Über 7 Mio. Euro für acht Technologie-Projekte an Bayerns Universitäten

Für insgesamt acht Technologieprojekte an Bayerns Universitäten hat Wissenschaftsminister Thomas Goppel für die Jahre 2009 bis 2015 eine Förderung in Höhe von insgesamt über 7 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Ziel "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" zugesagt. Wissenschaftsminister Thomas Goppel betonte am Dienstag in München, dass die Projekte gezielt an die an den Hochschulen vorhandenen Kompetenzen anknüpfen und auch für die Wirtschaft vor Ort eine große Chance darstellen.

02.09.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Von der Förderung profitieren die Universität Bayreuth, das Wissenschaftszentrum Straubing der Technischen Universität München, die Universität Passau, das Universitätsklinikum Regensburg sowie die Universität Würzburg mit folgenden Initiativen:

Universität Bayreuth: "Pilotprojekt zum Ausbau der Nutzung industrieller Abwärme in grenznahen und strukturschwachen Gebieten Oberfrankens mittels mobiler thermischer Speichersysteme"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 104.000 Euro

Ziel des Pilotprojektes ist die Erstellung eines Konzepts für die Einführung außerbetrieblicher Abwärmenutzung unter Einsatz mobiler thermischer Speichersysteme in der Region Oberfranken. Im Vordergrund stehen hierbei kleine und mittlere Unternehmen aus dem Bereich Glasgewerbe und Keramik, nach Möglichkeit werden aber auch die Bereiche Papier, Textilien sowie Nahrungs- und Genussmittel einbezogen. Als potenzielle Wärmeabnehmer werden sowohl Unternehmen und Betriebe als auch zentralisierte Einrichtungen (z.B. Stromerzeugung auf Abwärmebasis) in Betracht gezogen, wobei nach heutigem Kenntnisstand Transportentfernungen bis ca. 30 km veranschlagt werden können. Mittels intensiver Publizitätsmaßnahmen und Einbindung von IHK und anderen Unternehmens- und Interessenverbänden werden die regionalen Unternehmen nicht nur zur Mitwirkung angeregt, vielmehr sollen alle Angesprochenen für die Zielsetzung "Verbesserung der Energieeffizienz" sensibilisiert werden. Zu erwarten sind auch Impulse für weitergehende Kooperationen zwischen Unternehmen sowie der hiesigen Wirtschaft und der Universität Bayreuth.

Universität Bayreuth: Projekt "Forschungsstelle für Nahrungsmittelqualität der Universität Bayreuth am Standort Kulmbach"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 942.000 Euro

Die neue Forschungsstelle für Nahrungsmittelqualität (ForN) der Universität Bayreuth wird Grundlagenforschung betreiben, kooperative Projekte mit Industrieunternehmen durchführen, sowie akademische Lehrangebote machen. Diese Aufgaben, zusammen mit der räumlichen Unterbringung am Standort Kulmbach, sollen das bestehende Bündnis zwischen der Universität Bayreuth, dem Max-Rubner-Institut (MRI, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Kulmbach) und der gewerblichen Lebensmittelwirtschaft in der nordostbayerischen Grenzlandregion weiter intensivieren und den Wissenstransfer zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Praxis weiter verbessern. Das übergeordnete strategische Ziel besteht darin, die in der Region Bayreuth-Kulmbach bei Wissenschaftsinstitutionen, kleinen und mittleren Unternehmen und gewerblicher Wirtschaft bestehenden innovativen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten auf dem Gebiet der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln weiter zu stärken, um dadurch die Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung zu fördern.

Technische Universität München: Projekt "Wissenschaftszentrum Straubing am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 92.000 Euro

Das Wissenschaftszentrum Straubing ist eine universitäre Einrichtung, die von fünf bayerischen Hochschulen getragen wird und mit zwei außeruniversitären Institutionen am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing verbunden ist. Das Wissenschaftszentrum Straubing leistet einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Forschungsinfrastruktur in Niederbayern, der Steigerung der Kompetenz und des Kooperationsangebotes auf dem Zukunftsmarkt "Nachwachsende Rohstoffe / Erneuerbare Energien". In Kooperation mit dem Biocampus des Zweckverbandes Straubing-Sand ist eine anwendungsorientierte Umsetzung von Forschungsergebnissen geplant, die eine Steigerung des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in den Themenbereichen Verwertung und Aufbereitung von Nachwachsenden Rohstoffen, Stoffstrom- und Energiemanagement und Marketingkonzepte und -strategien bewirken soll.

