Auch Leistungsdruck Ursache für Amokhandlungen

(bikl.de) Die Gewerkschaft für Bildung und Erziehung (GEW) macht den hohen Leistungsdruck an deutschen Schulen mitverantwortlich dafür, dass Jugendliche aus Köln ein Jahr nach Emsdetten erneut einen Amoklauf geplant hatten. "Das sind Hilferufe, die uns nachdenklich machen müssen", sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von heute.

20.11.2007 Artikel

"Wir haben ein Bildungswesen, das überhaupt erst Gewinner und Verlierer produziert", sagte Thöne. Jugendliche stünden heute in einem hohen Wettbewerb untereinander. Da sei es fatal, wenn auch noch das Ausbildungssystem auslese. "Schule muss weg vom reinen Paukwissen", forderte der GEW-Vorsitzende. Jugendliche müssten soziale Kompetenzen erwerben können und bräuchten kreative Pausen. Gleichzeitig betonte Thöne, es sei ein Fortschritt, dass Schüler und Lehrer offenbar jetzt Alarmsignale stärker wahrnähmen. Doch jetzt müsse sich auch die Schulstruktur grundsätzlich ändern.

Zudem müssten Lehrer in einem ganz anderen Umfang in der Aus- und Fortbildung darauf vorbereitet werden, mit der Hilf- und Sprachlosigkeit von Schülern umzugehen. "Viel zu wenig Beachtung finden die vielen Fälle von Jugendlichen mit sozialen und psychischen Problemen, bei denen die Gewalt nicht eskaliert ist", sagte Thöne.

Die Polizei war auf die Attentats-Fantasien der beiden Kölner Schüler in einem Schüler-Internetportal aufmerksam geworden und hatte den Jüngeren von beiden zur Rede gestellt. Der 17-Jährige beging nach seiner Vernehmung Selbstmord, der 18-Jährige wurde zunächst festgenommen. Noch am Sonntagabend hieß es, der 17-Jährige und ein 18-jähriger Mitschüler am Georg-Büchner-Gymnasium hätten zahlreiche Mitschüler und Lehrer töten wollen. Am Montag erklärte dann Staatsanwalt Alf Willwacher, der 18-Jährige habe glaubhaft dargelegt, dass er die Tat doch nicht hatte begehen wollen.


Weiterführende Links

  • Neue Osnabrücker Zeitung

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden