"Das Kind nicht in den Brunnen fallen lassen"

"Es ist doch aberwitzig, wenn man erst wartet bis das Kind in den Brunnen gefallen ist", kommentiert Anton Huber, Präsident des Bayerischen Realschullehrerverbandes, die Situation der Hamburger Grundschüler, die nach dem Willen der dortigen schwarz-grünen Regierung nun sechs Jahre lang zur Grundschule gehen sollen.

15.01.2009 Bayern Pressemeldung Verband Reale Bildung

"Wer glaubt, dass Kinder mit Lücken in der vorschulischen Bildung nur durch eine längere gemeinsame Grundschulzeit diese Schwächen ausgleichen können, der hat nicht verstanden, wie Lernen funktioniert", so Huber. Der Vorsitzende fordert alle an Bildung und Erziehung Beteiligten auf, die Schulstrukturdebatte zu beenden und Visionen für eine rechtzeitige Förderung aller Kinder zu entwickeln.

"Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat" (Mt 25,29), zitiert Huber. Es sei nicht nur in Fachkreisen doch längst bekannt, dass Kinder, die über mehr Vorwissen verfügen, einen deutlich höheren Nutzen aus einem bereitgestellten Lernangebot ziehen. "Dies ist auch der Grund dafür, dass sich Unterschiede in der Leistungsfähigkeit mit zunehmender Lerndauer verstärken und nicht abschwächen".

Dieser natürlichen Lerndynamik dürfe man nicht zum Nachteil der leistungsstärkeren Kinder einen Riegel vorschieben, indem man sie durch zu geringe Anfoderungen "klein halte." Stattdessen müsse man alles versuchen, was möglich sei, um allen Kindern, ganz gleich aus welcher sozialen Schicht sie kommen, ein Förder- und Betreuungsangebote zu ermöglichen, damit diese ihre Anlagen optimal entfalten können. Auch die Eltern will man mit ins Boot holen.

Huber schlussfolgert: "Die kindliche Frühförderung ist eine Ressource für die Bildung, die wir systematisch und mit Bedacht erschließen müssen. Es geht dabei nicht um Hochleistungskrabbelgruppen und Fremdsprachenlernen noch vor dem Kindergarten. Getreu dem Motto des Bayerischen Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle strebe man "Qualität vor Geschwindigkeit" an. Huber ruft diesbezüglich alle interessierten Eltern, Lehrer, Erzieher und Politiker zu einem konstruktiven Dialog auf.

Ansprechpartner

Verband Reale Bildung

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