Universität Passau: Projekt "Interdisziplinäres Kompetenzzentrum für ´Eingebettete Systeme´ und ´Pervasive Computing´"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 280.000 Euro

Das Projekt soll die an der Universität Passau vorhandene Kompetenz im Bereich intelligenter, "Eingebetteter Systeme" der regionalen Wirtschaft besser verfügbar machen und die Bildung von regionalen Netzwerken in diesem Bereich fördern. Das Haus der Zukunft soll mit entsprechender Sensorik und Vernetzung verschiedener Geräte automatisch auf die Bedürfnisse der Bewohner reagieren können. Dies kann nicht nur eine reine Komfortleistung sein, sondern z.B. auch im Bereich der Pflege älterer Personen eingesetzt werden. Die obige Vision wird im Forschungsbereich "Pervasive Computing" verfolgt. In Bayern und der Region Passau sind etliche Betriebe in relevanten Bereichen wie Sensorik, Automation, Automobiltechnik und Gesundheitstechnik angesiedelt.

Universität Passau: Projekt "Ausbau der Kompetenzpartnerschaft zum Themenschwerpunkt, IT-Sicherheit an den beiden Standorten Passau und Regensburg"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 2.333.520 Euro

Ziel des Projektes ist der Ausbau der Kompetenzpartnerschaft zum Themenschwerpunkt "IT-Sicherheit" an den Standorten Passau und Regensburg (durch die drei beteiligten Hochschulen Universität Passau, Universität Regensburg und Fachhochschule Regensburg), sowie die strategische Partnerschaft IT-Sicherheit. Durch diese Kompetenzpartnerschaft wird eine Infrastruktur zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit ortsansässiger Firmen, insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen geschaffen. Dadurch werden mittel- und langfristig die einzelnen Standorte und die gesamte Region aufgewertet. Darüber hinaus verspricht die intensive Zusammenarbeit und ein umfassendes gemeinsames Service- und Lehrangebot eine Verbesserung der Bekanntheit und Reputation des Forschungsstandortes Ostbayern und damit der Kompetenzpartnerschaft. Der Ausbau der Kompetenzpartnerschaft zum Themenschwerpunkt "IT-Sicherheit" in Verbindung mit einer engen Verzahnung sowie der Kooperation und gegenseitigen Unterstützung der Partner erfolgt in drei Bereichen: Forschung, Anwendung und Beratung, Aus- und Weiterbildung.

Universitätsklinikum Regensburg: Projekt "Jose Carreras Zentrum für Somatische Zelltherapie"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 1,35 Mio. Euro

Die klinische Anwendung zellulärer Therapie, d.h. die Übertragung patienteneigener oder fremder, im Reagenzglas behandelter Blut- und Gewebezellen, ist im Rahmen der sog. Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation seit Jahrzehnten Therapiestandard für Patienten mit Leukämie und anderen bösartigen Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems. Neben blutbildenden Zellen ist die Transfusion bestimmter Immunzellen ein neuer, vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Tumorerkrankungen und Infektionen sowie zur Beherrschung unerwünschter Immunreaktionen bei z.B. rheumatischen und chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Die praktische Umsetzung wegweisender präklinischer Ergebnisse in die Klinik wird durch arzneimittelrechtliche Vorgaben erschwert, die hohe Ansprüche in Bezug auf Qualitäts- und Prozesskontrolle sowie Einhaltung der Regeln der Good Manufacturing Practices (GMP) stellen. Diese Vorgaben bedingen einen hohen Investitionsaufwand für die erforderlichen GMP gerechten Reinraum-Laborräume und eine Entwicklung entsprechender Herstellungstechnologie dieser klinisch einsetzbaren Zellprodukte. Das beantragte Kompetenzzentrum für Somatische Zelltherapie soll GMP-gerechte Bedingungen vorhalten und so für klinische Studien zelluläre Produkte ("zelluläre Medikamente") entwickeln und herstellen. Dieses Zentrum wird dabei als zentrale "Zellfabrik" klinische Einrichtungen in Bayern oder auch anderen deutschen Standorten mit Zellprodukten versorgen können, damit im Rahmen von multizentrischen Therapieprotokollen ein Transfer innovativer Therapieansätze aus dem Labor in die klinische Anwendung möglichst rasch und abgesichert erfolgen kann.

