BLLV für mehr islamischen Religionsunterricht

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, hat sich für die Einführung eines geordneten islamischen Religionsunterrichts an allen öffentlichen Schulen in Bayern ausgesprochen. "Mit dem seit 2002 laufenden Erlanger Modellversuch wurden bereits viele praktische Erfahrungen gesammelt. Davon könnten andere Schulen profitieren und islamischen Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach anbieten", erklärte er.

25.01.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Die Lehrpläne liegen bereits vor." Autoritäten islamischer Religionsgemeinschaften müssten nun mithelfen, "dass der Unterricht in deutscher Sprache und unter der amtlichen Schulaufsicht stattfinden kann." Der BLLV schließt sich dem Wunsch der CSU-Landtagsfraktion an, dass Muslime in Bayern eine einheitliche Organisation schaffen sollten, die sich zur freiheitlichen und demokratischen Grundord-nung bekennt. Das von der CSU-Landtagsfraktion entwickelte Grundlagenpapier "Integration und Islam" - es wurde auf der Klausur in Kreuth vorgestellt - würdigte Wenzel als "wegweisend und in der Sache richtig." Der BLLV schließt sich der darin formulierten Forderung an, mehr geeignete Lehrer einzusetzen, die an eigens dafür einzurichtenden Lehrstühlen für islamische Religionspädagogik auszubilden sind.

Mit dem Modellversuch in Erlangen ist es gelungen, sensible verfassungsrechtliche Fragen zu klären. Islamischer Religionsunterricht wird dort seit dem Jahr 2002 als offener Versuch von qualifizierten Lehrern in deutscher Sprache erteilt. Die Universität Erlangen begleitet das offene Projekt wissenschaftlich. Der Modellversuch in Erlangen hat den großen Vorteil, dass dort im Sinne des Artikel sieben, Grundgesetz, die Inhalte des Religionsunterrichts mit einer eigens gegründeten "Islamischen Religionsgemeinschaft Erlangen" (IRE) abgestimmt sind. Dieses Modell läuft seit Beginn des Schuljahres 2007/08 auch an der Geschwister-Scholl-Realschule in Nürnberg.

Da derzeit nicht mit einer schnellen Gründung einer bayernweiten Religionsgemeinschaft gerechnet werden kann, fordert der BLLV das Kultusministerium auf, den Ausbau der "Inselbildung" des islamischen Religionsunterrichts als Übergangslösung zu unterstützen. Auch der BLLV bietet allen Organisationen, die das "Erlanger Model" übernehmen wollen, organisatorische Hilfen an.

Der BLLV hatte sich als einer der ersten für einen islamischen Religionsunterricht an bayerischen Schulen eingesetzt. Wenzel: "Es entspricht unserem Selbstverständnis, religiöse Erziehung als wesentlichen Bestandteil von Bildung und Erziehung zu sehen." Zur Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern gehören das Verständnis von Grundlagen von Kulturen und religiösen Traditionen sowie die Vermittlung von Normen und Werten.

Der BLLV forderte stets, dass die Inhalte des islamischen Religionsunterrichts mit autorisierten Vertretern der islamischen Religion abgestimmt werden müssen. Sie müssen der bayerischen Verfassung und dem deutschen Grundgesetz entsprechen. "Der Unterricht ist in deutscher Sprache zu erteilen und von qualifizierten, in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften durchzuführen." Außerdem muss er der staatlichen Schulaufsicht unterliegen. Grundlage sind Lehrpläne, die von islamischen Religionsgemeinschaften erarbeitet und verantwortet werden sowie von den jeweiligen Kultusministerien genehmigt sind. "Die Bedingungen sind erfüllt, nun sollte es keine weiteren Hindernisse geben", erklärte Wenzel.

Die gegenwärtige Praxis der "Islamischen Religiösen Unterweisung" in türkischer und deutscher Sprache bezeichnete der BLLV-Präsident als pragmatisches Angebot an Kinder muslimischen Glaubens unter deutscher Schulaufsicht. "Es ist jedoch kein Religionsunterricht im Sinne der bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes. Das derzeitige Angebot muss daher zeitnah durch einen ordentlichen Religionsunterricht ersetzt werden." Weil der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung in den kommenden Jahren steigen wird, fordert der BLLV, Lehrer und Erzieher im Umgang mit muslimischen Kindern entsprechend fort- und auszubilden.


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