Masterplan Lehrkräftebildung: „Mehr Praktikum ersetzt keine Bildungsreform“
Mehr Praktikum, mehr Praxis, bessere Zusammenarbeit: Der neue bayerische Masterplan Lehrkräftebildung klingt nach Aufbruch. Doch aus Sicht des Bayerischen Elternverbands (BEV) bleibt die entscheidende Frage offen: Was bewirken die Änderungen tatsächlich?
25.09.2026 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband50 Prozent mehr Praktikumszeit – 4 statt 3 Prozent der Studienzeit – sind aus Sicht des BEV noch keine echte Verbindung von Schule und Hochschule. Auch Feedback, Lernstandserhebungen und der Umgang mit Unterrichtsstörungen sind kein neues Konzept, sondern gehören zum grundlegenden Handwerkszeug von Lehrkräften.
„Mehr Praktikum macht noch keine Bildungsreform. Wenn Schule und Universität weiterhin weitgehend getrennt arbeiten, bleibt das Grundproblem bestehen“, erklärt Martin Löwe, Landesvorsitzender des BEV. „Der Masterplan darf nicht den Eindruck von Veränderung erzeugen, während die notwendigen strukturellen Reformen ausbleiben.“
Schule und Universität müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen
Gerade angesichts der schwachen Ergebnisse internationaler Bildungsstudien reicht es aus Sicht des BEV nicht, einzelne Maßnahmen aufzulisten. Studierende wechseln auch künftig zwischen zwei weitgehend getrennten Welten: Die Schule bietet den Praktikumsplatz, die Universität begleitet und reflektiert aus der Distanz.
Das ist keine echte Verzahnung von Theorie und Praxis. Dafür braucht es feste gemeinsame Teams, ausreichend Zeit und eine gemeinsame Verantwortung von Wissenschaft und Schule für die Qualität des Unterrichts.
Auch inhaltlich bleibt der Masterplan dem BEV zufolge zu allgemein. Moderne Lehrkräftebildung muss vermitteln, wie Lernen tatsächlich funktioniert: Wie entstehen Motivation und Selbststeuerung? Welche Lernmethoden sind wissenschaftlich nachweislich wirksam? Wie können Erkenntnisse aus Kognitionspsychologie und Neurowissenschaften in guten Unterricht übersetzt werden?
Inklusion, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz dürfen dabei nicht nur als Schlagworte auftauchen. Entscheidend ist, was angehende Lehrkräfte damit im Unterricht tatsächlich anfangen können.
BEV fordert: Praxisjahr zum echten Entwicklungsjahr machen
Der BEV fordert deshalb, das geplante Praxisjahr grundlegend neu zu denken. Schulen und Universitäten müssen gemeinsam zu Orten werden, an denen Unterricht erforscht, erprobt und verbessert wird. Lehrkräfte, Hochschullehrende und Studierende sollten kontinuierlich und auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
„Die Gefahr besteht darin, dass kosmetische Korrekturen als große Reform verkauft werden“, sagt Oliver Kunkel, Leiter Nachhaltiges Lernen im BEV. „Damit würde der Reformdruck aus dem System genommen, während die eigentlichen Probleme bestehen bleiben. Bayern kann sich aber keine Reform auf Zeit leisten.“
Bayern braucht nicht einfach mehr Praxis im bestehenden System. Bayern braucht eine neue Verbindung von Schule und Wissenschaft – mit gemeinsamer Verantwortung für wirksamen Unterricht.
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