Arbeitsgruppe Lehrergesundheit hat Empfehlungen in den Bereichen Altersermäßigung, Arbeitsschutz, Fortbildung und Qualifizierung erarbeitet
Nach einem Spitzengespräch mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Beamtenbund bei Ministerpräsident Günther H. Oettinger im Mai 2007 wurde unter der Leitung von Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL die Arbeitsgruppe "Lehrergesundheit" eingerichtet. Ihr gehörten unter anderem der Vorsitzende des Beamtenbundes Baden-Württemberg, Volker Stich, und der Vorsitzende der GEW, Rainer Dahlem, an. Für das Finanzministerium nahm Ministerialdirektorin Dr. Meister-Scheufelen teil. "In den vergangenen Monaten haben wir uns in einem sehr intensiven, offenen und konstruktiven Meinungsaustausch auf ein Bündel von Handlungsempfehlungen verständigt, die einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und beruflichen Stabilität der Lehrkräfte leisten können", sagte Wacker.
11.03.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergDie Arbeitsgruppe hatte sich unter anderem mit Fragen des Qualitätsmanagements an Schulen, der Führungsverantwortung, der Fortbildung, dem Gesundheits- und Arbeitsschutz, der Gefährdungsbeurteilung, der Altersermäßigung, Altersteilzeit sowie der Dienstrechtsreform befasst. Zwei renommierte Experten zum Thema "Lehrergesundheit", Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt und Prof. Dr. Joachim Bauer, wurden in der Arbeitsgruppe angehört.
Als Unterstützungsmaßnahmen werden von der Arbeitsgruppe beispielsweise die gezielte Begleitung in der Berufseingangsphase, Fortbildungsmaßnahmen in Anlehnung an das so genannte "Konstanzer Trainingsmodell", Stimmpräventionstraining für Lehrkräfte, die Etablierung von "Gesundheitsmoderatoren" sowie ein Coaching nach dem "Freiburger-Modell" vorgeschlagen. Darüber hinaus sollten nach den Vorstellungen der Arbeitsgruppe die Angebote für Schulleiter und Schulleitungsteams aufgestockt werden, um die Führungspersönlichkeit der Leitungskräfte zu stärken. Die Arbeitsgruppe sieht die in der Privatwirtschaft praktizierten zielgruppenspezifischen Präventionsangebote positiv und empfiehlt zu prüfen, wie solche Maßnahmen auch im öffentlichen Dienst umgesetzt werden können. Wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung sollen die Maßnahmen im Rahmen der Dienstrechtsreform aufgegriffen werden. Dort wird über deren Umsetzung entschieden.
Die Altersermäßigung soll so umgestaltet werden, dass die Lehrkräfte aller Schularten gleich behandelt werden.
Bisher erhielten nur die vollbeschäftigten wissenschaftlichen Lehrkräfte an Gymnasien und beruflichen Schulen zwischen 55 und 59 Jahren eine Altersermäßigung in Höhe von einer Wochenstunde. Aufgrund des Spruchs einer Einigungsstelle war das Kultusministerium gehalten, eine Regelung zu treffen, die alle Lehrkräfte gleich behandelt. Weil für eine Ausweitung der Altersermäßigung auf Lehrkräfte aller Schularten die Ressourcen nicht vorhanden sind, war zunächst beabsichtigt, die Altersermäßigung zwischen dem 55. und dem 59. Lebensjahr zu streichen. Die Arbeitsgruppe konnte sich nun auf folgende Lösung einigen:
Die bisher für die Altersermäßigung eingesetzten Ressourcen bleiben ungeschmälert erhalten und werden auf die Lehrkräfte aller Schularten umverteilt. Damit werden zukünftig auch die Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen die Altersermäßigung erhalten. Sie wird zukünftig ab dem 58. Lebensjahr gewährt.
Die Altersermäßigung in Höhe von zwei Wochenstunden für Vollzeitbeschäftigte und eine Wochenstunde für Teilzeitbeschäftigte ab dem 60. Lebensjahr bleibt für die Lehrkräfte aller Schularten unverändert erhalten.
"Damit konnte sich die Arbeitsgruppe auf eine Empfehlung verständigen, die von allen Seiten akzeptiert wird und die die Ressourcen für die Altersermäßigung ohne Abstriche erhält", bilanzierte Wacker.
Die Neuregelung soll zum Schuljahr 2009/2010 in Kraft treten. Bestandschutz wird den wissenschaftlichen Lehrkräften an Gymnasien und beruflichen Schulen gewährt, die nach der bisherigen Regelung bereits eine Altersermäßigung erhielten.
Hinweis an die Redaktionen:
Konstanzer Trainingsmodell: Das Trainingsmodell ist ein von der Universität Konstanz entwickeltes Programm für Lehrkräfte im Umgang mit Aggressionen. In Gruppen oder Teams werden Methoden vermittelt, die helfen sollen, die persönliche Situation bewusster zu reflektieren und zu bewerten. In der Gruppe kann beispielsweise eine Unterrichtssituation systematisch analysierte werden, um dann im gemeinsamen Gespräch weitere Handlungsperspektiven zu erörtern.
Freiburger-Modell: Ein vom Universitätsklinikum Freiburg entwickeltes Programm zur Gesundheitsprophylaxe für Lehrkräfte dient dazu, die Kompetenz in der Beruflichen Beziehungsgestaltung zu verbessern. So genannte Lehrercoachingruppen werden durch medizinische und psychologische Experten in zehn Doppelstunden moderiert. Ziel ist es, Gründe für stressbedingte Gesundheitsstörungen zu erkennen und die Situationen am Arbeitsplatz zu verändern.
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