Bayerischer Lehrerverband

BLLV: Die Zeit für einen Neuanfang ist reif

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) unterstützt die Forderung von Gymnasiallehrern aus ganz Deutschland nach einer Reform des deutschen Schulsystems ausdrücklich.

21.03.2011 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Wir sind hoch erfreut über den Vorschlag der Bundesdirektorenkonferenz, künftig nur noch zwei Arten weiterführender Schulen zuzulassen. Er kommt unseren Überlegungen zu einem modernen Schulsystem nahe", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel heute in München. Die Zeit für einen Neuanfang in der Schul- und Bildungspolitik sei reif. Der BLLV plädiert schon seit langem für alternative Schulkonzepte, die neben dem Gymnasium Schulen vorsehen, in denen Kinder länger gemeinsam lernen und alle Abschüsse erwerben können. Der Ansatz sei das Gegenteil der immer wieder ins Feld geführten Einheitsschule. "Diese Schule will niemand", stellte Wenzel klar. Aktuell wird über neue Schulkonzepte in den Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg im oberbayerischen Landkreis Eichstätt diskutiert. "Aus unserer Sicht müssen die dort vorgelegten Schulkonzepte eine Chance erhalten. Dort haben sich Gemeinderäte aktiv in die Schul- und Bildungspolitik eingebracht und Konzepte erarbeitet, mit denen sie ein attraktives Bildungsangebot vor Ort schaffen wollen."

"Schulartübergreifende Ansätze wie diese dürfen nicht als Bedrohung, sondern müssen als Chance empfunden werden", betonte Wenzel. Das hätten Eltern in anderen Bundesländern längst erkannt: In Nordrhein-Westfalen platzen Gesamt- und Gemeinschaftsschulen aus allen Nähten. Die Anzahl der Anmeldungen stieg um rund 1000 auf 43 460, wie die Frankfurter Rundschau am Samstag meldete.

"Der bayerische Kultusminister sollte deshalb den Appell und die Forderung deutscher Gymnasiallehrer ernst nehmen und aufgreifen", so Wenzel. Wer Schulen tatsächlich in die Freiheit und Eigenständigkeit entlassen möchte, könne sich solchen Entwicklungen nicht dauerhaft verschließen. "Schulen brauchen mehr Freiheit, mehr Eigenständigkeit und mehr Vielfalt." Die demographische Entwicklung und das Schulwahlverhalten der Eltern zwingen zum Umdenken und Handeln. "Das müsste auch dem bayerischen Kultusminister bewusst sein." Dogmatisches Festhalten an einer starren Trennung der Schularten ersticke die notwendige Flexibilität für passgenaue Lösungen im Keim und verschärfe den Auslesedruck.

Derzeit erlebten Eltern in Deutschland tatsächlich ein Chaos, vor allem, wenn Familien von einem Bundesland in ein anderes umziehen würden. Der Vorschlag, künftig nur noch zwei Arten weiterführender Schulen zu zulassen, sei daher richtungsweisend: "Für den BLLV ist jede Diskussion um eine Öffnung des strikten dreigliedrigen Schulsystems begrüßenswert. Wir brauchen Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam zu unterrichten." Im Mittelpunkt müssten regionale Lösungen stehen, die den jeweiligen Bedürfnissen Rechnung tragen und wohnortnah qualitätvolle Schulangebote und attraktive Abschlüsse sichern.

Längeres gemeinsames Lernen hat neben der Sicherung des Standorts auch viele pädagogische Vorteile: "Die Schulen werden vom Sortierauftrag befreit, ein neuer Lern- und Leistungsbegriff kann etabliert werden. Nicht zuletzt entsteht eine neue Förderkultur, in der Eltern Erfahrungen sammeln können, die sie bislang nicht haben. Sie kennen keine andere Schule und wissen daher auch nicht, dass in einer Gemeinschaftsschule kein Kind zu kurz kommt."


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