BEV lehnt Mittelschule ab und fordert wirkliche Förderung in einer Schule für alle Kinder
Die von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle neu erfundene Mittelschule führt nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands (BEV) zur weiteren Zersplitterung des ohnehin schon unübersichtlichen bayerischen Schulsystems. Das nochmalige Sortieren der Schüler nach angeblichem Leistungsvermögen sorge lediglich für neues Leid in der "untersten Bildungsschublade", also bei den Kindern, die übrig bleiben, wenn die anderen auf den mittleren Abschluss vorbereitet werden. "Wenn die erweiterte individuelle Förderung nur für eine gewisse Anzahl von momentan leistungsfähigeren Schülern greift, werden die schwächeren Schüler, die diese noch viel nötiger hätten, wieder benachteiligt", sagt die Landesvorsitzende Heike Hein. "Diese ,Restschülerschaft' wird über kurz oder lang zum neuen Problemfall werden und nach einer neuen Lösung verlangen."
10.07.2009 Pressemeldung Bayerischer ElternverbandAuch die Rettung kleiner Schulen sieht Heike Hein in Spaenles neuem Konzept nicht gewährleistet, da an die neue Mittelschule wiederum genau die Bedingungen geknüpft seien, die kleine Schulen nicht erfüllen könnten. "Man hat auch nicht den Eindruck, dass es dem Minister wirklich um die Förderung von schwächeren Schülern geht", meint Heike Hein. "Sonst hätte es ihm ein Anliegen sein müssen, neben der Hauptschule auch die Förderschule, die die am stärksten benachteiligte Schülerschaft aufnimmt, endlich besser mit Personal auszustatten."
Dabei könne der Minister gerade vom Konzept der Förderschule lernen, wie die individuelle Förderung einer heterogenen Schülerschaft gelingen kann. Die Förderschule verwirkliche längst den differenzierenden und individualisierenden Unterricht, der jetzt allmählich auch für die allgemeinen Schulen gefordert wird. Auch Instrumente wie Berufsorientierung und Praxisklassen seien in der Förderschule gang und gäbe. Spaenle müsse das Rad nicht ständig neu erfinden, sondern lediglich das Konzept der Förderschule auf die allgemeine Schule übertragen und mit entsprechenden Ressourcen ausstatten, so Hein.
Die Lösung sei jedoch eine gemeinsame Schule für alle Kinder. Eine solche Schule, die die Verschiedenheit der Schüler berücksichtige und sie individuell fördere, sichere sämtliche Standorte und sei für alle Schüler ein würdiger Lernort. Außerdem stünden den vielen jetzt nachweislich falsch einsortierten Kindern von Anfang an alle Abschlüsse ohne Umwege und Frustration offen. Wenn der Minister eine solche mit deutlich mehr pädagogischem Personal ausgestattete Schule für zu teuer halte, sei ihm erwidert, dass für den Steuern und Sozialabgaben zahlenden Bürger die beste Schule zugleich die billigste ist.
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