Teures Gut Bildung

"Die Einführung von Studiengebühren ist unsozial und wird junge Menschen vor dem Besuch von Hochschulen und Universitäten abschrecken", so Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW-Bayern.

14.10.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Der Anteil der Studienwilligen aus bildungsferneren oder sozial benachteiligten Schichten wird nach Ansicht der GEW weiter sinken. Mit einer Studienanfängerquote von nur 37,3% eines Geburtsjahrgangs ist Deutschland meilenweit vom OECD-Durchschnitt von 53% entfernt. Die Zahl der Studienanfänger in Deutschland sinkt seit dem Wintersemester 2004/05. Ursache hierfür sind massive Rückgänge in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Beides sind Bundesländer, in denen zum Sommersemester 2004 Studiengebühren eingeführt worden waren.

Bayern hat die zweitniedrigste Quote der Studienberechtigten (30,8%) und die niedrigste Abiturientenquote (20,1%) aller Bundesländer. Die Folgen dieser auf höchster Selektion beruhenden Bildungspolitik: Bayern muss Akademiker aus anderen Bundesländern ´importieren´. "Damit werden systematisch Berufschancen zunichte gemacht. Die Abiturienten Bayerns können in vielen Fällen nicht den Bildungsabschluss erreichen, der ihren Qualifikationen entspricht. Mit der Erhebung von Studiengebühren in Bayern schreckt der Freistaat weitere junge Menschen von einem Studium ab. Hochschulausbildung wird zur Ware und für viele unbezahlbar", so Oskar Brückner.

In Deutschland ist seit Mitte der 1980er Jahre eine weitere Fehlentwicklung zu beobachten: Der Anteil von Studienanfängern von Eltern mit hohen und höchsten Bildungsabschlüssen stieg von 36% im Jahre 1985 auf 55% in 2003 an. Dem gegenüber sank der Prozentsatz der Studienanfänger von Eltern mit Hauptschulabschluss von 37% auf nun gerade 16%.

Ein ähnlich verzerrtes Bild ergibt sich beim Zusammenhang von sozialer Herkunft der Eltern und der Quote der Studienanfänger. Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien wird immer seltener der Weg zu einer Hochschulausbildung ermöglicht. Ihr Anteil halbierte sich zwischen 1985 und 2003 von 23% auf 12%.

Oskar Brückner: "Dass uns schon heute gut ausgebildete Akademiker fehlen, ist bekannt. Bayern würde diese Entwicklung mit der Einführung von Studiengebühren weiter forcieren. Vor allem aber würden Jugendliche aus sozial schwächeren und bildungsferneren Familien abgeschreckt. Die GEW fordert deshalb die Staatsregierung auf, von diesen unsozialen Plänen einer Einführung von Studiengebühren Abstand zu nehmen. Eine weitere Verschärfung der hohen Selektivität des bayerischen Bildungssystems können wir uns nicht leisten".

Ansprechpartner

GEW Bayern

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