolitik im Bund und in Berlin und damit dem deutschen Wissenschafts- und Forschungssystem auch an anderen Stellen und auf unterschiedlichen Ebenen zugute gekommen. Insbesondere für die angemessenen Verhaltensweisen und Organisationsformen exzellenter Forschung und Lehre hat sich Prof. Dr. Neidhardt vielfältig und regelmäßig als Vordenker, Ratgeber und Funktionsträger zur Verfügung gestellt. Der Formulierung von Bewertungskriterien und der Institutionalisierung von Evaluationsverfahren öffentlich finanzierter Forschungseinrichtungen - zunächst für das WZB, dann auch für andere Institutionen, vor allem für die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) - hat er sich immer wieder mit Nachdruck und Augenmaß gewidmet.
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