Sozialverträgliche Technikgestaltung im Blickpunkt

Der LOEWE-Schwerpunkt ,VENUS’ soll mit seinen Forschungsaktivitäten dazu beitragen, dass sich die Universität Kassel mittelfristig zu einem führenden Standort für sozialverträgliche Technikgestaltung entwickelt.“ Das hat Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann bei der Übergabe des Bewilligungsbescheids an Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep hervorgehoben. Das LOEWE-Projekt, in dem Juristen, Wirtschaftswissenschaftler, Arbeitswissenschaftler, Informationstechniker und Informatiker zusammenarbeiten werden, erhält aus der Landesexzellenzinitiative von 2010 bis 2012 Fördermittel von insgesamt rund 4,2 Millionen Euro.

09.11.2009 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Die Tatsache, dass sich das Projekt „Gestaltung technisch-sozialer Vernetzung in situativen ubiquitären Systemen (VENUS)“ in dem wettbewerblichen Auswahlverfahren durchgesetzt hat, zeigt nach den Worten der Ministerin, dass die Universität Kassel konsequent und erfolgreich dem 2007 beschlossenen Leitbild folgt. „Es geht der Universität um eine markante Prägung ihres wissenschaftlichen Profils durch einen in Deutschland ungewöhnlich vielschichtigen Verbund von Kompetenzen, die sich auf Natur und Technik, Kultur und Gesellschaft konzentrieren.“

Dafür habe die Hochschule bereits wichtige Weichen gestellt, indem ambitionierte interdisziplinäre Grundlagenforschung mit gleichzeitig hohen Verwertungspotenzialen für Wirtschaft und Gesellschaft vorangetrieben werden. „,VENUS’ setzt auf einer guten Forschungsbasis auf, denn die beteiligten Wissenschaftler kooperieren bereits erfolgreich im universitären ,Forschungszentrum für Informationstechnik-Gestaltung’, das darauf abzielt, Forschung in den Bereichen Informatik, Technikrecht, Ergonomie und Wirtschaftsinformatik zusammenzuführen und dadurch innovative Systeme der Informationstechnik zu gestalten“, hob die Ministerin hervor. Ziel des neuen LOEWE-Schwerpunkts ist, die sozial akzeptable, ökonomisch sinnvolle und rechtlich mögliche technische Gestaltung solcher Systeme unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Technik, Nutzern und sozialen Netzen zu erforschen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep nannte den neuen LOEWE-Schwerpunkt „ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Universität Kassel von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung in interdisziplinärer Zusammenarbeit zur Lösung gesellschaftlich relevanter Fragen beiträgt.“ Der Erfolg im Auswahlverfahren sei Anerkennung dafür, dass in dem „VENUS“-Projekt die hohe innovative Kompetenz nordhessischer Wissenschaftler sichtbar werde. LOEWE spiele eine wichtige Rolle, um die hessische Wissenschaftslandschaft nachhaltig zu stärken, die Profilbildung der Wissenschaftseinrichtungen in Nordhessen voranzubringen und deren Innovationskraft für die Entwicklung der Wirtschaft und damit für die Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze zu nutzen. Prof. Postlep fügte hinzu: „Ich sehe das Engagement der Landesregierung zur Förderung von Forschung und Entwicklung gerade auch in Zeiten der Finanzkrise als ein wichtiges Signal. Investitionen in Forschung und Entwicklung sind unabdingbar, um Wissen zu erweitern und innovative Lösungen für wichtige Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln.“

Der Sprecher des neuen Forschungsverbunds, Prof. Dr. Kurt Geihs, sagte: „Im Forschungsschwerpunkt „VENUS“ wollen wir am Beispiel allgegenwärtiger Datenverarbeitung grundlegende Methoden dafür entwickeln, wie Software nutzergerecht, vertrauenswürdig und rechtsverträglich gestaltet werden kann.“

Die Durchdringung der gesamten Lebens- und Arbeitswelt durch eingebettete und vernetzte Informatik und Informationstechnik – also die Allgegenwärtigkeit der rechnergestützten Informationsverarbeitung (Ubiquitous Computing) – ist der wichtigste Wachstumsbereich der Informatik der nächsten Jahre. Die nachhaltige Akzeptanz solcher Technologien hängt davon ab, dass deren Attraktivität, Verständlichkeit, Benutzerfreundlichkeit und Steuerbarkeit gesichert wird. Die Technologieentwicklung muss aber auch mit rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen abgestimmt sein.

Die Universität Kassel engagiert sich darüber hinaus als Antragspartner zusammen mit Kleinen- und Mittleren Unternehmen in der LOEWE-Förderlinie 3 (KMU-Verbundvorhaben). Hier sind bisher sechs KMU-Verbundprojekte mit Beteiligung der Hochschule zur Förderung ausgewählt worden. Diese Projekte mit Unternehmen aus Kassel, Kaufungen, Karben, Rosenthal und Wiesbaden beziehen sich auf die Gebiete Energietechnologie, Materialtechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologie. Die LOEWE-Förderung für diese Projekte beträgt 2009 und 2010 insgesamt knapp 1,1 Millionen Euro, davon erhält die Universität Kassel 305.000 Euro.

Unter dem Dach von LOEWE erhält die Universität Kassel außerdem 2009 und 2010 außerdem einmalige Sondermittel von drei Millionen Euro zur Weiterentwicklung von vier Forschungsschwerpunkten. Besonderes Ziel ist es hier, die grundlagenorientierte Forschung zu stärken, die Teilnahme an Exzellenzprogrammen zu verbessern und für einzelne Forschungsverbünde eine institutionelle Förderung zu erreichen.

Ministerin Kühne-Hörmann wies darauf hin, dass das Land im Rahmen seines LOEWE-Programms in dieser Legislaturperiode bis 2013 insgesamt 410 Millionen Euro zur Förderung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz zur Verfügung stelle: „Die Landesregierung leistet damit eine Anschubfinanzierung, die den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Hessen eine Schwerpunktbildung und damit eine weitere Profilierung erleichtern soll. Ziel ist auch eine intensivere Vernetzung von Wissenschaft, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft. Zudem soll in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den großen Forschungsorganisationen der Boden für die Ansiedlung weiterer, gemeinsam von Bund und Ländern finanzierter Forschungseinrichtungen in Hessen bereitet werden.“


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