Professioneller, profilierter, praxisnäher: Kabinett beschließt Eckpunkte für Reform der Lehrerausbildung

Die Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen soll professioneller, profilierter und praxisnäher werden. Dies kündigten Schulministerin Barbara Sommer und Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart am Dienstag in Düsseldorf an, nachdem das Kabinett die Eckpunkte eines neuen Lehrerausbildungsgesetzes beschlossen hatte. Das Studium gliedert sich künftig für alle Schulformen in ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium, das ein ganzes Praxissemester enthält. Daran schließt sich ein einjähriger Vorbereitungsdienst an, der mit dem Staatsexamen abschließt. Die Landesregierung stellt für die Lehrerausbildung in beiden Phasen bis 2015 rund 100 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

11.09.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Die erste Phase der neuen Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen - das Studium - wird im Zuge des Bologna-Prozesses auf eine konsekutive Studienstruktur mit den Abschlüssen Bachelor und Master umgestellt. Damit ist Nordrhein-Westfalen neben Sachsen das einzige Bundesland, in dem die Ausbildungszeit in Zukunft für alle Lehrämter gleich lang ist. Sie beträgt einheitlich für das Gymnasium wie auch für die Hauptschule sechs Jahre. Das so wichtige frühe Lernen wird durch ein eigenes Grundschullehramt aufgewertet. Das Lehramt für Haupt-, Real- und Gesamtschule kann schulformspezifisch die jeweiligen Profile besser vertiefen und schärfen.

Ein Kernpunkt der Reform ist eine deutliche Stärkung der Lehrerausbildung in den Hochschulen. Selbstständige Zentren für Lehrerausbildung im Range von Fakultäten haben künftig die inhaltliche Verantwortung für die Lehramtsstudiengänge. "Wir machen unsere Hochschulen leistungsstärker, und wir sorgen für klare Verantwortlichkeiten", sagte Pinkwart. Das Studium wird künftig mehr darauf ausgerichtet, dass ein angehender Lehrer nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen seines Fachs beherrscht, sondern es auch lernt, Unterrichtsinhalte bestmöglich zu vermitteln. Dafür werden vermehrt fachdidaktische und erziehungswissenschaftliche Inhalte Teil des Studiums.

Der Vorbereitungsdienst wird durch Coaching und Beratung modernisiert. Für mehr Praxisnähe sorgt ein zehnwöchiges Assistenzpraktikum, das in der Regel noch vor Aufnahme des Studiums absolviert werden soll. "Hier können Studierwillige", wie Ministerin Sommer ausführte, "durch Einbindung in den gewöhnlichen schulischen Alltag authentischer erfahren, ob sie den Beruf des Lehrers wirklich lebenslang ausfüllen wollen und ob sie sich dafür überhaupt eignen". Zudem wird ein neues Praxissemester die schulpraktische Ausbildung schon im Studium verbessern.

Die Reform der Lehrerausbildung orientiert sich eng an den Empfehlungen der Expertenkommission unter der Leitung des Bildungsforschers Prof. Jürgen Baumert.


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