100 neue Lehrer sollen kommen, 1000 sind aber gegangen
Morgen beginnt für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für über 23.000 Lehrer/innen, Sonderpädagogische Fachkräfte und Erzieherinnen das neue Schuljahr. Sie erwarten zahlreiche Neuerungen, wie der Einstieg in die neue Gymnasiale Oberstufe, flexible Stundentafeln, das Fach Mensch-Natur-Technik, um nur einige zu nennen. 100 "Neueinstellungen" will das Thüringer Kultusministerium zu Beginn des Schuljahres vornehmen. Das klingt zunächst gewaltig, erscheint aber in einem mageren Licht, wenn eingerechnet wird, dass zum Schuljahresende 2008/2009 rund 1000 Lehrkräfte durch Renteneintritt, vorzeitiges Ausscheiden, Ruhephase der Altersteilzeit oder Ablauf von Fristverträgen aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden sind. Ein Blick in die Altersstruktur der Lehrer und Horterzieher zeigt, dass die Zahl der Ausscheidenden sich sogar noch erhöhen wird.
05.08.2009 Pressemeldung GEW ThüringenDie angekündigten 100 Neueinstellungen relativieren sich zusätzlich, wenn man bedenkt, dass nur 40 davon (10 für die Spezialgymnasien, 8 Religionslehrer, 10 Förderschullehrer und jeweils die 3 Jahrgangsbesten Absolventen der Studienseminar für Grundschulen, Regelschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen, wenn sie denn wollen) unbefristet erfolgen sollen. Die restlichen Neueinstellungen sind Entfristungen (was zu begrüßen ist) oder sie erfolgen in Teilzeit und befristet für zwei Jahre. Die Absichtserklärung, diese Kolleginnen und Kollegen nach den zwei Jahren bei Bewährung unbefristet weiter zu beschäftigen, hat auch nichts mit mittelfristiger Personalentwicklung zu tun.
"Mit derartigen Tippelschritten kann der teilweise schon vorhandene und zukünftig entstehende enorme Bedarf im Schulbereich nicht abgedeckt werden. Wenn die Landesregierung genau weiß, dass jährlich nur 500 neue Lehrer in Thüringen ausbildet werden, der Freistaat aber in wenigen Jahren mehr als 1000 benötigt, dann müssen heute schon mindestens 300 neue Lehrer eingestellt werden. Auch die rund 5000 Floating- Beschäftigten warten noch immer auf ein Angebot zur Vollbeschäftigung. Diesem, auch wegen der Gerechtigkeit und Motivation überfälligem Schritt, haben sich Landesregierung und CDU-Fraktion bisher verweigert. Eine vernünftige Personalentwicklung sieht anders aus", erklärte dazu Jürgen Röhreich, Vorsitzender der GEW Thüringen.
Mehr Lehrkräfte und Erzieherinnen sind aber auch dringend notwendig, sollen der "gemeinsame Unterricht" und die flexible Schuleingangsphase, um zwei durchaus positiv zu bewertende Projekte zu erwähnen, tatsächlich umgesetzt werden. Soll dann noch der von der Wirtschaft, der Wissenschaft, einigen Parteien und auch von der GEW geforderte Ausbau von Ganztagsschulen in Thüringen vorangebracht werden, benötigt man dazu zwischen 20% und 30% mehr pädagogisches Personal. Solche innovativen Veränderungen im Schulsystem sind nicht zum Nulltarif zu haben.
"Eine der wichtigsten Voraussetzung für das gelingen solcher Projekte ist eine vernünftige, an den Anforderungen ausgerichtete Personalentwicklung. Schönfärberei und Selbstlob hilft da nicht." sagte Röhreich abschließend.
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