"Auf dem Weg zur inklusiven Schule haben wir weniger einen Mangel an Erkenntnis, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem"
Der Bundeselternrat hat sich auf seinem Bildungskongress vom 20. bis 22. November mit der Frage der gelingenden Inklusion im Schulsystem befasst. Direkt vor den Inklusionstagen zum Nationalen Aktionsplan 2.0 wurden mit der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, der Bertelsmann Stiftung und Aktion Mensch drei Organisationen eingeladen, die sich die Förderung dieses wichtigen Transformationsprozesses ganz besonders auf die Agenda gesetzt haben.
25.11.2015 Pressemeldung BundeselternratInklusion beschreibt einen Referenzrahmen, der in Deutschland im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention leider sehr auf den Begriff der Behinderung reduziert wird. Der weitergehende Begriff stellt aber die Frage nach der Verhinderung von Diskriminierung und Teilhabeausschluss für alle Menschen in unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt. Daraus folgt für den Vorsitzenden Michael Töpler: "Jeder und jedem in unserer Gesellschaft muss die gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht werden. Dafür benötigen wir den freien und gleichberechtigen Zugang zu hochwertiger Bildung für alle Schülerinnen und Schüler. Inklusion ist die Grundlage einer umfassenden Bildungsgerechtigkeit und hilft dabei, die Potentiale aller Schülerinnen und Schüler zu entfalten!"
Mit dem Vortrag der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft wurde nach dieser Begriffsklärung aufgezeigt, dass die fünf Mythen der Inklusionsgegner: Inklusion werde scheitern, Inklusion sei pure Sozialromantik, Inklusion funktioniere nicht auf dem Gymnasium, Inklusion sei eine Belastung und verringere die Schulleistungen, mit der schulischen Realität nicht in Einklang zu bringen sind. Diese Ansicht wurde auch von der aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung bei Eltern mit Inklusionserfahrung an der Schule ihrer Kinder und Jugendlichen bestätigt. So werden die Angebote der inklusiven Schule zur individuellen Förderung und das soziale Lernen gerade von diesen Eltern als besonders positiv eingeschätzt. Neben der Frage nach der Bewertung stellte sich aber auch die Frage nach der Datenlage. Die Bertelsmann Stiftung kommt mit ihrer aktuellen Studie zu dem Ergebnis: Die Zahl der Kinder mit festgestelltem Förderbedarf in der Regelschule steigt, die Zahl der festgestellten Förderbedarfe aber auch, so dass im Ergebnis die Zahl der Kinder, die eine Förderschule besuchen, seit 2008 nicht nennenswert gesunken ist. Bei der Ermittlung dieser Zahlen wurde mit den Ländern aber nicht geregelt, was unter einem diagnostiziertem sonderpädagogischen Förderbedarf zu verstehen ist, wie ein inklusiver Lernort aussieht und auf welche Weise diagnostiziert wird. Hier besteht deutlicher Veränderungsbedarf.
Als besonders gutes Praxisbeispiel wurde die Mittelschule Thalmässing aus Bayern eingeladen. Das Leitbild dieser Schule lautet: "Stärken durch eigenaktives Lernen". Diese Schule überzeugt durch ihren grundlegenden Handlungsansatz bei der Umsetzung der Inklusion: Arbeiten mit heterogenen Gruppen in offenen und freien Unterrichtsformen. Eine Umfrage bei den Eltern dieser Schule bestätigt das Ergebnis der Bertelsmann-Stiftung: Die allgemeine Sicht auf Inklusion hängt mit dem Grad der eigenen Erfahrungen zusammen. Aktion Mensch rundete mit ihrem umfassenden Angebot zur Bewusstseinsbildung und Projektförderung die Vorträge dieses Bildungskongresses ab.
Als Resümee dieser Tagung stellt der Pressesprecher Wolfgang Pabel fest: "Auf dem Weg zur inklusiven Schule haben wir weniger einen Mangel an Erkenntnis, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem. Wir brauchen neben guten Beispielen und einer breiten öffentlichen Unterstützung auch eine valide Datenlage im Bereich der Umsetzung. Dies ist die notwendige Grundlage für die qualitative Weiterentwicklung der inklusiven Schule in Deutschland."
Resolution "Aspekte gelingender Inklusion"
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