Zu den Experten-Vorschlägen zur Lehrerausbildung

"Der VBE begrüßt den Vorschlag der Expertenkommission, die zweiphasige Lehrerausbildung zu erhalten", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Die zweite Phase muss aus unserer Sicht jedoch zwingend mit dem Staatsexamen abschließen. Dass die erste Phase der Ausbildung in den Händen der Universitäten bleiben soll, wird von uns ebenfalls begrüßt. Allerdings muss sich die Landesregierung noch einige Antworten auf die von der Kommission gemachten Vorschläge einfallen lassen."

30.04.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Wenn tatsächlich an den Universitäten künftig die von der Kommission geforderten Zentren für die Professionalisierung der Lehrerbildung eingerichtet werden sollen, stellt sich für uns die Frage, wie das mit dem Hochschulfreiheitsgesetz zu vereinbaren ist. Dieses Gesetz verpflichtet die Universitäten nicht zur Lehrerausbildung. Sie können im Gegenteil selbst entscheiden, welche Studienmöglichkeiten sie anbieten wollen und welche nicht.

"An dieser Stelle muss die Landesregierung Farbe bekennen", so Beckmann weiter. "Sie muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass jede Universität, die Lehrerausbildung anbietet, auch ein solches Zentrum einrichtet."

Ausgesprochen kritisch sieht der VBE die "Lehramtstypen", die von der Kommission vorgeschlagen werden. Deren Vorschlag zufolge soll es ein Lehramt für Grundschulen, eines für Haupt- und Realschulen und eins für Gymnasien und Gesamtschulen geben. Die Kommission selbst weist darauf hin, dass die derzeitige Schulformgliederung die Vorgabe für ihre Untersuchung war. "Diese Vorgabe war unserer Ansicht nach zu eng formuliert", so Beckmann weiter. "Hier ist eine Chance verpasst worden, unabhängig von dem zurzeit in NRW existierenden gegliederten bzw. zergliederten System Ideen für eine zukunftsfähige Lehrerausbildung entwickeln zu lassen. "Nicht nachvollziehbar ist für uns der Vorschlag der Kommission, universitäre Grundschullehrerausbildung von den anderen abkoppeln zu wollen. Das Motto "je kleiner die Kinder, umso kürzer die Lehrerausbildung" halten wir für falsch. Dass die Kompetenzprofile für Gymnasial- und Grundschullehrer unterschiedlich sind, ist selbstverständlich. Daraus den Schluss zu ziehen, dass künftige Grundschullehrerinnen und –lehrer eine weniger fundierte fachwissenschaftliche Ausbildung brauchen als künftige Gymnasiallehrer, ist unserer Ansicht nach ein Schritt zurück in die Vergangenheit. "Dies erinnert fatal an die Volksschullehrerausbildung vergangener Zeiten", so Beckmann weiter. "Auch damals ging man davon aus, dass künftige Gymnasiallehrer eher Fachwissenschaftler sein sollten und künftige Volksschullehrer eine solche Ausbildung nicht bräuchten. Diesen Schritt zurück in die Vergangenheit gehen wir nicht mit. Der VBE ist darüber hinaus der Auffassung, dass für alle künftigen Lehrerinnen und Lehrer eine gleich lange Bachelor- und Masterausbildung unverzichtbar ist."


Mehr zum Thema


Weiterführende Links

  • Link zum Gutachten als .pdf Datei

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden