bpv kritisiert neuerliche Forderungen nach Änderungen in der Schulstruktur: Bildungspolitik nicht länger als Spielwiese zur politischen Profilierung missbrauchen
"Als sachlich absolut nicht nachvollziehbar" hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt neuerliche Forderungen durch die FDP und die Oppositionsparteien nach grundlegenden Veränderungen im Schulwesen des Freistaates bezeichnet: "Die auch heute wieder geführte politische Diskussion um schulische Reformen gleicht mittlerweile einem bildungspolitischen Rummelplatz, auf dem selbst die ollsten Kamellen als der letzte Schrei angepriesen werden: Verlängerung der Grundschule auf fünf, sechs, acht, neun oder zehn Jahre, Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule, Einheitsschule für alle Kinder, "mittlerer" Bildungsabschluss als Mindestabschluss, Hochschulzugang für alle. Inzwischen scheint zur politischen Profilierung jeder abstruse Vorschlag recht zu sein. Man hat den Eindruck, dass es den Rufern nach neuen schulischen Strukturen oft genug nicht mehr um den einzelnen Schüler und seine Bedürfnisse geht, sondern darum, Schule als Hebel zur gezielten Änderung gesellschaftlicher Strukturen einzusetzen."
27.05.2009 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Bildungsforscher: Hoffnung auf Chancenausgleich durch Schulstrukturänderung "produziert nur Enttäuschungen"
Der bpv-Vorsitzende erinnerte daran, dass führende deutsche Bildungsforscher wie Prof. Dr. Baumert, Prof. Dr. Prenzel, Prof. Dr. Klieme oder Prof. Dr. Tenorth seit Jahren immer wieder vor hochfliegenden Hoffnungen in einschneidende Veränderungen der Schulstruktur warnen: "Auch eine Veränderung der Schulstruktur erreicht niemals (...) einen Chancenausgleich. Eine solche Utopie produziert nur Enttäuschungen." (Baumert); es sei "nur eine hübsche Annahme, dass mit der gleichen Schule auch die gleichen Chancen für alle geschaffen werden. Aber das ist leider falsch!" (Tenorth)
Auch der Blick auf egalitärer angelegte Schulsysteme wie in England und Frankreich oder auch auf deutsche Gesamtschulen zeigt: Die Verwässerung oder Aufhebung bestehender schulischer Strukturen produziert langfristig das Gegenteil dessen, was sich ihre Befürworter davon erwarten: schlechtere statt besserer Leistungen, größere statt weniger soziale Unterschiede und damit letztlich für mehr Schüler geringere gesellschaftliche und berufliche Chancen.
Besser Hirnschmalz, Herzblut, Zeit und Geld in differenziertes Schulsystem investieren
Demgegenüber vertrete sein Verband die Auffassung, dass im Zentrum schulischer Bemühungen nicht utopische Gesellschaftsmodelle, sondern das real existierende einzelne Kind stehen muss: "Kinder sind verschieden. Sie kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule, bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen mit und haben unterschiedliche Interessen. Ein differenziertes Schulangebot kann diesen unterschiedlichen Voraussetzungen, Begabungen und Interessen der Schüler am besten gerecht werden. Wir sollten daher dem Rat der PISA-Forscher folgen und Hirnschmalz, Herzblut, Zeit und Geld in die Optimierung - und nicht in die Abschaffung - unseres differenzierten Schulsystems investieren."
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