BLLV fordert Schutz vor Lärm in Klassenzimmern

Der Lärmpegel in Klassenzimmern liegt oftmals zwischen 60 und 85 Dezibel. So laut ist in etwa ein Staubsauger im Einsatz oder eine dicht befahrene Straße. Noch lauter geht es im Sportunterricht oder in der Pause zu. Der Lärmpegel kann dort noch einmal bis zu 100 Dezibel anschwellen. "Bei solch hohen Werten ist Gehörschutz vorgeschrieben, doch weil an bayerischen Schulen das Arbeitsschutzgesetz ignoriert wird, sind Schüler und Lehrer dem Lärm ungeschützt ausgesetzt." Darauf hat die Vizepräsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Waltraud Lučić, bei der heutigen Fachanhörung des BLLV-Instituts für Gesundheit in pädagogischen Berufen hingewiesen.

30.05.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Thema der Veranstaltung, zu der Experten aus ganz Deutschland angereist waren: "Lärm im Klassenzimmer - ein verkanntes Problem." Lučić wies darauf hin, dass es alte, aber auch neue Schulgebäude gibt, in denen die akustischen Verhältnisse schlecht sind. Noch vor wenigen Jahren wurde die Problematik wenig beachtet. Sie hat sich aber verschärft: "Zum einen haben sich die Unterrichtsmethoden verändert, Schüler arbeiten öfter in Gruppen, zum anderen sind sie insgesamt unruhiger geworden. Das alles führt dazu, dass die Lärmbelastung an manchen Schulen unerträglich hoch ist." Lučić forderte, entsprechende Untersuchungen durchzuführen und bei Bedarf mit geeigneten Lärmschutzmaßnahmen zu reagieren. Sie wies darauf hin, "dass in kleineren Klassen ein generell geringerer Lärmgrundpegel herrscht."

"Bis heute sind die technischen Regeln zur Akustik in Klassenräumen keine gesetzliche Verpflichtung an den Bauherrn, sondern Verhandlungssache zwischen Bauherrn und Bauunternehmer", erklärte Diplom-Ingenieur Peter Hammelbacher, Mitglied im INQA-Arbeitskreis "Lärm in Bildungsstätten". Obwohl es bereits seit 1968 eine DIN-Norm gibt, die 2004 deutlich verschärft wurde, erreichen heute viele Klassenräume nicht einmal die Anforderungen von 1968. "Sie müssten dringend ´nachgerüstet´ werden", forderte er. Dem voraus gehen müssten jedoch raumakustische Messungen, die genaue Werte über die Lärmbelästigung aufzeigen. Die BLLV-Vizepräsidentin appellierte an die Staatsregierung, die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Missstände möglichst schnell zu beheben. "Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Fachgerechte Maßnahmen zur Senkung des Lärmpegels gibt es inzwischen zur Genüge - vorausgesetzt, sie sind gewünscht."

Lärmschutz ist ein gravierendes, aber vernachlässigtes Problem. Oftmals wird es tabuisiert, obwohl die Folgen fatal sind: Lärm erzeugt Stress, der krank machen kann. Lärm kann aber nicht nur gesundheitliche Probleme verursachen, er wirkt sich auch signifikant auf den Lernerfolg der Schüler und ihre Konzentrationsfähigkeit aus, die Schüler/innen werden erheblich in ihren Lernleistungen beeinträchtigt. "Benachteiligt werden vor allem diejenigen Schülerinnen und Schüler, die an Lernstörungen oder körperlichen Beeinträchtigungen leiden, aus bildungsfernen Familien kommen oder aber die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen", betonte Lučić.

Lärmbelästigung gehört zu der am häufigsten genannten Belastungsart des Lehrerberufs. Dabei werden Lärmimmissionen im Klassenzimmer nicht nur direkt als akustische Signale wahrgenommen, sie setzen vielmehr indirekt einen Folgeprozess in Gang, der zu psychoemotionalen und psychosozialen Belastungen von Lehrern und Schülern führt. Diese haben besonders negative Auswirkungen auf Arbeitsbereitschaft, Konzentration, Ausdauer, auf das kommunikative Verhalten und Beziehungen im zwischenmenschlichen Verhältnis. Lučić: "Schüler verbringen rund 75 Prozent der Unterrichtszeit mit Zuhören - ob im Klassenverband oder in der Gruppe. Es liegt auf der Hand, dass gute Sprachverständlichkeit für den Lernerfolg von zentraler Bedeutung ist."

"Inzwischen gibt es wirkungsvolle Möglichkeiten, den Schallpegel, Echo-Effekte und Nachhallzeiten zugunsten eines klaren Hörens zu verringern. Die Fachwelt spricht von der ´akustischen Ergonomie der Schule´. Fachgerechter Lärmschutz verursacht freilich Kosten", räumte Lučić ein. "Die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern und Lehrkräften rechtfertigen diese Investitionen aber nicht nur, sondern machen sie dringend erforderlich."


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