Thüringen

71 Prozent der Lehrer/innen unzufrieden mit Einsatz von Schulpsychologen

Vor zehn Jahren tötete der Amokläufer Robert Steinhäuser am Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen und anschließend sich selbst. Über die Ursachen für diese schreckliche Tat wurde intensiv diskutiert und schließlich auch Änderungen im Schulwesen eingeführt.

26.04.2012 Pressemeldung GEW Thüringen

So kamen nach dem Amokläufer Schulpsychologen zum Einsatz, die Schüler/innen und Lehrer/innen unterstützend zur Seite stehen und bei Problemen frühzeitig eingreifen sollten. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat mittlerweile die Zahl der Schulpsychologen von 17 auf 32 erhöht.

"Doch", so erklärt Torsten Wolf, Landesvorsitzender der GEW Thüringen, "diese Zahl reicht offensichtlich nicht aus, Schulen die notwendige Unterstützung bei Problemfällen zu geben. Unsere Onlinebefragung ergab, dass 71 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer mit dem Einsatz von Schulpsychologen eher unzufrieden beziehungsweise ganz unzufrieden sind." Im Durchschnitt muss ein Schulpsychologe zwanzig Schulen betreuen. "Da wundert es nicht, das manche Kolleginnen und Kollegen uns schreiben, dass an ihrer Schule noch kein Psychologe im Einsatz war", so Wolf weiter.

Zur Zeit liegt der Betreuungsschlüssel bei 1:7.344. "Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag fordert einen neuen Betreuungsschlüssel von 1:5.000. Diese Forderung begrüßen wir im Namen der Schüler/innen und Lehrer/innen. Auch wenn das Verhältnis zwischen ihnen grundsätzlich gut sei, bei Problemen heißt es, schnell und konkret eingreifen zu können", erklärt Wolf und verweist damit auf das Ergebnis der Onlinebefragung.

Die GEW Thüringen unterstützt die Forderungen der Minister Heike Taubert und Christoph Matschie nach 200 Schulsozialarbeiterstellen. Diese können den von Lehrer/innen und Erzieher/innen gewünschten schulunmittelbareren Einsatz leisten.

Verbale Einschätzung (809 Teilnehmer, Auswahl in Bezug auf den Einsatz von Schulpsychologen)

  • Echte Schulpsychologen habe ich an meiner Schule noch nicht gesehen.
  • Schulpsychologen werden dringend gebraucht.
  • Das Arbeitsklima an unserer Schule ist überdurchschnittlich gut. Negativ ist die hohe Arbeitsbelastung bei Langzeitkrankheit - keine Unterstützung von außerhalb.
  • Wir haben keinen Schulpsychologen.
  • Ich arbeite gern an meiner Schule. Die Probleme werden mit Kollegen besprochen (kleine Superversionen). Die Atmosphäre an der Schule ist gut. Es gibt kaum Probleme mit Schülern oder Eltern oder der Schulleitung.
  • Durch die Integration von psychisch auffälligen Schülern wird der Unterrichtsablauf erheblich gestört. Gewalttaten nehmen zu. Die Schulleitung fühlt sich für verwaltungs-technische Aufgaben zuständig, aber nicht für pädagogische Maßnahmen. Konzepte anstatt konkrete Hilfestellung durch Psychologen.
  • Wenig Zusammenarbeit, Ansprüche an Lehrertätigkeit sind sehr unterschiedlich, Schulpsychologen???Nie gesehen!
  • Es gibt keine Möglichkeit mit Schulpsychologen zu arbeiten.
  • Kein Schulpsychologe vor Ort.
  • Häufiger Krankenstand einiger Kollegen und der Schulleitung lässt das Arbeitsklima nicht gerade ins Positive steigen!Fehlende bzw. mangelnde Zusammenarbeit mit Sozialberater und Schulpsychologen lässt uns mit Problemschülern und Förderschülern allein.
  • Wir haben keinen Schulpsychologen.
  • Den Einsatz von Schulpsychologen vermisse ich seit Gutenberg-Attentat
  • Die Schulleiterin und die Kollegen setzen das Schulkonzept in einer Atmosphäre um, in die sich alle Kollegen einbringen können. Probleme mit Schülern werden von den Klas-senleiterteams, der Schulleitung, der Schulpsychologin und den SPF`s gemeinsam gelöst.
  • Ein Schulpsychologe wäre toll, da es bei uns zu wenig Psychologen gibt und Betroffene (nicht nur Kinder) ewig keine Termine bekommen.
  • Es gibt keine Schulpsychologen oder Schulsozialarbeiter an unserer Schule.
  • Einen Schulpsychologen kriegt man nicht zu sehen, für Berufsschule ist keine Lobby da, Probleme werden im Schulamt und im Ministerium "ausgesessen"...
  • Schulpsychologen müssten mehr Zeit für eine Schule haben.
  • Schulpsychologe kaum erreichbar und für Probleme zu sprechen, Anforderung mit Formular viel zu kompliziert, zeitintensive bürokratische Wege bei Anforderung, immer mehr Kinder mit familiären Problemen, die sich auf Schulleben der Kinder auswirken.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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