Bildungsgewerkschaft unterstützt Verzicht auf Ziffernnoten

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt die Forderung des Grundschulverbands nach einem Verzicht auf Noten zugunsten alternativer Beurteilungsverfahren. "Besonders junge Kinder reagieren sehr sensibel auf Entmutigungen durch Notenschocks. Im schlimmsten Fall nehmen die Schüler die Noten für bare Münze – und entwickeln sich wie vorgegeben: Wer eine ´fünf´ bekommt, macht sich danach selbst zum Fünfer-Knadidaten", sagte die stellvertretende Vorsitzende der GEW, Marianne Demmer, mit Blick auf eine Studie, die der Grundschulverband heute vorgestellt hat.

14.06.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

"Lernfortschritte müssen dokumentiert, den Kindern müssen Wege aufgezeigt werden, wie sie sich verbessern und ihre Schwächen gezielt bearbeiten können. Das ist wichtiger als Ziffernnoten. Bei Lernproblemen helfen Noten nicht - schon gar nicht, wenn sie als Ausleseinstrument zum Einsortieren in die verschiedenen Schulformen dienen. Ziffernnoten vertragen sich nicht mit individueller Förderung", stellte Demmer klar.

Ab Klasse 6 oder 7 könnte der individuelle Lernfortschritt der Kinder durch Vergleiche mit der Lerngruppe ergänzt werden, schlug die Schulexpertin vor. Auch hier könne man entscheiden, ob Verbalnoten, Test- oder Ziffernpunkte der richtige Weg sind. Damit entsprächen die Schulen dem berechtigten Interesse der Eltern nach Informationen, wo ihr Kind steht.

Finnland und Schweden kämen in den ersten sechs bzw. acht Jahren ohne Ziffernnoten aus, sagte Demmer. Südtirol stütze sich sogar bis zum Abitur auf individuelle Notengebung, die nur die Leistungsfortschritte erfasst. In guten PISA-Ländern würden die Kinder nur mit sich selbst statt mit anderen Schülern verglichen, betonte die Schulexpertin.


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