Bilanz zum Schuljahresende

"Der VBE erkennt den Dank der Ministerin für das besondere Engagement der Lehrerinnen und Lehrer im zu Ende gehenden Schuljahr an", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW).

19.06.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

"Allerdings hat die Ministerin allen Grund, sich zu bedanken, weil durch die unausgegorenen Maßnahmen der Politik im Schulbereich auf vielen Baustellen mit der Arbeit begonnen werden musste, ohne dass das notwendige Material vorhanden oder der endgültige Bauplan fertig war. "

Eine der größten Baustellen waren die Sprachstandserhebungen. Sie sind in der Idee ein guter Ansatz, bei der Umsetzung haperte es allerdings. Sie haben in den Grundschulen unnötige Kapazitäten gebunden, zu einem erheblichen Maß an Mehrarbeit und darüber hinaus auch noch zu Unterrichtsausfall geführt. Alles wäre einfacher gewesen, wenn die Landesregierung das Verfahren hinreichend erprobt hätte. Die erste Runde war mehr oder weniger ein großer Feldversuch, dessen unzureichende Vorbereitung von Grundschullehrern/-innen, Sozialpädagogen/-innen und Erziehern/-innen in halbwegs geordnete Bahnen gelenkt werden musste.

Die Qualitätsoffensive Hauptschule ist da gut, wo sie den auf den Hauptschulen befindlichen Schülerinnen und Schülern hilft und z.B. durch den Ganztagsbetrieb bessere Lernbedingungen schafft. Die zunehmende Versetzung von Lehrerinnen und Lehrern von den Hauptschulen an andere Schulformen nimmt dann aber wiederum den Schulen die fachliche Qualität. Von den Hauptschulen werden Lehrerinnen und Lehrer mit den Fächern abgezogen, die dort ohnehin schon Mangelware sind. Das kann nicht im Sinne der Schülerinnen und Schüler sein.

"Hier muss die Landesregierung sich fragen lassen, welchen Bildungsauftrag die Hauptschule künftig haben soll", so Beckmann weiter. "Wie eine Qualitätsoffensive ohne die entsprechenden Fachlehrerinnen und -lehrer funktionieren soll, ist uns schleierhaft."

Seit dem 01.08.2006 sind alle Schulen in NRW eigenverantwortliche Schulen. Das ist eine schöne Formulierung, aber mehr ist es im Moment noch nicht. Schulleiterinnen und Schulleiter sollen Dienstvorgesetztenfunktion bekommen und von der Schulkonferenz gewählt werden. Dieses Wahlverfahren hat dafür gesorgt, dass es schon jetzt weniger Bewerberinnen und Bewerber gibt. Erklärtes Ziel der Landesregierung war aber das Gegenteil.

Viele Kommunen in NRW sind zurzeit bei der Suche nach Lösungen hinsichtlich der Schulstrukturfrage sehr kreativ. Vor allem die ländlichen Kommunen wissen, dass sie das strikt gegliederte System mittelfristig nicht werden erhalten können. Statt diese Kommunen zu unterstützen, blockiert die Landesregierung sie.

"Alles in allem ist die bildungspolitische Bilanz dieses Schuljahres durchwachsen bis zäh", so Beckmann abschließend. "Manche Schüler lernen nur mit besonderer Unterstützung der Lehrerin oder des Lehrers. Da wird das als Pädagogen wissen, unterstützen wir auch die Landesregierung gerne im kommenden Schuljahr, wenn sie mal wieder individueller Förderung bedarf."


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