Ahnen: Jugendschutz stellt sich den Herausforderungen der Mediengesellschaft

Ein wirksamer Jugendschutz, insbesondere im Medienbereich, wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Politik der Landesregierung einnehmen. "Wir wollen Kindern und Jugendlichen eine verantwortungsvolle Teilnahme an der Medienwelt ermöglichen, sie vor möglichen Gefahren des Internets und anderer Verbreitungswege schützen sowie die Entwicklung von Medienkompetenz fördern", erklärte Jugend- und Bildungsministerin Doris Ahnen am Donnerstag in Mainz.

20.04.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Je komplexer und vielschichtiger das Medienangebot für Kinder und Jugendliche werde, desto höher sei die staatliche und gesellschaftliche Verantwortung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Bereich der Medien zu bewerten. Ahnen kündigte die Einrichtung eines "Runden Tisches" für noch effektivere Schutz- und Aufklärungsmaßnahmen von Kindern und Jugendlichen insbesondere im Internet und Mobilfunkbereich an. "Die rasanten technischen Entwicklungen, die immer schnellere Kommunikation und immer vielschichtigere Verbreitungswege ermöglichen, stellen eine große Herausforderung dar, die wir gemeinsam mit Fachleuten des Jugendschutzes, Pädagoginnen und Pädagogen, Elternvertretungen, der Medienaufsicht, der Mobilfunk- und Internetanbieter sowie der Geräteindustrie bewältigen wollen. Außerdem ist eine gezielte Elterninformation von zentraler Bedeutung", erklärte die Ministerin.

Mit dem "Runden Tisch" will das Ministerium einen sehr bedenklichen, derzeit aktuellen Trend vor allem unter jugendlichen Mobilfunk-Nutzern gemeinsam mit Expertinnen und Experten thematisieren und Strategien zum verantwortlichen Umgang entwickeln, so Ahnen. Gewalthaltige Videosequenzen könnten mittlerweile von Mobiltelefon zu Mobiltelefon in Sekundenschnelle getauscht werden – auch im schulischen Umfeld. Eine relativ neue Übertragungstechnik ("Bluetooth") mache dabei eine Übertragung im Nahbereich, z.B. auf dem Schulhof, leichter möglich.

"Die Empfänger werden unmittelbar und ohne Vorwarnung mit teilweise extremen Gewaltdarstellungen konfrontiert", erläuterte Stefan Glaser, der stellvertretende Leiter von jugendschutz.net, einer gemeinsamen Einrichtung der Länder für den Jugendmedienschutz im Internet. Jede Form einer sozialen Kontrolle, wie sie am heimischen Computer von den Eltern noch gewährleistet werden könne, entfalle bei dieser Übertragungsform. Aus der Sicht von Jugendschutz-Expertinnen und – Experten seien bei den Überlegungen über mögliche Handlungsschritte zur Eindämmung der Gewalt-Problematik bei Mobiltelefonen insbesondere die Internet-, Mobilfunk- und Geräte-Industrie gefordert, sagte Doris Ahnen. So gebe es bereits von Seiten einiger Mobilfunkbetreiber Angebots- und Aufklärungsinitiativen für Eltern über mögliche Schutzmechanismen vor jugendgefährdenden Inhalten. Auf dieser Grundlage sei zu überlegen, ob und wie sich über weitere Sicherungsmaßnahmen der Zugang zu unzulässigen Inhalten wirksamer beschränken lasse.

Der geplante "Runde Tisch" stehe für eine wesentliche Leitlinie rheinland-pfälzischer Jugendpolitik, betonte die Ministerin: Einerseits im Jugendschutz rechtliche Grenzen zu setzen, andererseits eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu suchen und so insgesamt die medienpädagogischen Fähigkeiten von jungen Menschen zu fördern. "Jugendmedienschutz kann flächendeckend nur funktionieren, wenn Staat und Medienindustrie kooperieren und beide Seiten sich ihrer jeweiligen Verantwortung bewusst sind und sie wahrnehmen", sagte Ahnen.

Mit dem Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz und der Reform des Jugendschutzgesetzes im Jahre 2003 hätten Bund und Länder gemeinsam die Voraussetzungen für einen besseren Schutz vor gefährdenden Medieninhalten geschaffen. "Gesetze und Staatsverträge sind eine wichtige Voraussetzung für einen effektiven Jugendschutz. Genauso wichtig ist es jedoch, dass wir die ergriffenen Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit und Effizienz überprüfen", betonte die Ministerin. Rheinland-Pfalz habe deshalb zusammen mit den Obersten Landesjugendbehörden die Initiative für eine inhaltliche Ausgestaltung der zwischen dem Bund und den Ländern beschlossenen Evaluation im Jugendschutz ergriffen, die auf der nächsten Konferenz der Jugendministerinnen und -minister am 18. Mai behandelt wird.

