Besonders starker Rückgang der Schülerzahlen in ländlichen Kreisen Baden-Württembergs bis 2015

"Die Schülerzahlen an allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg werden künftig fast flächendeckend zurückgehen. Diese Entwicklung wird aber in den 44 Stadt- und Landkreisen des Landes – nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Altersstruktur der Bevölkerung im Kinder- und Jugendlichenalter und der unterschiedlichen Dynamik in der Bevölkerungsentwicklung – sehr divergierend verlaufen." So die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kultusminister Helmut Rau zu den Ergebnissen der neuen Schülervorausrechnung.

26.10.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Wie Brenner weiter ausführte, wird bei den Schülerzahlen an Grundschulen der stärkste Rückgang mit einem Minus von bis zu 25 Prozent für die ländlich geprägten Landkreise Sigmaringen und Alb-Donau-Kreis sowie für die verdichteten Landkreise Reutlingen und Enzkreis bis zum Schuljahr 2015/2016 erwartet. Dagegen wird die Schülerzahl vor allem in Heidelberg und Baden-Baden deutlich schwächer absinken.

Dies sind Ergebnisse einer Modellrechnung, die für die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs die mögliche Entwicklung der Schülerzahlen an allgemein bildenden Schulen ermittelt hat. Auffällig ist dabei, dass der Rückgang der (Grund-)Schülerzahl aller Voraussicht nach vor allem in denjenigen Kreisen dynamischer ablaufen wird, in denen die Bevölkerung heute noch relativ jung ist.1) Dies gilt insbesondere für den Landkreis Sigmaringen und den Alb-Donau-Kreis. In den Kreisen mit einer heute noch verhältnismäßig jungen Bevölkerung "wachsen" nämlich überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche aus dem Schulalter heraus. Das bedeutet, dass damit gerade diejenigen Kreise, die derzeit noch eine relativ günstige Altersstruktur aufweisen, vor relativ großen Herausforderungen im Hinblick auf die Anpassung ihrer Infrastruktur im Schulbereich stehen werden.

Die regional unterschiedliche Altersstruktur der Bevölkerung spiegelt sich nach Aussage von Frau Dr. Brenner auch bei der Entwicklung der Schülerzahlen an den weiter führenden Schulen2) wider: Die Zahl der Schüler an Haupt- und Realschulen sowie an Gymnasien insgesamt wird in Baden-Baden sowie in Freiburg im Breisgau bis zum Schuljahr 2015/16 voraussichtlich "nur" um knapp 4 Prozent bzw. gut 5 Prozent zurückgehen; im Zollernalbkreis sowie in den Landkreisen Rottweil und Sigmaringen sind es dagegen immerhin 22 Prozent.

Aufgrund des unterstellten Übergangsverhaltens – insbesondere wegen der im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Übergangsquote auf Hauptschulen und der entsprechend höheren auf Gymnasien – wird die Entwicklung in den einzelnen Schularten aber unterschiedlich verlaufen (vgl. Tabelle).

Die Zahl der Schüler an Hauptschulen wird in den nächsten Jahren stetig zurückgehen. Landesweit wird im Schuljahr 2015/2016 voraussichtlich ein Viertel weniger Schüler öffentliche und private Hauptschulen besuchen als noch im Schuljahr 2006/2007. In den Landkreisen Rottweil und Sigmaringen sowie im Zollernalb- und Enzkreis wird das Minus sogar 31 Prozent bzw. 30 Prozent betragen, in Baden-Baden und in Freiburg im Breisgau dagegen "nur" 14 Prozent bzw. 15 Prozent.

Die Zahl der Schüler an Realschulen wird zwar auch kontinuierlich zurückgehen, der Rückgang wird voraussichtlich aber deutlich schwächer als an den Hauptschulen ausfallen: Die stärkste Abnahme wurde wiederum für den Zollernalbkreis sowie die Landkreise Sigmaringen und Rottweil ermittelt (−17 Prozent); dagegen könnte die Schülerzahl in Baden-Baden und Freiburg im Breisgau bis 2015/2016 sogar geringfügig ansteigen.

Die voraussichtliche Entwicklung an den Gymnasien ist differenzierter zu betrachten: Bis zum Schuljahr 2009/2010 wird die Zahl der Schüler in den meisten Stadt- und Landkreisen sogar noch etwas ansteigen, um erst danach zurückzugehen; im Schuljahr 2011/2012 wird die Zahl der Gymnasiasten landesweit aber immer noch über dem derzeitigen Niveau liegen. Mit dem Ausscheiden des doppelten Abiturientenjahrgangs des letzten 9-jährigen und des ersten flächendeckenden 8-jährigen Gymnasialzugs im Sommer 2012 wird sich die Schülerzahl dann aber abrupt um einen Jahrgang verringern. Nach dem Jahr 2012 wird sich demografisch bedingt der Rückgang der Schülerzahlen an den Gymnasien beschleunigen. Die Spannweite für den Rückgang im Gesamtzeitraum 2006 bis 2015 wird von "nur" −3 Prozent in Baden-Baden bis −20 Prozent im Zollernalbkreis sowie in den Landkreisen Sigmaringen und Rottweil reichen.

1) Neben der unterschiedlichen Altersstruktur der Bevölkerung haben selbstverständlich vor allem auch die in der regionalisierten Bevölkerungsvorausrechnung getroffenen kleinräumigen Annahmen zum Umfang der Wanderungsgewinne bzw. -verluste Auswirkungen auf die Entwicklung der Schülerzahlen in den Kreisen.

2) Aufgrund der relativ geringen Schülerzahlen bleiben die Freien Waldorfschulen, die Schulen besonderer Art sowie die Sonderschulen unberücksichtigt.


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