Universität Würzburg: Projekt "Nordbayerisches Anwenderzentrum für ultrahochauflösende Analytik"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 1,23 Mio. Euro

Moderne Analyseverfahren auf der Basis von Elektronen-, Ionen- und Photonenstrahlen bilden eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung neuer Materialien und Bauelemente mit mikro- und nanostrukturierten Funktionselementen. Gleichzeitig eröffnen maßgeschneiderte Nanomaterialien und Bauelemente sehr gute Perspektiven für die Einführung neuer Produkte in bestehenden Unternehmen sowie für die Gründung neuer Unternehmen. Das Nordbayerische Anwenderzentrum für ultrahochauflösende Analytik soll durch Bündelung der an der Universität Würzburg vorhandenen Expertise vorrangig kleinen und mittleren Unternehmen Nordbayerns kundenspezifische Analysen anbieten, Ausgründungen aus der Universität zu neuen Analytikverfahren gezielt fördern und innerhalb der Universität Nutzern aus den Bereichen der Natur- und Lebenswissenschaften zur Verfügung stehen. Das Nordbayerische Anwenderzentrum für ultrahochauflösende Analytik soll es materialwissenschaftlich aktiven Bereichen ermöglichen, eine weite Palette anorganischer und organischer Materialien mit einer Ortsauflösung bis in den Bereich unter 1 Nanometer, einer Empfindlichkeit bis in den ppm/ppb-Bereich bzw. mit einer Zeitauflösung bis in den Femtosekundenbereich zu analysieren. Für die Firmen bietet das Zentrum eine selbst in Großunternehmen nicht in ähnlicher Breite vorhandene Analytikanlaufstelle.

Universität Würzburg: Projekt "Intensivierung des regionalen Technologietransfers auf dem Gebiet der Life Sciences (Medizinische Bildgebung)"; eingeplante EFRE-Förderung in Höhe von 725.000 Euro

Die Universität Würzburg gehört zu einer der führenden Universitäten Deutschlands auf dem Gebiet der Life Sciences (Lebenswissenschaften). Hier hat sich im Verlauf der letzten Jahre insbesondere die Magnetresonanztomographie (MRT) als zentrale und für den Standort "Würzburg" charakteristische biomedizinische Messtechnik etabliert. Die weitreichenden Möglichkeiten der MRT zur Charakterisierung und Darstellung biologischer Prozesse am lebenden System sind entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung interdisziplinärer Verbundforschung mit kompetenten Partnern aus Naturwissenschaft, Biomedizin und Industrie. Im Rahmen des Projektes soll ein neuartiges stehendes MRT-System in die schon bestehende MRT-Infrastruktur des Lehrstuhls für Experimentelle Physik V integriert und zur Entwicklung und Anwendung innovativer MRT-Methoden und Hardwarekomponenten eingesetzt werden, die eine Diagnostik unter dynamischen und physiologischen Bedingungen erst ermöglichen bzw. eine deutliche Verbesserung der bildgestützten Diagnostik und Therapiekontrolle versprechen.

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zählt zu den Strukturfonds der Europäischen Union. Nach den Vorgaben der EU sollen die EFRE-finanzierten Maßnahmen dazu beitragen, den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt durch Ausgleich der wichtigsten regionalen Ungleichgewichte zu stärken. Einerseits sollen dabei die Regionalwirtschaften entwickelt und strukturell angepasst werden. Andererseits soll die grenzübergreifende, transnationale und interregionale Zusammenarbeit gefördert werden, um zu einer nachhaltigen räumlichen Entwicklung beizutragen.


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