Auch Ganztags-Hauptschulen bleiben sozial ungerecht

Im Vorfeld des Hauptschulkongresses am kommenden Wochenende in Ingolstadt stellt die GEW den Reformwillen des Bayerischen Kultusministers in Sachen Hauptschulen in Frage. Minister Schneider hatte den Kabinettsbeschluss am Montag mit den Worten "Heute ist ein großer Tag für die Hauptschüler in Bayern" gefeiert. Die Wahrheit ist, dass die Hauptschule weiterhin trauriges Beispiel für die extreme soziale Ungerechtigkeit des bayerischen Schul-systems bleibt.

04.05.2007 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Hauptschulbesuch keine freiwillige Entscheidung

Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern: "Natürlich braucht Bayern mehr Ganztagsschulen, in denen die Schüler individuell und effektiv gefördert werden können. Die derzeitige Schulpolitik in Bayern zementiert aber die strukturellen Fehlentwicklungen und macht insbesondere die Hauptschule zu einem Sammelbecken für die ohnehin schon Be-nachteiligten, Kinder mit Migrationshintergrund und aus so genannten bildungsfernen Schichten."

Nach Ansicht der GEW besteht das Grundproblem in der rigiden und sozial ungerechten Auslese durch das bayerische Schulsystem: Die Zuteilung zu bestimmten Schularten nach der vierten Klasse erfolgt eben nicht "begabungsgerecht", sondern wird maßgeblich durch her-kunftsbedingte Benachteiligungen bestimmt. Kinder aus Akademikerhaushalten haben in Bayern eine um fast 7 Mal höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen als Kinder aus Facharbeiterhaushalten.

Zu wenig Personal, zu wenig Geld

Oskar Brückner: "Minister Schneider betreibt Augenwischerei, wenn er behauptet, dass die M-Abschlüsse mit der Mittleren Reife der Realschulen verglichen werden können. In der Reali-tät haben die Schüler mit diesem Abschluss kaum Vorteile auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Die Lösung kann nur die ´Eine Schule für alle´ sein, die natürlich als echte Ganztagsschule konzipiert werden muss. Nur durch den gemeinsamen Schulbesuch bis zur Mittleren Reife kann das Bayerische Schulsystem sozial gerechter werden."

Die GEW fordert in diesem Zusammenhang die sofortige Einstellung einer ausreichenden Anzahl qualifizierter Lehrkräfte, 19 zusätzliche Lehrerstunden pro Ganztagsklasse (statt jetzt 12 Stunden) und vor allem den Einsatz von anderen Professionen an Ganztagsschulen, wie Sozialpädagogen und -arbeiter, Sonderpädagogen, Schulpsycholog/innen und Förder-lehrer/innen. "Nur so kann ein institutionalisiertes Förder- und Unterstützungssystem etabliert werden. Die jetzt angekündigten unzureichenden Maßnahmen zeigen den Stellenwert, den Minister Schneider den Ganztags-Hauptschulen wirklich beimisst", so Brückner.

Ansprechpartner

GEW Bayern

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