Rheinland-pfälzische Jugendschutzexpertinnen und –experten könnten sich außerdem auf langjährige verantwortliche Mitarbeit in Strukturen der Medien- Selbstkontrolle stützen, erklärte Doris Ahnen weiter. So nehme das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) mit Sitz in Wiesbaden für alle Bundesländer die Federführung wahr. Die FSK prüft jährlich bei fast 7000 Filmen die mögliche Altersfreigabe. Hier gelinge es seit vielen Jahren, konsensfähige Entscheidungen auch in strittigen Fällen herbeizuführen, so Folker Hönge, der Ständige Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK.

"Der gesetzliche Jugendschutz und der pädagogische Jugendschutz fließen ineinander, um das Ziel des Jugendschutzes zu erreichen, Kindern und Jugendlichen Medien nicht vorzuenthalten, sondern sie ihnen unter Berücksichtigung ihres Alters und ihres Aufnahmevermögens zugänglich zu machen". Die FSK habe sich in ihrer Spruchpraxis offen gezeigt für gesellschaftliche Veränderung und für eine Transparenz ihrer Entscheidungen gegenüber der Öffentlichkeit. Gleichzeitig sei die FSK ein Instrument des gesetzlichen Jugendmedienschutzes, sagte Hönge weiter. "Sie setzt Grenzen, an denen sich Eltern orientieren. Grenzen, die Kinder und Jugendliche kennen, mit denen sie sich auseinander setzen und sie setzt auch Grenzen gegenüber der Medienindustrie, die diese Grenzen akzeptiert".

Weiterhin hat die gemeinsame Stelle der Bundesländer für den Jugendschutz im Internet, jugendschutz.net, ihren Sitz in Mainz und ist dienstrechtlich an die Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Ludwigshafen angegliedert. "Ziel von ´jugendschutz.net´ ist es, die Veränderung oder das Abschalten von Internetangeboten zu veranlassen, die Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung gefährden oder beeinträchtigen können". Die Arbeit von ´jugendschutz.net´ finde hohe Anerkennung sowohl bei Fachinstitutionen, bei Unternehmen aus dem Bereich Neue Medien, aber auch bei Organen der Strafverfolgung.

"Ein sinnvoller Umgang mit Medieninhalten setzt außerdem ein Vermitteln und Fördern von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen voraus", erklärte die Jugend- und Bildungsministerin weiter. Es gehe im Grunde darum, Medien konstruktiv in den Bildungs- und Freizeitalltag von Kindern und Jugendlichen zu integrieren und mögliche Gefahren nicht zu bagatellisieren. Medienpädagogische Erziehung und Information seien zugleich eine wichtige Voraussetzung, um mögliche Konflikte, zum Beispiel beim Gebrauch von Handys, in Kooperation zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern lösen zu können.

"Medienkompetenz zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten, über die Minderjährige verfügen müssen, wenn sie an den gesellschaftlichen Kommunikations- und Interaktionsprozessen teilnehmen möchten", erklärte die Ministerin. Deshalb fördere das Land auch die Arbeit des Landesfilmdienstes Rheinland-Pfalz und seines Instituts für Medienpädagogik und Medientechnik mit jährlich mehr als einer halben Million EURO. "Mit unseren zentralen Projekten ´lokal-global´ – einem mobilen Internetcafé in der Jugendarbeit und dem Video-Projekt "DIG.IT1" gehen wir an die Orte, wo Jugendliche ihre Freizeit verbringen", erläuterte Albert Treber vom Landesfilmdienst. Das Engagement des Landesfilmdienstes zeige deutlich, dass für junge Menschen die Beschäftigung mit Medien ein wesentlicher Bestandteil sowohl von Bildungsprozessen als auch von Freizeitgestaltung sei, ergänzte Ministerin Ahnen. "Es geht darum, Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsbewussten Zugang zu Informationen und zu altersgerechter Unterhaltung zu ermöglichen. Dieser Aufgabe stellen wir uns auch in Zukunft ebenso wie dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor strafbaren und jugendgefährdenden Inhalten", sagte Doris Ahnen abschließend.

1 DIG.IT = "Digitale Medienproduktion in der Jugendarbeit". Das Projekt fördert den Umgang vonKindern und Jugendlichen mit digitaler Technik.


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